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Debatte zur 2. Stammstrecke: Pro

MUCBOOK Redaktion

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Münchens Zweite: Zeit wird’s, dass sie kommt

Ein Gastbeitrag von Dr. Ingo Mittermaier, SPD-Stadtrat und Fachsprecher für Verkehr

Es sind zwei Zahlen, die einfach nicht mehr zusammengehen. 250.000, das ist die eine Zahl. Sie stammt aus einer anderen Zeit. Als die Münchner S-Bahn im April 1972 ihren Betrieb aufnahm, war das System für eine Viertelmillion Fahrgäste pro Tag ausgelegt. Jetzt ist da die zweite Zahl: 840.000. So viele Fahrgäste bewegt die S-Bahn heute jeden Tag.

Dabei bleibt es nicht, denn München und die Region wachsen. Aktuell leben in der Stadt mehr als 1,5 Millionen Menschen, bis zum Jahr 2030 sollen es 1,7 Millionen sein. Auch in den umliegenden Landkreisen kennen die Einwohnerzahlen nur eine Richtung: stetig aufwärts. Heute wohnen im unmittelbaren Umland etwa 1,4 Millionen Menschen. Prognosen sehen ein Wachstum von zehn bis zwölf Prozent. Darum ist es absolut sicher: Die Fahrgastzahlen werden weiter ansteigen. Und mit jedem Jahr werden die Zahl aus dem Jahr 1972 und die aktuelle weniger zusammenpassen, wird das System überlasteter.

Natürlich wurde in den vergangenen fast 45 Jahren bereits viel gemacht, um die Situation zu verbessern. Es wurden zusätzliche separate S-Bahn-Gleise gebaut, Strecken erweitert und weitere Haltestellen eingerichtet. Der Fahrplan wurde verdichtet, alle Linien fahren im 20-Minuten-Takt, einige Linien fahren in der Hauptverkehrszeit sogar alle zehn Minuten. Um das zu ermöglichen, wurde zwischen Donnersbergerbrücke und Ostbahnhof ein modernes Zugsicherungssystem eingebaut.

Engstelle des Systems

Aber eines wurde all die Jahre nicht verändert. Alle Linien fahren im Herzen Münchens über ein Gleis pro Richtung: die Stammstrecke. Sie ist die Engstelle des Systems. Und genau dieses Nadelöhr kann im bestehenden System nicht weiter optimiert werden. Dichter als jetzt – nämlich alle zwei Minuten – können die Züge dort nicht fahren. Mit diesem Takt haben wir auf der Stammstrecke schon die europaweit höchste Zugdichte auf einer Eisenbahnstrecke.

5 gute Gründe für die zweite Stammstrecke

Dass die zweite Stammstrecke die richtige Lösung ist, zeigen vor allem fünf gute Gründe.

Erstens: Leistung. Mit vier statt bisher zwei Gleisen kann die Kapazität auf der Stammstrecke deutlich erhöht werden. Das schafft eine zweite leistungsfähige Verbindung aus der Metropolregion in die Münchner Innenstadt – übrigens das Ziel, das laut Umfragen die meisten Fahrgäste tatsächlich erreichen wollen. Pendlerströme können also besser abgewickelt werden.

Zweitens: Zuverlässigkeit. Mit der zweiten Röhre bleibt die Innenstadt bei einem Störfall auf einer Strecke dennoch mit der S-Bahn erreichbar – heute ist sie dagegen abgeschnitten, da die Züge beiderseits der Strecke vorzeitig wenden müssen. Bei der sehr engen Zugfolge von zwei Minuten führen schon kleinste Behinderungen dazu, dass sich die Verspätung eines Zuges wie ein Dominoeffekt auf die anderen Linien auswirkt.

Drittens: Zukunftsmobilität. Damit Pendler vom Auto auf den ÖPNV umsteigen, muss dieser verlässlich, pünktlich, aber auch schnell sein. Mit der zweiten Stammstrecke wird endlich die Grundlage geschaffen, Express-Linien einzurichten, und das nicht nur zum Flughafen.

Viertens: Umweltschutz. Mit keiner anderen Maßnahme können mehr Pendler zum Umstieg auf den ÖPNV bewegt werden. Je mehr Menschen mit der S-Bahn fahren, desto mehr Feinstaub und Abgase werden vermieden. Ein wichtiger Aspekt in einer so dicht besiedelten Region.

Und fünftens: Machbarkeit. Die zweite Stammstrecke ist zu einem wesentlichen Teil geplant und solide finanziert, sie wird gefördert und sie ist eine große, aber sehr effektive Investition. Ein Südring etwa wäre gar keine Alternative gewesen, da sein Kosten-Nutzen-Verhältnis so schlecht ist, dass er die Bedingungen für eine öffentliche Förderung gar nicht erfüllt hätte.

Ein zuverlässiges und leistungsfähiges S-Bahn-Netz ist schlicht unverzichtbar. Ich freue mich sehr, dass der Bau der zweiten Stammstrecke endlich angepackt wird – es ist allerhöchste Zeit.


Beitragsbild: Jivee Blau CC BY-SA 3.0, Bearbeitung: Mucbook.

Porträt: zvg

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