Clubsterben in München
Aktuell, Kultur

Das war einmal in München: Bar- und Clubsterben auf einen Blick

Sophie Reuel

Gin Tonic-Enthusiastin, Festivalgängerin, Wahl-Regensburgerin und Münchner Kindl in 3. Generation
Sophie Reuel

Schillernd, bunt, exzessiv: Das Münchner Nachtleben genoss lange Zeit einen ganz speziellen Ruf. Einst trafen sich hier Stars wie Freddie Mercury, Mick Jagger und Jimi Hendrix zum Feiern. Doch was ist heute vom wilden München der 70er geblieben?

40 Jahre später steht die Münchner Partyszene vor etlichen Scherbenhaufen. Um nur einige mit Namen zu nennen: das Bob Beaman, das MMA, das Atomic Café oder das Kong – alle mussten in den letzten Jahren schließen. Ende März geht das Clubsterben munter weiter: Diesmal hat es das Crux getroffen – eine Institution, vor allem für die Hip-Hop Szene, auch weit über die Grenzen der Stadt hinaus.

Die Liste ist lang, das Clubsterben in München akut. Dass Clubs und Bars genauso zum Kulturgut einer Stadt gehören wie Theater oder Museen steht außer Frage. Dennoch steht München vor mehr als einem Problem: Die Mieten sind zu teuer, die Anwohner unzufrieden und eigentlich sind die Räume oft nur zur Zwischennutzung freigegeben. Dazu kommt, dass Clubs baurechtlich auf der gleichen Stufe wie Bordelle stehen, das macht es deutlich schwieriger, einen neuen Club zu eröffnen.

Alles auf einer Karte

Florian Keller, Münchens bekanntester Funk-DJ, hat sich dem Problem angenommen und eine virtuelle Karte gebaut. Sie zeigt vergangene Nachtkultur-Orte der Stadt. Flo hat uns erzählt, dass sie ein Projekt für alle Münchner*innen sei und jeder Ort auf die Karte soll, ganz egal ob er besonders bekannt oder beliebt war. „Somit tauchen eventuell viele Plätze auf, die auch mir überhaupt nichts sagen oder im kulturgeschichtlichen Kontext total beiläufig waren, aber wenigstens wird es, wenn alles klappt, dann eine echte Chronik“.

Wir alle sind gefragt

Wenn auch du einer Bar, einem Club, einem Konzertsaal oder sonst irgendeinem kulturellen Raum nachtrauerst, dann teile deine Gedanken hier in Form eines Kommentars. Auch Bilder sind mehr als willkommen, denn vor allem im Post-Smartphone-Zeitalter sind Fotos der Locations eine Seltenheit.

Wenn du – genau wie ich – zu jung bist, um wirklich mitreden zu können, was im München der 70er abging, dann sind hier drei der wichtigsten Locations im Schnelldurchlauf:

Das Tanzlokal Größenwahn

Schrill gemischtes Publikum – von der Schickeria bis zum Punk. Im München der 70er wollten alle nur eins: Zum Feiern ins Tanzlokal Größenwahn! Resident im Größenwahn war kein geringerer als DJ Hell. Thomas Bedall, der Mann hinter dem Größenwahn, sagt heute, dass die besondere Mischung der Gäste maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat. Die Jugend war allgemein politischer und das Größenwahn hat sowohl Hippies als auch Punks zusammengebracht. Es war der Inbegriff der Münchner Subkultur. Weil die Partys auch vor dem Lokal in parkenden Autos fortgesetzt wurden und generell im Größenwahn alles zu wild wurde, ging die Ära 1991 zu Ende.

Das Yellow Submarine

Wo jetzt das Schwabinger Tor steht, stand Mitte der 70er Jahre ein Einkaufszentrum mit dem kreativen Namen Schwabylon. Läden, Büros, eine Eislaufhalle und ein Schwimmbad: All das fand Platz im Schwabylon. Direkt daneben befand sich das Yellow Submarine. Ein Club umringt von einem Aquarium, wofür im Golf von Mexiko 36 Haie und Riesenschildkröten gefangen wurden. Durch runde Bullaugen, über drei Stockwerke verteilt, konnten die Partygäste die Tiere beobachten.

Was für uns irgendwie sehr schräg klingt, war vor einigen Jahrzehnten die angesagteste Location überhaupt und Geburtsstätte der internationalen Popkultur.

Das Ultraschall

Die ersten Raves im Süden Deutschlands fanden im Ultraschall statt. Angefangen hat alles mit den monatlichen Ultrasound Partys in einem Kulturzentrum in Unterföhring. Hier musste wegen einer fehlenden Klimaanlage alle zwei Stunden gelüftet und die Musik ausgemacht werden. Im Nachhinein war es laut den Betreibern jedes Mal wieder ein ganz besonderer Moment, wenn die Party nach der Lüftungspause weiterging. Die Ultrasound-Truppe rund um David Süß, der heute das Harry Klein macht, hat dann im leerstehenden Flughafen Riem die alte Kantinenhalle übernommen. Entstanden ist das Ultraschall – gekachelte Wände und an der Decke Raumschiff-Deko. Wem es im Club zu laut war, der hat sich auf der Landebahn draußen die Sterne angeschaut. Irgendwann musste das Ultraschall ins heutige Werksviertel umziehen. Geblieben sind die legendären Lichtinstallationen und der Mythos rund um die tagelangen Raves. 2003 mit dem Ende des Kunstparks Ost, musste leider auch das Ultraschall schließen.


Fotos: © Flo Keller/Münchens Vergangene Orte / Wikipedia: Josef Höckner / CC BY SA 2.0

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