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Weniger ist mehr – Ein Bekenntnis zum Minimalismus?

Ausmisten ist nicht gleich Ausmisten. Es gibt verschiedene Ansätze und Ideen, die hinter dem Aussortieren von Dingen stehen. Eine kleine Übersicht – in drei Artikeln – hilft.

Teil 2:

In einer kapitalistisch orientierten Gesellschaft sind wir täglich mit Konsum konfrontiert. Kaufen gehört zu unserem Alltag. Aus dem Kauf folgt logischerweise Besitz. Ob das nun ein teurer Sportwagen, ein Designer-Sofa oder einfach nur ein übervoller Kleiderschrank oder ein aus allen Nähten platzendes Bücherregal ist, macht für die Idee eines minimalistischen Lebens keinen Unterschied. Denn beim Minimalismus geht es um eine Vereinfachung und damit um eine Besinnung auf das Wesentliche. Verbunden ist damit natürlich auch das unvermeidliche Ausmisten, denn irgendwie muss ja reduziert werden. Anders als bei der KonMari-Methode ist der Minimalismus etwas schwerer zu greifen.

Auf Youtube finden sich unzählige Vorher-Nachher-Videos von begeisterten Minimalisten. Befreit von der Last ihres unnützen Besitzes zeigen sie sich im Video oftmals zu Tränen gerührt und voller Unverständnis für ihr früheres Leben.

Aber wie befreie ich mich von unnützen Dingen?

Sehr beliebt ist die Karton-Methode. Woher diese Methode genau kommt, ließ sich während meiner Recherche nicht ermitteln. Es finden sich allerdings einige Erfahrungsberichte und sogar ganze Filme dazu. Sehr spannend und unterhaltsam ist das Experiment „My Stuff“ des Finnen Petri Luukkainen, der seinen gesamten Besitz einlagert und jeden Tag nur ein Teil zurückholen kann:

My Stuff DE Trailer from Rise and Shine on Vimeo.

Verbreiteter und nicht ganz so radikal ist die Methode alles – aus einem Raum – in Kartons zu packen. Innerhalb eines festgesetzten Zeitraums (variiert zwischen einer Woche und 90 Tagen) darf nur herausgenommen werden, was tatsächlich benötigt wird. Ein bisschen wie Umziehen für Faule…

Ein richtiges Geschäftsmodell haben die amerikanischen Blogger Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus aus ihrer Leidenschaft für den Minimalismus entwickelt: Sie schreiben nicht nur an ihrem Blog The Minimalists, sondern veröffentlichten bereits mehrere Bücher zum Thema, sind für Vorträge buchbar, haben eine eigene Web-Serie entwickelt und es gibt sogar einen Film.

Ziel ist die Änderung der persönlichen Einstellung, hin zu einem bewussteren Kauf- und Aufbewahrungsverhalten. Das Zauberwort für Minimalisten ist wohl der Trendbegriff Achtsamkeit. Was brauche ich wirklich?

Ansätze von Minimalismus in der Mucbook-Redaktion…

Dieser Frage gehen auch unsere Autorinnen Sophia und Julia nach. Seit Sommer versuchen sie, keine neue Kleidung mehr zu kaufen – ausgenommen sind Socken. Außerdem gibt es vier sogenannte „Cheats“ – also Sachen, die man unbedingt haben muss oder möchte.

Wie kamt ihr auf die Idee?
Sophia: Ein Artikel in der Zeitung hat mich aufgerüttelt. Es wurde die These aufgestellt, dass niemand in Deutschland neue Klamotten braucht. Daraufhin habe ich aussortiert. Stichwort: 40 Paar Schuhe – wer braucht so viele Schuhe?
Julia: Ich wurde von Sophia angestiftet und zu zweit zieht man es eher durch als alleine.

Was habt ihr seit September gekauft?
Sophia: Wir haben ja vier Cheats. Ich habe seitdem ein T-Shirt und ein Paar Winterschuhe gekauft.
Julia: Socken – Glitzersocken, die nicht zählen, ein T-Shirt und zwei warme Winterpullover. Außerdem habe ich „neue“ aussortierte Sachen von einer Freundin bekommen…

Was hat sich bisher durch euer Experiment verändert?
Sophia: Ich weiß jetzt, welche Sachen ich wirklich anziehe – gar nicht so viele. Ich verplempere nicht mehr so viel Zeit fürs Shoppen und bekomme auch keine Facebook-Werbung mehr für Kleidung. Stattdessen für eher absonderliche Dinge wie Router, Wolle oder Hotelzimmer in Paris.
Julia: Ich dachte, ich hätte mehr Geld, hab ich aber nicht. Mein Kaufverhalten ist aber bedachter, ich kaufe nicht mehr so viel Scheiß, den ich gar nicht brauche…


Geeignet für: Sinnsuchende
Zeitaufwand: Mindestens ein Monat, aber eher langfristig… eigentlich für immer!
Diese Frage solltest du dir stellen: Was brauche ich wirklich?
Aussage: Weniger ist mehr!


Beitragsbild: Photo by Andrej Lišakov on Unsplash.

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