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Debatte zur 2. Stammstrecke: Contra

MUCBOOK Redaktion

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Nutzlos, sinnlos, längst überholt, nicht zeitgemäß und zukunftsorientiert

Ein Gastbeitrag von Ingeborg Michelfeit, Bürgerinitiative Haidhausen S-Bahn-Ausbaubig_29910501_0_190-286

Es mag für Ministerpräsident Horst Seehofer gerademal verheißungsvoll klingen, die City über 10 Jahre in eine einzige Großbaustelle verwandeln zu lassen und damit den Bürgern die Grenze zum technisch machbaren zuzumuten. Die Bürger dieser Stadt müssen keine Fortschrittsverweigerer sein, um zu erkennen, dass der lange Leidensweg am Vorteil der Fahrgäste vorbeigeht.

Seit 11 Jahren prangern wir die parallele Streckenführung und die extreme Tieflage mit allen seinen Nachteilen an. Die Sicherheitstechnik wird nicht einmal dem EU-Standard gerecht. Die sternförmige Ausrichtung des gesamten ÖPNV führt schon heute an den Umsteigeknoten zum Chaos und dann erst in 10 bis 15 Jahren. Idiotisch und unverständlich wird die gute Stube zum Katastrophengebiet erklärt. Der Einsturz des Dom-Nordturms wird erst gar nicht in Betracht gezogen – er ist ja versichert.

Die Hauptsache: alles wird nochmal aufgerissen, wie damals als man das Erfolgsmodell gebaut hat. Ein Erfolgsmodell wird es nicht automatisch wieder, wenn man das gleiche daneben nochmal baut, für knapp 4 Milliarden, nur 3 Haltestellen, keiner einzigen Umsteigebeziehung mehr und nur zusätzlich 3 Züge pro Std. Im Gegenteil! Das Vorhaben zementiert den schwersten Fehler des öffentlichen Nahverkehrs in München fest, auf Jahrzehnte ohne Chance dies wieder zu ändern.

Verkehrlicher Supergau

Wir Bürger dieser Stadt und Nutzer des ÖPNV dürfen es nicht zulassen, dass diese Planung verwirklicht wird, nur weil man nicht zugeben will, dass sich diese planungstechnische Missgeburt aus den neunziger Jahren selbst überholt hat. Würde heute ein Projekt zur Entlastung der bestehen den Stammstrecke geplant werden, müssten andere Komponenten einfließen als vor 20 Jahren. Unsere politischen Vertreter sollten sich hüten uns weiter die Lüge von Alternativlos aufzutischen. Im Laufe der Zeit wurden alle oberflächengeführten Entlastungsvorschläge erfolgreich abgewürgt, schlecht gerechnet oder als nicht umsetzbar vom Tisch gewischt. Keiner kann behaupten, er hätte das nicht gewusst. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun und kämpfen, dass dem Steuerzahler die Milliarden für den verkehrlichen Supergau erspart bleiben, die Regionen informieren, dass die für den ÖPNV zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel nach München fließen müssen, um den Monstertunnel überhaupt stemmen zu können.

Außerdem hoffen wir, dass uns die Medien unterstützen und die Berichte langsam sich der Wahrheit nähern. Die S-Bahn-Nutzer haben ein Recht darauf zu wissen, dass Ihnen der Tunnel weder mehr Pünktlichkeit, noch die erhofften mehr Züge, noch bessere Umsteigebeziehungen bringt. Im Störfall kann man nicht einfach von der 1. in die 2. Stammstrecke wechseln, was viele ebenfalls erwarten. Das muss endlich ohne wenn aber kommuniziert werden.

Was wird die Bürgerinitiative in Zukunft unternehmen?

  • Das anhängige Klageverfahren abwarten
  • Hoffen, dass die Münchner und die Region vom größten verkehrspolitischen Schwachsinn verschont bleiben und die Bauwirtwirtschaft mit anderen lukrativen Projekten bedient werden kann
  • Kämpfen für sinnvolle, zielführende und schrittweise umsetzbare Alternativen
  • Sofortmaßnahmen für die Fahrgäste fordern
  • Es dürfen nicht noch weitere 10 Jahre vergehen bis die Stadt mit einem adäquaten Verkehrsnetz aufwarten kann

Beitragsbild: Jivee Blau CC BY-SA 3.0, Bearbeitung: Mucbook.

Foto: Ingeborg Michelfeit

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