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Carolin Emcke liest aus ihrem Buch „Gegen den Hass“ in den Kammerspielen

Carolin Emcke las am 18. November aus ihrem Buch „Gegen den Hass“ im Rahmen des Literaturfests, der Soziologe Armin Nassehi moderierte und Anja Lechner spielte am Cello moderne und klassische Stücke, die besser nicht hätten passen können. Am 13. Januar wird die Lesung wiederholt.

Über einen Abend, der ernst, unterhaltsam und dabei dennoch nicht ohne Humor daher kam (und kommen wird).

Läuft, auch ohne soziologisches Fach-Geschwafel

Carolin Emcke begann den regnerischen Novemberabend in den vollbesetzten Kammerspielen mit dem Aufruf, den Leser dort abzuholen, wo er/sie steht. Wo dieser Leser steht, war auch zu ihrer Zeit als Spiegel-Journalistin zwar meist nicht ganz klar, aber man bemühte sich. Und das sollte auch für diesen Abend gelten. Emcke setzte gleich zu Anfang diese simple aber essentielle Regel. Nicht nur für ihr Buch, sondern auch für die Diskussionen zwischendurch. Verständlich sollte es bleiben und das Publikum nicht mit Substantiv-Konstruktionen und soziologischen Fachwörtern verwirrt werden. Und Armin Nassehi verstand – zumindest meistens.

In der Tat ergänzte die großgewachsene Philosophin sich prima mit dem glatzköpfigen Münchner Soziologen, so dass Gespräche und Diskussionen entstanden, die über das Buch hinaustrugen und Klarheit schufen.

Für diejenigen, die das Buch noch nicht kennen: der Grund, weshalb Carolin Emcke anfing zu schreiben, lässt sich mehr oder weniger mit einem Ereignis darstellen.

Nämlich diesem:

Wer den Erfolg von PEGIDA und AFD verstehen will, sollte diese Lesung besuchen

Emckes Fragen lauteten damals wie heute: Wie kann eine Gesellschaft so verrohen? Was ist passiert, dass nicht mehr Nächstenliebe, sondern als Sorge getarnter Fremdenhass wieder gesellschaftstauglich ist? Populistische und offensichtlich faschistische Parteien wieder Aufschwung erfahren? Diffuse Gefühle mehr zählen als Fakten?

„Über den Willen, das Ähnliche im Anderen zu sehen.“

Carolin Emcke hat sich auf eine Suche nach diesen Antworten gemacht. Nicht zuletzt auch, um das was in Deutschland gerade passiert für sich klarer zu sehen. Für dieses Buch bekam die Philosophin und Schriftstellerin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016 und sorgte medial für viel Aufregung.

Die Publizistin schafft es, aufzugliedern und genau hinzusehen – ohne zu pauschalisieren und den Nazi-Stempel auszupacken. Warum gilt gelebte Andersartigkeit, die unter normalen Umständen die Individualität eines jeden einzelnen schützt, nun als bedrohlich und gefährlich? Und was ist überhaupt mit dem Willen passiert, das Ähnliche im Anderen zu erkennen, fragt die Schriftstellerin, die mehr als acht Jahre in Krisengebieten auf dieser Welt gearbeitet hat.

Ein bereichernder Abend und definitiv empfehlenswert.


In Kürze: Lesung Carolin Emcke „Gegen den Hass“

Wann? 13. Januar

Wo? Kammer 1, Kammerspiele

Obacht: Karten nur noch an der Abendkasse


Beitragsbild: (c) Juliana Krohn

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