Kultur, Live

Broken Social Scene – der unerklärbare Rest

Sebastian Gierke

Journalist, frei, in München und im Netz.
Sebastian Gierke

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26 Buchstaben stehen einem zur Verfügung. Lächerlich. Wie armselig ist doch der Rohstoff Sprache, im Vergleich zu dem, was Musiker zur Verfügung haben. An Tönen, Geräuschen, Akkorden, Instrumenten. Was Broken Social Scene zum Beispiel zur Verfügung haben, die heute in München sind. 

Und wenn dann Künstler all diese Möglichkeiten ausschöpfen, wie soll man mit 26 Buchstaben einen Eindruck davon geben? Von der Kunst von Broken Social Scene zum Beispiel. Was kann man mit 26 Buchstaben über eine Band sagen, die ihre Musik zum präzisesten Ausdruck dafür gemacht hat, was sich anders gar nicht sagen lässt?

Zusammen mit Arcade Fire sind Brocen Social Scene eine der wichtigsten Bands der „kanadischen Invasion“ von Indierockbands. Und damit eine der Bands, der Indie irrsinnig viel zu verdanken hat.

Schon seit einigen Jahren kommt mit die erfreulichste Popmusik aus Kanada. Der Hype hat zwar etwas nachgelassen, die Qualität der Musik dieser Bands nichts. Der Grund für die hohe Qualität: Die Bands lassen Gefühle zu, haben sich nicht dem Diktat der Uneigentlichkeit unterworfen, das weite Teile der Popwelt unterjocht hat. Die bloße Behauptung großer, ehrlicher Gefühle ist ja heute seltener als Franzosen im Achtelfinale.

Die Emotion ist nicht mehr wesenhafter Inhalt des musikalischen Schaffens. Sie wird an die Peripherie gedrängt, damit sie die Geschäfte nicht behindert. Die Kaiser-Franz-Maximo-Chief-Ferdinands müssen cool sein, um Erfolg zu haben, und machen sich damit manchmal so unverletzlich, als wären sie schon tot. Dann wird vervielfacht, kopiert, frisiert und schon ist das, was einem von den Plattenfirmen als Zukunft des Rock verkauft wird, oft etwas schablonenhaft. Wie großartig dagegen Forgiveness Rock Record, die aktuelle Platte von Broken Social Scene.

Dieser kurze Text enthält alle 26 Buchstaben des Alphabets, manche mehrmals. Doch wie alle große Kunst behält die Musik von Broken Social Scene einen unerklärbaren Rest für sich, der sich der Vermittlung verschließt. Dafür muss man raus gehen, sich das anhören, das erfühlen.

Brocen Social Scene, Donnerstag, 24. Juni, 20.30 Uhr, Backstage Werk, Wilhelm Hale Straße 36

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