Kultur, Nach(t)kritik

Die kleinste Fessel drückt mich unerträglich …

Corinna Klimek

Ich reise gerne, gehe oft ins Musiktheater und lese viel. Manchmal kombiniere ich auch alles miteinander. Seit 7 Jahren schreibe ich darüber unter www.nacht-gedanken.de

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Fanny Gräfin zu Reventlow … heißt eines der beiden Bücher, das bei der ersten Matinee in der Reihe „Reventlow am Sonntag“ im Literaturhaus vorgestellt wurde. Das Interesse der Münchner an Fanny zu Reventlow, der Ikone der Schwabinger Bohème war groß, das Foyer im dritten Stock dicht bestuhlt und bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Matinee wurde von Christoph Lindenmeyer moderiert, der gleich zu Anfang jeweils den Beginn aus  der oben genannten Romanbiografie von Franziska Sperr (2003, btb) sowie aus der Biografie „Franziska zu Reventlow. Die anmutige Rebellin“ von Gunna Vendt (2008, Aufbau Verlag) vortrug. Beide Bücher waren Auftragsarbeiten. Franziska Sperr antwortete auf die Frage, wie ihr Verhältnis zu der von ihr porträtierten gewesen sei, sie hätte sich an Fanny zu Reventlow gerieben, sie sei ihr sogar auf die Nerven gegangen und befreundet wäre sie vermutlich nicht mit ihr gewesen. Dies meinte auch Gunna Vendt, die als Biografin nur darstellt, aber nicht urteilt. Beide erklärten, Fanny zu Reventlow war das, was man heute eine hippe Person nennt, Anarchismus war damals eine Modeerscheinung, für sie war immer Leben das Ziel, nicht das wie. Für beide Autorinnen stellte sich die Frage, wie viel in diesem Leben tatsächlich Fanny zu Reventlow war und was dem Zeitgeist und dem Lebensstil der Schwabinger Bohème geschuldet war. Obwohl sie nie dem Frauenbild der Zeit entsprach, hat sie die Frauenbewegung gemieden und wäre heute wohl auch keine Wutbürgerin gewesen. Geld bzw. kein Geld zog sich immer wie ein roter Faden durch ihr Leben, um es zu verdienen, übersetzte sie aus dem Französischen, aber ziemlich unkonventionell, sie kürzte schon auch mal, wenn sie meinte, der Autor wäre zu weitschweifig gewesen. Ihrem unehelich geborenen Sohn Rolf war sie eine Ãœbermutter und schaffte damit einen Spagat zwischen Bohème und Familie.

Lesungen aus beiden Büchern rundeten den sehr interessanten Vormittag ab. Eine weitere Matinee in dieser Reihe findet am 4.12.11 um 11.30 Uhr statt, dann wird es eine Lesung aus Fanny zu Reventlows Briefroman „Von Paul zu Pedro“ geben. Karten zu 10 € (für Schüler und Studenten ermäßigt 8€) gibt es online oder telefonisch unter 089 / 29 19 34-27. Die Matineen (auch am 11.12. und 15.1.2012) sind Begleitveranstaltungen zur der gerade aktuellen Ausstellung im Literaturhaus „Alles möchte ich immer. Franziska Gräfin zu Reventlow 1871-1918“. Diese läuft noch bis 15.01.12 (Di-Fr 11-19 Uhr, Sa/So/Feiert. 10-18 Uhr, Eintritt 5€, ermäßigt 3€).

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