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Monticule: „Das schönste Festival des Jahres“

Nächste Woche ist es wieder soweit. Das Monticule-Festival im Süden Frankreichs geht in die vierte Runde. Was euch dort erwartet und wie ihr noch an Tickets kommt, lest ihr bei uns im Beitrag.

 

Im dünn besiedelten Département Lot im Süden Frankreichs steht „un monticule“ – ein Hügel. Am Fuße des Hügels mäandert der Lot, in der Ferne sieht man Eichenwälder, Weinberge und ein paar der für die Region charakteristischen Steinhäuser. Drei Jahre ist es her, dass Florian Scheuer, Simon Weber, Richard Bücheler und Eric Schönemeier eine Function One Anlage auf ebendiesen Hügel gestellt und das erste „Monticule Festival“ für eröffnet erklärt haben. 

Seitdem hat sich einiges getan. Jahr für Jahr ist das Festival ein klein wenig gewachsen, ein bisschen professioneller geworden. Für die diesjährige Ausgabe wurden beispielsweise die bestehenden drei Stages um einen Ambient Floor erweitert. Zu der nahegelegenen, 84 Meter tiefen Quelle muss man nicht mehr zu Fuß laufen, man kann auch den neu eingerichteten „Eselexpress“ nehmen. Im kulinarischen Bereich darf man sich über Craftbeer und einen neuen „Casse-Croûte-Stand“ freuen, an dem einen die Crew vom Château Perché Festival mit Spezialitäten aus dem Département und der Puy-de-Dôme versorgt. 

Bei allen Änderungen und Neuigkeiten, ist man der ursprünglichen Philosophie dennoch treu geblieben. Vier Dinge machen das Monticule Festival besonders:

1. Die Monticule-Familie

„Begonnen hat es eigentlich als überdimensionierte Home-Party“, sagt Eric Schönemeier. Mit mittlerweile knapp 1000 Gästen lässt sich zwar kaum mehr von einer Hausparty sprechen, für Richard Bücheler dürfte es sich aber immer noch so anfühlen. Er ist auf der 145 Hektar großen Domaine de Gayfié zu Hause, die das restliche Jahr statt Festival-Gängern eher Urlauber und Pilger lockt. Auch daher rührt die Leave-No-Trace-Policy bei Monticule. Wer eine Party bei guten Freunden feiert, würde seine Kippen auch nicht einfach auf den Boden schmeißen.

Die familiäre Vertrautheit sorgt für eine entspannte Atmosphäre. Während sich DJs auf großen Festivals häufig unwohl fühlen und nach ihrem Auftritt so schnell wie möglich vor Selfie-Sticks und Neon-Schminke fliehen, bleibt ein Großteil des Monticule-Lineups für mehrere Tage, wenn nicht sogar für die gesamte Dauer des Festivals. Kosme, der auch dieses Jahr wieder dabei sein wird, hat letztes Mal seine Eltern mitgebracht. Der international gefeierte Rødhåd war mit seiner Mutter am Start. 

Zum intimen Vibe trägt außerdem bei, dass die Crew schon Wochen vorher da ist und alles selber aufbaut. Hausgemachter Lavendelsirup statt Heineken-Banner, so lautet die Devise.

Entspannte Festival-Stimmung

2. Der Heiland von Cajarc

Als vor drei Jahren zum ersten Mal die Nebelmaschine angeworfen wurde und die ersten Platten ihre Runden drehten, war die Überraschung in den umliegenden Dörfern erstmal groß. Party bis in die Morgenstunden? Bei uns? Nach einem kurzen Annäherungsprozess ist das Monticule-Festival nun fest in der Region verankert. Der Bürgermeister des Nachbardorfes verkauft in seinem Büro vergünstigte Tickets an die Anwohner. Bei den jungen Menschen aus der Gegend ist die alljährliche Party im Kalender dick angestrichen. Knapp die Hälfte der Besucher sind Franzosen. 

Dass die örtliche Integration des Festivals so gut geklappt hat, liegt vor allem daran, dass die Organisatoren von Anfang an versucht haben, so eng wie möglich mit der dortigen Bevölkerung zusammenzuarbeiten. „Das mit der Regionalität war schon immer geplant“, sagt Eric. „Aber wenn du kein Wort Französisch sprichst und die Typen nicht kennst, die die geilen Produkte haben, dann bekommst du sie auch nicht.“ 

Diese Hürden sind mittlerweile so gut wie abgebaut. Die Französischkenntnisse aller Beteiligten haben sich verbessert. Richard wird von den Händlern manchmal wie der Heiland gegrüßt. Dieses Jahr wird es zum ersten Mal ein täglich wechselndes französisches Gericht geben, zubereitet von Marktstandbesitzern aus der Umgebung. Den Kartoffeln für den Pommesstand kann man von der Fritteuse aus beim Wachsen zusehen. Bier und Wein kommen von Brauereien und Weingütern, die alle nicht weiter als 50 Kilometer entfernt sind.

3. Kein Urlaub vom Urlaub

Die typische Festival-Erfahrung hört sich ungefähr so an: Man pilgert vom Zeltplatz zur nächstgelegenen Stage, in den Händen zwei lauwarme Dosenbier, die bis zu Einlasskontrolle geleert werden müssen. In der Nacht zuvor wurde man von wummernden Bässen in den Schlaf gewiegt, der nach zwei Stunden wegen unerträglicher Hitze im Zelt sein jähes Ende fand. Die Körperhygiene an dem Tag beschränkt sich auf eine Bierdusche, die man von einem besoffenen Engländer verpasst bekommt.

Mit anderen Worten: witzig aber anstrengend. Nach so einer Erfahrung täten ein paar Tage Regeneration gut. Beim Monticule-Festival kann man sich diesen Urlaub nach dem Urlaub sparen. Es gibt nicht nur einen Pool, sondern auch einen wunderschönen Wasserlauf inklusive türkisfarbener Badequelle. 

Wer genug vom Tanzen hat, kann eine Yoga-Session besuchen oder sich massieren lassen. Man kann eine geführte Höhlentour buchen und sich in Landschaftsmalerei versuchen, in einer extra aufgebauten Halfpipe Skaten gehen oder Unterricht in Astronomie nehmen. 

Dabei versucht man möglichst im Einklang mit der Natur zu feiern. Handaschenbecher, Mülltrennung, ein Pfandsystem und Trockentoiletten statt Dixi-Klos sollen dazu beitragen, dass der ökologische Fußabdruck so klein wie möglich ausfällt.

4. Das Booking

Ein Festival von der Größe Monticules hat neben der intimeren Atmosphäre einen weiteren Vorteil: Man bleibt von Fomo, der fear of missing out, weitestgehend verschont. Wenn man sich nicht gerade bei der Höhlentour verläuft, dürfte es zeitlich problemlos möglich sein, alle persönlichen Lieblings-DJs spielen zu sehen. Auf den Bühnen gibt es fast keine Überschneidungen und auch von den Energien werden die Floors aufeinander abgestimmt sein. 

Neben zahlreichen Münchner Allstars ist auch die eine oder andere Weltgröße vertreten, genannt seien hier beispielsweise FJAAK und Modeselektor. Das Festival arbeitet außerdem eng mit verschiedenen Kollektiven zusammen. Zu Besuch sind dieses Jahr unter anderem Malka Tuti, Public Possession, Multi Culti und Pappendisko. Also anschnallen, festhalten, es gibt was auf die Ohren. 

Wem die World-Leagueisierung der letzten Jahre ein bisschen die Freude an Festivals geraubt hat, der dürfte sich auf dem Monticule umso wohler fühlen. Für viele, die dieses Jahr nicht zum ersten Mal dabei sind, steht jetzt schon fest, dass es das schönste Festival des Jahres wird. Ab nächster Woche Mittwoch kann sich jeder persönlich davon überzeugen, ob das Monticule den Erwartungen gerecht wird. Die Chancen stehen jedenfalls gut.

In aller Kürze:

Was? Monticule Festival 2018

Wo? Domaine de Gayfié, Frankreich

Wann? 20. – 24. Juni

Tickets: € 155 – weniger als 50 Stück vorhanden

Fotos © Rubens Ben

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