Laternenumzug fuer Erwachsene
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Rabimmel, Rabammel, Revolution: Die Stadt verbietet einen Laternenumzug für Erwachsene

Einmal wieder Kind sein, einmal wieder unbeschwert durchs Leben gehen, ohne Gedanken an die Rechnungen, Steuer, Krankenversicherung und den ganzen Kram, der uns unser tägliches Leben schwer macht.

Das wärs doch, oder? Wollen wir doch alle irgendwie.

Das dachten sich auch über 8.000 Münchner*innen, die auf Facebook die Einladung zum ersten Münchner Laternenumzug für Erwachsene gesehen und für interessant befunden haben.

Was für eine nette Idee, einmal wieder so unschuldig und sorgenfrei sein wie damals, als die Welt noch in Ordnung war und Mama und Papa für alles gesorgt haben, nicht?

„Nix da!“

Sagt der böse, böse Papa Staat (aka KVR) und hat dem Umzug die Genehmigung verweigert. Das teilten die Veranstalter am Mittwochabend auf Facebook mit. Seither wächst der Ärger und die Zahl der wütenden Kommentare, die Zahl der weinenden und vor Wut rot angelaufenen Emojis steigt und steigt (331 weinende, 148 wütende zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels).

Aber keine Sorge: die Absage der Stadt hat nicht etwa Resignation oder ein gepflegtes Schulterzucken zur Folge, wie das zum Beispiel beim anhaltenden Wahlerfolg der AfD, dem gerade wieder brandaktuellen CumEx-Skandal oder den von Jahr zu Jahr unbezahlbarer werdenden Mieten der Fall ist (auch wenn man da gerechterweise sagen muss, dass die Münchner*innen ganz schön demonstrationsfreudig waren in den letzten Monaten).

Das Gegenteil ist der Fall: Da wird unverhohlen zu zivilem Ungehorsam aufgerufen.

Das kann man sich ja nicht bieten lassen

Die Laternen-Träger pochen auf ihr Recht, noch einmal Kind sein zu dürfen und wollen sich trotzdem treffen. „Ich laufe rum mit meiner Laterne wann und wo ich will“, schreibt ein Teilnehmer. Ein anderer fragt sich, ob jetzt der Weihnachtsmarkt und der Christkindlmarkt auch verboten werden. Eine dritte kann kaum glauben, dass Erwachsenen verwehrt werden soll, was Kindern erlaubt ist und möchte dann einfach an einem anderen Ort ihren Umzug haben.

Da kann man förmlich bei der Radikalisierung der Massen zuschauen. Kleine Empfehlung also an alle Parteien, die dringend Mobilisationsbedarf haben (Hallo SPD!): So erhitzt man die Gemüter und bringt man die Volksseele zum Kochen. Nicht mit Nichtigkeiten wie der Luftverschmutzung in der Stadt, die uns auf die Gesundheit schlägt. Nicht mit Mietwucher oder Renten, die nicht zum Überleben reichen.

Mit einem Laternenumzug. Für Erwachsene.

Einen Gewinner gibt’s immer

Wie immer, wenn es so viele vermeintliche Verlierer zu geben scheint, gibt es auch Gewinner: Sie dürfen zwar ihren Laternenumzug für Erwachsene nicht durchführen, aber die Verkäufer eines Biermischgetränks, die diese Idee hatten, haben auf jeden Fall den ersten Platz in der Kategorie „Guerilla-Marketing“ bei allen relevanten Awards verdient.

Wir ziehen unsere imaginären Hüte – und empfehlen der bayrischen SPD, für die nächste Wahlkampagne mal bei denen anzuklopfen. Bei den Grünen hat es ja mit einer Lebensmittel-Werbeagentur auch bestens geklappt.


Beitragsbild: © ZebraDS via Wikimedia

2 Comments
  • Björn Winkler
    Posted at 19:28h, 25 Oktober

    Sehr lustig, wenn sich ein Magazin der Belanglosigkeiten („die garantiert 10 schönsten Plätze in einer Münchner S-Bahn, auf denen ihr am entspanntesten durch die Stammstrecke kommt“) über die Belanglosigkeit der Münchner echauffiert …

  • Jan Krattiger
    Jan Krattiger
    Posted at 10:39h, 29 Oktober

    Lieber Björn, wenn du dich ein bisschen länger mit Mucbook beschäftigst (Online und auch mit unserem Print-Magazin), wirst du schnell feststellen, dass wir uns durchaus gerne mit vermeintlichen Belanglosigkeiten auseinandersetzen, aber genau so gewichtigere und ernstere Themen behandeln. Hat ja auch beides seine Berechtigung, wenn man über seine Stadt schreibt.
    In dem Sinn wünsch ich dir eine schöne, von Belanglosigkeiten möglichst befreite Woche,
    Jan

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