Mucbook_München Fakten_Skurriles Wissen_Wusstest du
Aktuell, Stadt

Der Gscheidhaferl-Selbsttest: Das wusstest du garantiert noch nicht über München

Ob Zuagroast oder Alteingesessen, wir können überhaupt nicht genug von skurrilen München-Facts bekommen. Also haben wir für dich – und damit du es deinen Freunden, Verwandten, AirBnb-Gästen und Katzen weiter erzählen kannst – sieben Anekdoten zusammengeschrieben, die du garantiert noch nicht kanntest.

Oder etwa doch?Mach den Gscheidhaferl-Selbsttest:

1. Im Brezen-Himmel der Bayern

Wer schon einmal in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt gebetet und seinen Blick gen Himmel gerichtet hat, der traut vielleicht seinen Augen nicht. Ist die Vorfreunde auf das sonntägliche Weißwurst-Frühstück einfach zu groß oder ist da oben wirklich eine Breze im Deckenfresco?

Im 14. Jahrhundert gab es in München jährlich eine sogenannte Brezenspende: Einmal im Jahr ritt der Brezenreiter auf einem Schimmel (damit man ihn bei Nacht besser erkennt) durch die Stadt und rief die Armen vor die Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt zusammen, wo die Brezen verteilt wurden. Einige Brezen verteilte der Reiter auch direkt auf seiner Runde. Dieser Brauch hielt ein knappes Jahrtausend – bis dem Brezenreiter im Jahr 1801 einmal die Brezen ausgingen! Daraufhin wurde er vom Pferd gezerrt und verprügelt.

Der Münchner Brezenreiter hat es samt Breze und Schimmel in das Deckenfresco der Heilig-Geist-Kirche geschafft. Komm doch mal vorbei und schau, ob du ihn findest.

2. Ein historischer Griff ins Klo

Wusstest du, dass das älteste Bauwerk Münchens keine Kirche, kein Rathaus und kein altes Wirtshaus, sondern ein Klo ist?

Vor dem Beginn der Bauarbeiten zur zweiten Stammstrecke wurden 2011 am Marienhof archäologische Grabungen durchgeführt. Eine Grabung, die alle bisherigen Grabungen in den Schatten stellt, wie Projektleiter Christian Behrer feststellt. Es konnte eine Keramikscherbe aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts geborgen werden, die beweist, dass schon vor der offiziellen Stadtgründung Menschen im „Stadtzentrum“ lebten.

Und eben jene Latrine aus dem Jahr 1260 – der älteste datierte Baubefund Münchens. 

Die Frauenkirche – ein Teufelswerk?

200 Jahre nach dem Klo, im Jahr 1468, wurde einige Meter weiter der Grundstein für die Frauenkirche gelegt. Bauherr Jörg Ganghofer von Halsbach, der auch gleichzeitig das Münchner Rathaus errichtete, setzte damit ein Zeichen für vorausschauende Stadtplanung: Der ‚Dom zur lieben Frau Platz‘ bietet Platz für rund 20.000 Menschen. Das sind 7.000 mehr, als München damals Einwohner hatte! 

Gerade einmal 20 Jahre dauerte der Bau. Ganz klar – da muss der Teufel seine Finger im Spiel gehabt haben. Und der „Teufelstritt“ beweist es.

Tatsächlich gibt es aber zwei verschiedene Versionen der Sage:
In einer Version schloss Bauherr Ganghofer einen Pakt mit dem Teufel: Die Seele des ersten Kirchenbesuchers sollte gegen die bauliche Unterstützung vom Teufel getauscht werden. Als dann der große Tag gekommen war, erklärte Ganghofer den Pakt für ungültig: Der Teufel hatte schlechte Arbeit geleistet und die Fenster vergessen! Vor lauter Wut stampfte der Teufel auf den Boden und hinterließ dabei seinen Fußabdruck.

In der zweiten Version stampft der Teufel ebenfalls auf den Boden. Jedoch nicht vor Wut! Verärgert war er zwar dennoch darüber, dass in München schon wieder eine Kirche gebaut wurde. Als er dann aber kam, um den Dom zu zerstören und dabei feststellte, dass die Münchner die Fenster vergessen hatten, konnte er sich vor Lachen nicht mehr halten, macht einen Luftsprung und hinterlässt beim Laden einen Fußabdruck.

Aber die Frauenkirche hat doch Fenster, fragt ihr euch? Richtig. Das einzig sichtbare Fenster vom Standpunkt des Teufels aus war damals aber von einer barocken Doxale, dem Maria-Himmelfahrt-Bild von Peter Candid und dem Hochaltar verdeckt, der erst im Zuge der Neogotisierung abgebaut und in die Seitenkapellen verfrachtet wurde.

Übrigens: Wusstest du, dass der Nordturm der Frauenkirche mit 98,57 Metern um 12 cm höher ist, als der Südturm ( mit 98,45 Metern)?

3. München am See?

Dass unser München heute überhaupt noch an Ort und Stelle steht, verdanken wir übrigens Karl Meitinger, erster Stadtbaurat nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Krieg wurde die Stadt so stark zerstört, dass man sogar ernsthaft überlege, die Trümmer einfach aufzugeben und am Starnberger See, damals noch Würmsee genannt, als Retortenstadt wieder aufzubauen.

Aber nicht mit Karl Meitinger! 1945 veröffentlichte er in seiner Schrift „Das neue München“ Pläne für eine moderne, autogerechte Stadt mit Fußgängerunterführungen und U-Bahnen, nach Vorbild des alten Stadtbilds. Sein Sohn Otto trat als Architekt und Denkmalpfleger in die Fußstapfen seines Vaters.

4. Wiesn-Wissen

Die Wiesn – eine wahre Goldgrube für Gscheidhaferl. Von der Wahl des besten U-Bahn-Aufganges bis zur Wahl des besten Festzeltes hat hier jeder seinen Geheimtipp. Die „Wusstest du schon’s“ reichen vom Gehalt der Wiesnkellner bis zur Steuerhinterziehung dieses und jenes Wiesnwirts. Wir kennen noch mehr Fakten, die du deinen australischen Tischnachbarn nach der dritten, vierten, fünften Maß ins Ohr grölen kannst:

  • 6,2 Millionen BesucherInnen hatte das Oktoberfest 2017. Das bedeutet Hochbetrieb für die MVG! 6.000 zusätzliche Fahrten waren es, um genau zu sein. Um die Menschenmassen schneller abzufertigen, fahren sogar die Rolltreppen am U-Bahnhof Theresienwiese um 0,8 Meter/Sekunde schneller! 

 

  • 1907 veranlasste Oskar von Miller einen originalgetreuen Nachguss der Hand der Bavaria-Statute. Das 420 Kilogramm schwere Kupfergemisch kann heute noch im Deutschen Museum bestaunt werden. Aber mit der Bavaria, die übrigens Körbchengröße ZZZZ trägt, wurde noch mehr Schabernack getrieben. Zum Beispiel wurden Abgüsse ihrer Fingerkuppen als Trinkhumpen verwendet. Diese fassen pro Humpen ganze drei Mass Bier!

 

  • Und wusstest du, wer 1886 im Schottenhammel-Festzelt die Glühbirnen angeschraubt hat? Niemand geringeres als Albert Einstein, damals noch Lehrling im elterlichen Elektronik-Betrieb.

 

5. Vom Mönch zum Kindl zum Madl

Darf bei keinem Wiesn-Einzug fehlen: Das Münchner Kindl! Aber wusstest du, dass das Münchner Kindl ursprünglich weder kindlich oder weiblich war, sondern ein Mönch? Dieser Mönch wurde mit der Zeit immer mehr und mehr verkindlicht dargestellt, bis ihm irgendwann, im Laufe der Kunstfreiheit, sogar der Phallus abgesprochen wurde.

In den 1920er Jahren wurde das Münchner Kindl schließlich zum Münchner Kindl, wie wir es kennen: Als Mädchen. Ganz zu Gunsten vom Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut, die 1938 als zweites Münchner Kindl auf der Wiesn einzog. 

Kind hin oder her: Ganz nach bayrischer Manier hält das Münchner Kindl traditionell zwei Bier in der Hand. Also, eine Mass Bier eigentlich und einen Rettich, der Sorte ‚Münchner Bier‘.

6. Haschisch für München

Speaking of Rauschgift. Wusstest du, dass in den Holzbalken der nepalesischen Pagode im Westpark 400 Kilogramm Haschisch nach München geschmuggelt wurden?

https://www.instagram.com/p/BkqaqptBm_2/?taken-at=706239336

7. Tatort München-Riem

Fast schon ein Fall für Leitmayr und Batic! Wusstest du, dass der Tatort-Einspieler in München gedreht wurde? Das Paar Beine im Einspieler läuft über den Flughafen München, damals noch im Riem.

Apropos: Wusstest du, dass es nur 16 Stunden gedauert hat, bis der Flughafen am 17. Mai 1992 von Riem an seinen neuen Standort im Erdinger Moos umgezogen ist? Nicht einmal der Flugbetrieb musste dafür unterbrochen werden. (In Anbetracht der aktuellen Ergebnisse in München und Frankfurt kommt einen diese Tatsache sogar noch skurriler vor.)

Hach München, es gibt noch so viele spannende und skurrile Geschichten über dich. Da lernt man nie aus.

An die Gscheidhaferl unter euch: Teilt euer Münchenwissen mit uns in den Kommentaren!

 


Beitragsbild: Pexels, Tookapic (Creative Commons – CC0)

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
No Comments

Post A Comment

Die Start-up Ausgabe

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons