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Bye bye, Optimolwerke – oder: Abriss am Ostbahnhof

Benjamin Brown

Und irgendwie lande ich dann doch immer wieder in München…
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Benjamin Brown

Dass die Optimolwerke nicht unbedingt unsere Lieblingsclubs beheimaten, ist kein Geheimnis. Berüchtigt für Ü16-Partys (mit einer höheren Dichte an gefälschten Ausweisen als in einem Drogenkartell-Safe-House) und Afterhour-Schlägereien, konnten wir den Optimolwerken – mit Ausnahme von tollen Konzerten in der Theaterfabrik (oder in jüngster Zeit dem Rumours) – nicht viel abgewinnen.

Als uns im März die Nachricht erreicht hat, dass der Bezirksausschuss Berg am Laim die Lizenzen für die Clubbetreiber nicht erneuern wollte und damit das Ende der Optimolwerke besiegelt hat, verfasste Julius Zimmer einen Nachruf an das Clubareal. Dort heißt es, dass „das Gelände ein Ort ist, der noch nicht von der Welle der neuen und hippen Berliner Hipsterkultur erfasst wurde. Ein Platz, der so scheiße ist, dass er schon wieder geil ist„.

Typisch für München

Ob das Gelände wirklich geil ist, darüber lässt sich streiten. Und doch schauen wir mit einem weinenden Auge auf die anstehende Schließung. Denn mit der Verwandlung der dreckigen, räudigen Optimolwerke in schicke, geleckte Büro- und Wohnungskomplexe verliert die Stadt ihr letztes großes Areal, an dem ein Feierngehen abseits von hochgestyltem, überteuerten Munich-Mule-trinkendem Millenialvolk möglich ist – eine Alternative die, so zeigt es die ungebrochene Beliebtheit der Optimol-Clubs, durchaus gewünscht wird.

Die Schließung der Optimolwerke ist dabei typisch für München: es dürfte keine Überraschung sein, dass neben den Clubbesitzern zugleich eine Reihe Bands, Fotografen und Künstler ihre Studios, Proberäume und Ateliers verlieren. Insgesamt sind es über 60 Mieter, die betroffen sind – und die Schwierigkeiten haben dürften, neue Immobilien zu finden. Die Besitzer haben allerdings angeboten, sie bei der Suche zu unterstützen und einige werden auf jeden Fall auch bleiben.

Dass es am Ostbahnhof irgendwann zum Ende kommen würde, ist allerdings keine Überraschung: 2003 hatten die Optimolwerke geöffnet, damals mit einer Lizenz für fünf Jahre. Und doch ging es immer weiter. Bis jetzt.

A last hurrah: Abrissparty

Zu einem letzten Aufbäumen des Dreckigen, des Anderen, des irgendwie nicht-typisch-münchnerischen kommt es an Silvester: Beim ABRISS SILVESTER RAVE könnt ihr die Optimolwerke verabschieden und das neue Jahr zu Techno, Minimal, House, Goa und Charts in der Theaterfabrik und im Katz & Maus einläuten. Nach der letzten Party geht dann alles ganz schnell: die Clubbesitzer, Künstler und Kreative haben zwischen zwei und vier Wochen Zeit, um auszuziehen.

Wenn dann in das neue Jahr reingefeiert wird, sollten wir uns an die Aufforderung aus unserem Nachruf erinnern: „Wenn die Stadt die ganze Hütte schon abreißen will, dann sollten alle Menschen, die hier verdammt noch mal gute Nächte verbracht haben, dafür sorgen, dass wir die Optimolwerke in ehrenhafter Erinnerung halten.

Immerhin gilt das Gelände im Osten der Stadt als Kinderwiege legendärer Clubs wie des „Ultraschalls“, des „alten“ „Harry Kleins“, der „Milchbar“ oder der „Grinsekatze“.

Die obligatorische, wenn auch von Nostalgie angetriebene, Schlägerei muss trotzdem nicht sein.

 

Wer noch verzweifelt in der Silvester-Party-Planung steckt, findet hier Inspiration.


Beitragsbild: Rio65trio, CC.2.0. 

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