Kultur, Nach(t)kritik

Es blüht der bayerische HipHop…

… aber kaum einer kennt ihn. Zum zigsten Mal finden die Loop Sessions statt und trotzdem ist das Strom nur bis zur Technikinsel voll. Warum sich das ändern sollte: Diese Tribes of Jizu – das sind doch die Jungs, die HipHop Tracks nachspielen und irgendwer rappt dann darauf. Stimmt, und das Konzept geht auf. So gut sogar, dass es sie sogar schon zum Splash gebracht hat. Die Band bestehend aus Funkdogg (Bass), Ben Reimer (Gitarre), Rufflow (Turntables), Dam Sick (Drums) und Ningu Storm (Keys) packt Jazz-Harmonik über treibende Hiphop Beats. Dass zumindest Ben und Funkdogg eigentlich aus dem Jazz kommen, können sie nicht verbergen. Doch das harmoniert problemlos mit den halbelektronischen Beats von Schlagzeug und den Akzenten vom DJ-Pult. Die Tribes spielen simplen 4/4 Takt neben rhythmisch und musikalisch hochkomplexen Riffs. Besonders Bass und Keys brillieren mit Soli, die in der Szene ihresgleichen suchen. Man möchte sich gar nicht ausmalen, wie viel Probenaufwand dahinter steckt. Auch die Genres vermischen die Jungs, was man an früheren Projekten erkennt. Ben Reimer und Funkdogg kannte man schon von der Ska-Formation Ziehgäunern. Als die sich auflösten wollten sie wieder zurück in Richtung Jazz und fanden in den Tribes of Jizu ihre Berufung. Die gesunde Mischung aus Jazzern und Hip-Hops kann man wohl nur in die noch junge Schublade Jazz-Hop stecken. Wenn man denn von Genre-Schubladen überhaupt etwas hält. trib1 An den Mics gibt es bei den Tribes keine Treue. Sie lassen jeden auf ihre vibes rappen, der ihnen taugt. Die Band macht die Basis, der MC die Show. So läuft das bei den Tribes – nur Band alleine gibt’s nicht. Bayerische und nationale Größen wie Holunder (Blumentopf), Keno (Moop Mama), Liquid, Dexter, Megaloh oder Demograffics-MC Maniac stellen sich regelmäßig den Beats. Wer dem Laptop Trend im Hiphop entgegen wirken möchte, kommt an den Tribes auch nicht vorbei. Die Lokalmatadoren mit Homebase in Regensburg/München sind mindestens im Freistaat bisher in Monopolstellung. Ihre brandneue EP ist bereits online erhältlich, offensichtlich nur noch nicht gepresst. Bayerisch und Soul Auch die Liveshows laufen anders ab als normale Konzerte. Die sogenannten Loop Sessions finden seit 2012 regelmäßig in Bayreuth, Nürnberg, Würzburg, Regensburg, Augsburg, Stuttgart statt und gestern war es auch in München mal wieder soweit. Nicht nur die Eintrittspreise sind seither gestiegen, auch die Location wechselte. Nicht wie früher ins Milla luden die selbsternannten Gastgeber Keno (Moop Mama) und Maniac (Demograffics) diesmal schon zum zweiten Mal ins Strom ein. Mit dabei sind immer andere Gäste, die wie auf einer Ersatzbank auf ihre Einwechslung warten. Liquid, der Bayer der auf bayrisch rappt, und Adriano Prestel, der in gewisser Weise aus dem Konzept fällt sind für diese Tour mit dabei. Dass sich Liquid und Maniac verstehen ist kein Wunder, beide sind sie Säulen der bayrischen HipHop Szene. Von Adriano Prestel dagegen ist bisher wenig bekannt. Was sich aber in nächster Zeit ändern könnte. Er ist viel weniger Rapper und viel mehr begnadeter Sänger. Er klingt gleich hoch wie George Michael und mindestens ebenso deep wie ein junger Joe Cocker. Adriano bringt den Soul in den Jazz-Hop und kratzte die Kurve als die Show eintönig zu werden drohte. Allem in allem wirkte er trotzdem verloren auf der Bühne. Maniac und Liquid dominierten die Show, Adriano Prestel wurde insgesamt zu wenig ans Mic geholt. Auch Keno war tendenziell eher unterrepräsentiert, was wohl daran liegen mag, dass er mit Moop Mama gerade am neuen Album feilt. Im Freestyling waren alle vier schließlich wieder überzeugend vertreten. Eigentlich wie im Fernsehen Das Konzept erinnert ein bisschen an eine Podiumsdiskussion. Die Tribes spielen den Moderator, der Flow und Richtung vorgibt. Die MCs dürfen ihren Senf darüber geben. Das Publikum spendet an den entscheidenden Stellen Beifall. Zwischendrin gibt es eine Pause – angeblich braucht die die Band. Am Schluss dann noch ein Fazit, bei dem nochmal alle randürfen: genannt freestyle. Dann läuft auch schon der Abspann, aber die nächste Folge gibt es ja sowieso in höchstens ein paar Wochen und bald auch wieder in deiner Stadt. Eine HipHop Podiumsdiskussion eben. Der Vorteil, wenn man einen DJ in der Band hat ist, dass man keinen Act für die After-Show Party zu buchen braucht. DJ Rufflow (Tribes of Jizu/Demograffics) wurde auf der Bühne vergessen und widmete sich in einsamer Manier seinen Track, während der Backliner die Spuren der Show zu verwischen begann.   Upcoming: Loop Sessions: 07. Februar 2015 20:00 Uhr Zwölfzehn Stuttgart Adriano Prestel 7. Februar 2015 21:30 Uhr Kongressbar Theresienhöhe 15 80339 München

1Comment
  • Ningu Storm
    Posted at 14:03h, 07 Februar

    Hey Mister,

    es heisst Ningu Storm.

    Gruss

    Ningu Storm

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