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Blutdusche im Haus der Kunst

Viviana D´Angelo
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Das Gefühl von Erde unter den Fingernägeln, der Geruch von Blut in der Luft, der Geschmack von eisigem Stacheldraht im Mund – hier sind wir: auf dem spiegelblanken Boden des Haus der Kunst und doch so tief drin, im Südafrikanischen Apartheid.

Hier zeigt der afrikanische Künstler Kendell Geers vom 1. Februar bis zum 12. Mai erstmalig in Europa Werke aus der ersten, politischen Phase seiner Kunst.

Als Kind einer weissen Arbeiterfamilie wuchs er in Südafrika auf, verliess mit 15 sein Elternhaus, kämpfte in den Fronten der Anti-Apartheid-Bewegung.

Seine künstlerische Sprache ist alles andere als abstrakt: mit der Erde verbunden, stark und kantig, manchmal humorvoll, sehr provokant. Geers schafft aus einfachen Materialen, Alltagsgegenständen: Backsteine, Zeitungssauschnitte, Schlagstöcke und Stacheldraht aus dem Alltag des Apartheids. So viel Stacheldraht benutzte er, dass der Besitzer der Stacheldrahtfabrik, bei der er kaufte, ihn zu sich rief um ihn zu fragen, was er denn damit mache.

Er benutzt Symbolik der Bibel, spiegelt die Worte, faltet sie zusammen, versteckt sie ins Profil einer Skulptur und druckt sie riesig gross auf eine Wand, packt seine Wortspiele in seine Kunst und deren Titel.

Werke zum Einatmen, provozieren lassen, überwältigt sein.

Hier einige visuelle Eindrücke zur Ausstellung:

IMG_3378Zu Beginn die Frage: „What do you believe in?“

IMG_3423„Barbed wire is used for animals, razorwire is used for humans“. Künstler Kendell Geers (rechts) und Kurator Clive Kellner vor einer Wand aus Stacheldraht.

IMG_3483Kendell Geers‘ „Brick“: Backsteine sind aus Lehm gemacht, genau so der Mensch aus der biblischen Erzählung. Darauf klebte Geers einen Zeitungsausschnitt mit der Kurzmeldung einer afrikanischen Familientragödie.

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„In Advance of a Broken Arm“

GeersPortrait2Geers vor seinem Werk „Suburbia“. Zu der Bilderserie über die Sicherheitsvorkehrungen in Südafrikanischen Häusern erzählt er, wie Sicherheitssymbole doch nur einer Illusion von Schutz dienen.

IMG_3389Hautfarbe, Identität, die Dusche im eigenen Blut als Neutaufe. Ein Portrait Kendell Geers‘ in seinem Werk „Bloody Hell“.

IMG_3494Geers, gespiegelt im Boden des Stacheldrahttempels „PostPunkPaganPop“.

IMG_3519Der am wenigsten geschätzte Gegenstand der Welt? Laut Kendell Geers, der Kronkorken von Bierflaschen. Der Totenkopf von „Kaput Mortum“ ist aus Gips modelliert.

GeersPortraitGeers vor seinem Werk „Post Pop Fuck“. Das „F-Wort“ ist eins von Geers‘ Lieblingswörtern: es ist für ihn autentisch, kraftvoll, „erdig“. In seinen Werken erscheint es immer wieder, sei es riesig auf die Wand gedruckt…

IMG_3516… im von Hitler verbotenen gothischen Schriftzug auf Tierschädel gemalt…

IMG_3502ed… in negativen Raum um eine Pendelskulptur verborgen…

IMG_3518… auf sein eigenes Gesicht hat er es auch schon geschrieben.

IMG_3528Kendell Geers und Kurator Clive Kellner vor dem abschliessenden Werk der Ausstellung: „Believe“.

KENDELL GEERS 1988-2012. vom 1.2.2013 bis 12.5.2013 im Haus der Kunst. Mo-So: 10-12 Uhr, Do 10-22 Uhr.

Fotos: Viviana D’Angelo

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