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Nach Absage der Stadt: Jetzt lädt Radio Gong zum „Martinsumzug“

+++Update unten, 12.11.+++

Wir hatten bereits darüber berichtet, dass ein findiger Biermischgetränkehersteller aus Unterschleißheim sich eine geniale Guerilla-Marketingidee ausgedacht hatte und für den 11. November zum 1. Münchner Laternenumzug für Erwachsene einlud – was bei Facebook prompt Tausende von InteressentInnen anzog.

Die Stadt jedoch entschied sich dazu, dieser Werbeveranstaltung keine Bewilligung zu erteilen, was die Online-„Volksseele“ ordentlich zum Kochen brachte.

Aber nicht mit Radio Gong!

Hier wiederum kommt ein lokaler Radiosender ins Spiel, genauer gesagt dessen „Morningman Mike“. Der hat natürlich genau so aufmerksam wie viele andere beobachtet, wie viel Aufmerksamkeit dieser Laternenumzug für Erwachsene erzeugt hat und springt jetzt auf den Zug auf, gibt sich als Retter in der Not und lädt ein zu:

Münchens größtem Martinsumzug

(Natürlich funktioniert keine solche Aktion ohne Hashtag, in dem Fall: #WirsindLaterne. Eine Anlehnung wohl an den Slogan „Je Suis Charlie“, der zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags vom 7. Januar 2015 in Paris gestartet wurde. Jetzt geht’s halt um erwachsene Menschen, denen ein Laternenumzug verboten wurde…)

Der Biermischgetränke-Hersteller appellierte im ursprünglichen Event zunächst an das Kind in uns allen.

Doch jetzt wird es religiös: „Gemeinsam wollen wir am Sonntag zusammen durch München ziehen und ein Zeichen setzen: Für mehr Gerechtigkeit in der Welt. Denn die Botschaft von St. Martin ist aktueller denn je: Teilen – und auf andere achten, denen es nicht so gut geht wie uns.“

Auf Nachfrage erklärt der Sender, dass damit keine konkreten wohltätigen Aktionen (Geld- oder Sachspenden) verbunden sind, sondern es soll ein Zeichen gesetzt werden „für mehr Gerechtigkeit in der Welt“.

Noch eine Absage

Eine Absage hat die Bayrische Schlösser- und Seenverwaltung für den ursprünglichen Plan bereits erteilt, den Umzug beim Chinesischen Turm im Englischen Garten stattfinden zu lassen. Die Begründung (unter anderem): „Bei dem von RADIO GONG im Pachtbereich Chinesischer Turm am kommenden Sonntag geplanten Event fehlen sowohl diese Traditionsverbundenheit als auch das Attribut „Gemeingebrauch“. 

Also auch hier, mit anderen Worten: zu kommerziell, zu werblich. „Morningman Mike“ lässt aber nicht locker und versucht, eine Bewilligung für die Veranstaltung auf städtischem Gebiet zu bekommen. Der Eilantrag für die Veranstaltung wird momentan durch das KVR geprüft und auch die Erzdiözese München-Freising ist Mit-Organisator.

Werbung oder Mitgefühl?

Wird so eine klug inszenierte Werbeveranstaltung doch noch zu einer Veranstaltung des zwischenmenschlichen Mitgefühls und der Nächstenliebe? Ein Schelm jedenfalls, wer dem Radiosender unterstellen würde, er betreibe mit diesem Engagement vor allem Imagepflege und Guerilla-Marketing…

Der Sender jedenfalls sagt auf Anfrage, er habe als „bekanntester Radiosender der Stadt“ eine solche Marketingmaßnahme nicht nötig, es werde kein großes Branding vor Ort geben und es gehe um die Sache.

Update: So sieht das dann aus, wenn vor Ort eine „Marketingmaßnahme nicht nötig“ ist:


Beitragsbild: © HDValentin / Flickr / CC BY-SA 2.0 

1Comment
  • Sean
    Posted at 22:39h, 08 November

    “Kein großes Branding vor Ort“… ja, klar…
    Privatradios sind reine Eigenwerbungsschleudern, gerne im Zusammenhang mit vermeintlich gemeinnützigen Aktionen. Je mehr Aufmerksamkeit, desto besser. Hauptsache, der Name des Senders wird oft genug genannt.

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