Leben

Oans, zwoa, drei… Filmriss – Was wirklich gegen den Wiesnkater hilft

Julius Zimmer

Mich fasziniert das Absurde im Alltag. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in meiner Wahlheimat München so wohl fühle: Hier erwachen Widersprüche zum Leben. "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Herz auszufüllen. Wir müssen uns den Münchner als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Julius Zimmer

Alles vibriert. Das Geräusch eines Presslufthammers dröhnt in meinem Kopf. Ich lecke mit der Zunge über meine verkrustete Lippen und versuche das Störgeräusch zu lokalisieren. Schnell stelle ich fest, dass es aus meiner Brust kommt. Stöhnen.

Ich stehe vom Fußboden auf und schleppe meinen schmerzenden Körper in die Küche. Auf dem Weg stelle ich fest, dass mein Gleichgewichtssinn unter der gestrigen Alkoholeskapade stark gelitten hat. Am Wasserhahn angekommen, blicke ich mich in der Küche um. Wer hat das Glas Nutella offen stehen lassen? Und wieso steckt eine halbe Banane darin?

Wenn man bei Google Katermittel eingibt, spuckt die Suchmaschine 5.850 Ergebnisse aus. Im Moment wünsche ich mir nur, dass eins funktioniert. Mein Handy leuchtet auf. Eine Nachricht von meiner Arbeitskollegin aus der Redaktion: „Vergisst du bitte nicht mir deinen Artikel zuzuschicken? Bis wann schaffst du es?“ Erneutes stöhnen. Doch immerhin bin ich jetzt in der perfekten Verfassung um meinen Katermittel-Selbstversuch authentisch aufzuschreiben. Meine Irrfahrt durch die Ratschläge des Internets beginnt.Katerstimmung

1.  Wasser trinken – really?!

Das ist kein Kater-, sondern ein Grundnahrungsmittel. Die Schweizer Website „sprechzimmer.ch“ wirft mit weiteren Weisheiten um sich. „Das beste Mittel gegen den Kater ist, seinen Alkoholkonsum einzuschränken.“ Danke Captain Offensichtlich. Gibts hier auch noch was hilfreiches?

  • Mineralwasser (mit extra viel Magnesium) trinken.
  • Acetylcystein (ACC) kann einen Kater zu verhindern helfen (fragen Sie den Apotheker).
  • N-Acetylcystein (NAC) macht freie Radikale unschädlich und soll so helfen, die Folgen des Trinkens abzuschwächen (fragen Sie den Apotheker).

Na bitte, das klingt doch schon effektiver. Nur doof das heute Sonntag ist und keine Apotheke offen hat. Gut, das nächste Mal. Was steht da noch?
„Neueren Studien zur Folge sieht es so aus, dass kein Medikament oder Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung oder Behandlung eines Alkoholkaters empfohlen werden kann.“ Verdammt. Also muss ich leiden und weiter suchen.

2. Salz und Vitamine

Meinem überforderten Magen sollte ich am besten leichte Kost zuführen. Also keinen überbackenen Käse, Kaffee oder raue Mengen Fleisch. Das schreibt zumindest www.fem.com. Na den Frauen kann man sicher vertrauen!

Die Toppriorität ist es, dem Körper verlorene Salze wieder zuzuführen. Da helfen Salzstangen, saure Gurken, Kapern oder Gemüsebrühe. Außerdem benötigt die Leber auch Zucker um den Restalkohol abzubauen. Den solltet ihr euch lieber mit Obst wie Äpfeln einverleiben als mit Nimm2 Gummibärchen.

In vielen Fachkreisen wird auch die Bloody Marry empfohlen, um „den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben“. Aha, ich soll mich also einfach nochmal besaufen, damit mein Körper den Kater einfach auf morgen verschiebt. Okay von mir aus. Wenn www.mixology.de mir auch noch so ein spitzen Rezept kredenzt, dann sag ich nicht nein.

 

3. Pfefferminzöl gegen die Kopfschmerzen

Auf gesundheit.de stoße ich endlich auf kompetente ärztliche Hilfe. Einfach etwas Pfefferminzöl oder Tiger Balm aus der Apotheke auf die Schläfen reiben und das Wundermittel wirken lassen. Der angenehme Geruch sorgt dafür dass sich Muskeln entspannen und die „Kopfhaut wieder besser durchblutet wird.“

Wer nach 30 Sekunden unzufrieden und sich über mich beschwert – „Was labbert der Typ“ – der sollte dem Öl etwas Zeit geben. 15 Minuten braucht es etwa bis die positiven Effekte eintreten.

4. Raus mit dir!

Klar, ich bade gerade zwar in schmerzhaften Selbstmitleid, doch spätestens nach der zehnten Website frage ich mich, ob an diesem „steh auf und geh spazieren-Tipp“ doch etwas dran ist. Tatsächlich hilft Frischluft ganz hervorrangenden gegen Kopfschmerzen und etwas Bewegung bringt den angeschlagenen Kreislauf in Schwung. Außerdem soll es ja tatsächlich Leute geben, die bei einem Kater empfehlen joggen zu gehen – verrückt.

Naja, immerhin konnte ich mit den anderen drei Mitteln effektiv Erste Hilfe leisten. Jetzt ist es an der Zeit mir eine Hose anzuziehen und ein paar (langsame) Runden um den Blog zu drehen, in der Hoffnung, dass ich zur Besinnung komme und einfach nie wieder eine ganze Flasche Ouzo alleine trinke. Ach was soll die Lügerei, das wird sich doch eh nicht verhindern lassen…

Beitragsbild: dpa,
Bild: Flickr CC BY-SA 2.0/ by Joan Valencia

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