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Von Kleinkunst zur Kunstbühne: Das ist das neue Heppel & Ettlich

Pauken, Trompeten und Synthesizer stimmten das neue Zeitalter des Heppel & Ettlich gebührend ein: Die Kunstbühne am Wedekindplatz startete Mitte September nach einmonatigen Renovierungsarbeiten und einem Betreiberwechsel neu, mit einem zweitägigen Eröffnungsfestival der Sonderklasse.

Ein paar Wochen später ist der Start verdaut und der Regelbetrieb steht an: „Die Eröffnungsfeier hätte nicht viel besser laufen können“, erzählt uns Birgit Wildhof bei einem Treffen im neu gestalteten Theater.

Die 44-jährige Mutter von drei Kindern (und ehemalige Ernährungswissenschaftlerin) kam über die Dokumentarfilm-Produktionen des langjährigen Mitbetreibers Wolfgang Ettlich, liebevoll „Wolli“ gerufen“, zum Heppel & Ettlich und übernahm jetzt gemeinsam mit Mario Lehlbach die Kleinkunstbühne.

Berliner Kabarett in München

Seit gut 50 Jahren prägten die Berliner Jungs Wolfgang Ettlich und Henry Heppel das kulturelle München. Die Namensgeber Heppel und Ettlich liebäugelten lange mit dem Ruhestand – 33 Jahre lang haben sie in der Kaiserstraße der (Klein-)Kunst eine Bühne geboten, bis sie mit ihrem Heppel & Ettlich 2009 direkt über die ehemalige Kult-Kneipe Drugstore zogen.

Im Juli diesen Jahres war es dann so weit und die beiden beschlossen, sich neuen Lebensabschnitten zu widmen. Sie ziehen sich aber nicht komplett aus der Öffentlichkeit zurück: Ettlich selbst nahm bereites etwas Neues in Angriff und steht hinter dem Tresen seiner neuen Kneipe „Neukölln“ in der Clemensstraße 83.

Altbekannt

Der Entschluss des jetzigen Besitzer-Duos, bestehend aus Mario Lehlbach (Ehemaliger MUCBOOK-Redakteur) und Brigitte Wildhof, das Heppel & Ettlich zu übernehmen, kam schnell – sie sind ein ohnehin schon eingespieltes und mit dem Kulturbetrieb bestens vertrautes Gespann. Mario Lehlbachs Laufbahn im Heppel & Ettlich reicht bis 2015 zurück, zunächst hat er dort als Praktikant gearbeitet. Nachdem er sein Studium der Europäischen Ethnologie abgeschlossen hatte, bot ihm Wolli eine Festanstellung an.

Wohnzimmer-Flair

„Wir wollten das Heppel & Ettlich sowohl programmtechnisch, als auch von der Lokalität ausgehend progressiv gestalten. Wichtig war uns zu zeigen, dass man in Schwabing mehr zur Auswahl hat als nur chic Essen zu gehen, sondern dass man auch (Sub-)Kultur erleben kann“, so Lehlbach.

Sie sind ihrer Linie treu geblieben: der intime Wohnzimmer-Flair wurde beibehalten. An der Bühne hat sich nichts geändert, allerdings wurde die Bar vergrößert, die Technik auf heutigen Stand gebracht und die Publikumsreihen mit einladenden Sitzecken aus Holz ausgestattet.

Tam Tam in der Garderobe

Die Garderobe ist jetzt etwas ganz Besonderes, eingerichtet vom Tam Tam Kollektiv: der Boden wurde mit Spiegeln versehen und von der Decke hängen Kunstinstallationen, eine Lampe aus Einweg-Aluminium-Grills und ein Gehänge aus bunten Kleiderbügeln.

Die Ankleide-Ecke soll, wenn Zeit ist, monatlich wechseln, „zurzeit werden wir wohl alle zwei Monate dazu kommen“, so Birgit Wildhof.

Von Kleinkunst zur Kunstbühne

Der Begriff Kleinkunstbühne ist für das Etablissement nicht mehr passend. Dem Besitzerduo ist es wichtig zu zeigen, dass es sich um eine Kunstbühne handelt. Weg vom Kabarettistischen Kontext hinzu einer Plattform, der es neuen Musikern, DJs und (Improvisations-)Schauspielern erlaubt, ihre ersten Schritte in die Szene zu machen.

„Kabarett machen unsere Nachbarn ohnehin schon super“, fügt Lehlbach hinzu. Gemeint ist die Kneipe und Kleinkunst-Bühnenbastion ums Eck, das Vereinsheim.

Wichtig ist den beiden, dass kein radikaler Bruch zu früher entsteht, auch der alte Name sollte bestehen bleiben, denn dieser genießt in München Kultstatus.

Wir finden: Das Heppel & Ettlich hat ein äußerst gelungenes Facelift bekommen und steht dem Altbekannten in nichts nach, an vielen Ecken wirkt es mit einer klar erkennbaren Linie aufgeräumter.


In aller Kürze:

Was? Heppel & Ettlich

Wo? Feilitzschstraße 12, 80802 München

Wieviel? Je nach Veranstaltung unterschiedlich, so ab 6 €


Fotos: © Max Grassl

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