Ruine der Gehoerlosenschule Muenchen
Aktuell, Rathausschau, Stadt

Ehemalige Gehörlosenschule: Seit 6 Jahren eine Ruine

Parkplatzmangel, fehlende Turnhallen für Sportvereine wie der TSV Ost – ganze Mannschaften müssen hier abgemeldet werden, die Unterrichtsräume für komplette Klassen sind in Containern und rund 330 Firmen haben beim Wirtschaftsreferat Bedarf an neuen Gewerbeflächen angemeldet.

Nachverdichtung statt Nachbesserung

Der Bevölkerungszuwachs stellt München auf eine Belastungsprobe mit starker Tendenz zur Überlastung. Mehr Menschen brauchen logischerweise mehr Platz, geeignetes Bauland ist Mangelware und so wird vermehrt auf Nachverdichtung gesetzt, Sperrungen und Lärm gehen mit ihr einher. Einwohner gehen auf die Barrikaden. Aber ist das Angebot an Münchner Bauland wirklich erschöpft?

Das alte Grundstück der Schule für Hörgeschädigte in der Fürstenrieder Straße 155 steht seit sechs Jahren leer, obwohl die Probleme und Nutzungsvorschläge eklatanter nicht sein könnten. Ein Paradebeispiel dafür, dass die akute Not weniger Gewicht hat als Auflagen der Regierung.

Kein Platz für Schüler

„Die Prognosen sagen alle voraus, dass ein enormer Bedarf an Bildungsräumlichkeiten aufgrund der steigenden Schülerzahlen besteht – bei uns ist das schon lange der Ist-Zustand. Deswegen ist der Bau eines neuen, großen Schulgebäudes aus unserer Sicht unabdingbar“, so Michael Reithmeier, Beauftragter der Schulleitung für Sachverwaltung am Erasmus-Grasser-Gymnasium.

Direkt neben dem Erasmus-Grasser-Gymnasium steht das stillgelegte Grundstück der ehemaligen Gehörlosenschule. Zwei Turnhallen und reichlich Platz für Klassenzimmer und Fachräume wären geboten. Das Grundstück ist aber bis Dato im Besitz des Freistaats, was der Landeshauptstadt den Handlungsspielraum nimmt.

Gehörlosenschule: Langes Hin und Her

Die Stadt München bemüht sich seit Jahren, das Grundstück zu erwerben. Bereits vor drei Jahren hatte der Freistaat Verhandlungen mit der Stadt aufgenommen. Der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Georg Eisenreich verkündete es dann als persönlichen Erfolg, dass der Finanzminister das Areal an der Fürstenrieder Straße 155 der Stadt zum Kauf anbot (SZ am 23.02.2017). Der bayrische Landtag aber beschloß, dass Immobilien des Freistaats nicht mehr verkauft, sondern allenfalls gegen andere Grundstücke getauscht werden sollen.

Und jetzt die Einigung

Laut Dieter Steiner, der Regionalvertretung München für Immobilien des Freistaates Bayern, kam es nun endlich zu einer Einigung: Der Tauschvorschlag wurde dem Bayerischen Landtag für Staatshaushalt und Finanzfragen zur Zustimmung vorgelegt. Bis vorgestern hieß es noch, dass ein endgültiges OK seitens des Freistaats erst nach der Landtagswahl am 14.10.2018, beziehungsweise der nachfolgenden Konstituierung der Ausschüsse voraussichtlich im November 2018 zu erwarten sei.

Gemäß SZ hat der Landtag nun aber doch noch einem Grundstückstausch zugestimmt.

Dem Neubau eines Realschulkomplexes, der Erweiterung des Ludwigs- und Erasmus-Grasser Gymnasiums und dem Umzug des Sonderpädagogischen Förderzentrums, das sich momentan noch auf zwei Standorte verteilt, steht nun nichts mehr im Wege.

Sechs Jahre Leerstand

Zumindest kam es hier, nach mehr als sechs Jahren, zu einer Einigung – nur ein kleiner Schritt, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung gegen die Platznot und Verdrängung.

Wir können uns also freuen, müssen aber gleichzeitig (mal wieder) fragen, warum eine halbe Ewigkeit vergehen muss, bis sich etwas tut.


Fotos: zVg

No Comments

Post A Comment

Das Heft über „Wohnen trotz München“

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons