Aktuell, Kunst

„I made a terrible mistake“ – Rochelle Feinstein im Lenbachhaus

Natalie Adel

Wem Rochelle Feinstein nicht gleich ein Begriff ist, muss sich keineswegs Sorgen um seine künstlerische Allgemeinbildung machen. Matthias Mühling, Direktor des Lenbachhauses betont, dass es sich das Lenbachhaus zur Aufgabe gemacht hat, auch Künstler zu zeigen, die man woanders nicht sehen kann. Und so wird nun die Ausstellung I made a terrible mistake von Rochelle Feinstein eröffnet, deren Werk in Deutschland, sowie auch in den USA noch weitgehend unbekannt ist.

Stephanie Weber hat die Ausstellung kuratiert und musste dafür ganz von vorne beginnen. Es gibt kaum Lektüre oder eine wissenschaftliche Aufarbeitung ihrer Kunst und so ist die Ausstellung mit einer enormen Recherchearbeit und einem großen Vorbereitungsprozess verbunden gewesen. Von den Lagerräumen in New York bis nach München ins Lenbachhaus ist Feinsteins Kunst nun gelangt.

Feinstein und die Sprache

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Malerei- und Installationsserien seit Mitte der 1990 er Jahre. Betrachtet man die Ausstellung wird schnell klar, dass Rochelle Feinstein einen ganz besondern Umgang mit der Sprache hat. Sie spielt in vielen ihrer Werke eine große Rolle oder wird als zentrales Element in einer Sprechblase hervorgehoben.

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So auch in ihrer Serie Love Vibe, bestehend aus sechs Teilen, die über eine gesamte Wandfläche hinweg verteilt hängt. „Love your work“ steht auf einer riesigen Comic-Sprechblase, die in jedem der sechs Bilder anders oder auch nur teilweise dargestellt wird. „Das ist genau der Satz, den man auf einer Vernissage in New Yorker wohl am häufigsten hört und sagt“, erklärt Stephanie Weber. Immer wieder sind es solche Sprach-Klischees, die von Feinstein in ihrer Kunst mit aufgegriffen wird. Wer sich Love Vibe genau ansieht, kann innerhalb des Gemäles sogar eine Art institutionellen Rahmen erkennen, in dem diese Klischees möglicherweise benutzt werden. Die Frage nach dem Adressaten scheint ungeklärt. Wer wen anspricht ist ein Faktor, der sich durch Feinsteins Werk hindurchzieht.

Die Finanzkrise und der Nachlass

In „The Estate of Rochelle F.“ geht es wiederum um ein anderes Thema: die Finanzkrise. Rochelle hat sich gefragt, wie die Malerei mit diesem Ereigenis umgehen kann und wie sich diese dahingehend übertragen lässt. So hat sie ihren eigenen Nachlass in Form eines Kataloges ihrer Werke erschaffen. Und zwar nur mithilfe von Materialien, die sowieso bereits in ihrem Atelier vorhanden waren. Alle paar Wochen wird ein Kunstwerk ausgetauscht und durch ein anderes aus ihrem Nachlass ersetzt. Der Katalog liefert dabei Informationen über Material und Herstellung des Nachlasses.

Rochelle Feinstein hat versucht, ihre eigene Kunst nicht zu erhöhen. Ihr war es wichtig, die Malerei nicht als Statussymbol an sich zu sehen, sondern diese dagegen abzugrenzen. Den Bezug zu technischen Medien findet man immer wieder und viele ihrer Werke gewinnen erst an Tiefe, wenn man sich über den Herstellungsprozess informiert. Dabei ist es gut zu wissen, dass Feinstein Fehler als Teil ihres Konzeptes sieht. So spricht sie selbst von ihrem Bild Wonderful Country als „ästhetische Zumutung“. Feinstein liebt das Banale und präsentiert dies ihrem Publikum immer wieder auf verschiedene Arten. Sie versucht verschiedene Affekte auf die Malerei zu übertragen.

I made a terrible mistake ist die Entschuldigung, mit der Michael Jackson vor die Öffentlichkeit trat, nachdem er seinen Sohn in Berlin über das Geländer der Hotelbrüstung gehalten und seinen Fans präsentiert hat. Interessant für Feinstein ist dabei, wie sich das Ganze in die Malerei transportieren lässt – diese Art der öffentlichen Entschuldigung einer Ikone. Wie sie das gelöst hat, könnt ihr bei einem Besuch im Lenbachhaus selbst herausfinden. Es lohnt sich.

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In aller Kürze:

Was? I made a terrible mistake – Kunstausstellung Rochelle Feinstein

Wann? 7. Juni bis 18. September

Wo? Städtische Galerie im Lenbachhaus

Was kostet´s? Regulär 10 €, Ermäßigt 5 €

1Comment
  • Volker Maria Arend
    Posted at 10:14h, 22 September

    Geat exhibition, higly recommendet. Rochelle Feinstein is clever, ironic and full od ideas. The questions she rises with her work are fundamental and the work is beautiful…

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