Aktuell, Stadt

Innovations-Café: Wo Münchens Veränderer geboren werden

Sarah Kampitsch

Zeit für eine Guten-Morgen-Geschichte. Eine zum Wachwerden und Aufblicken. Von tapferen Umweltkriegern und mutigen Aktionskünstlern. Von optimistischen Zukunft-Gestaltern und grantigen Wegbereitern. Von pragmatischen Utopisten und träumenden Realisten. 

Wo kommen unsere Helden her? Wer definiert unsere Helden überhaupt?

Münchens Helden, das sind solche, die sich nicht scheuen, anzupacken. Die Probleme nicht nur ausfindig machen und mit ihrem Weltenhass zu Tode kritisieren, sondern die Arschbacken zusammenkneifen, Hirnschmalz einsetzen und sich Ideen überlegen, welche das Zeug haben, die momentane Situation zu verbessern. Keine Superhelden also, nichts Übernatürliches; sondern ganz normale Stadtbewohner, die sich trauen, ihr Mundwerk und ihren Tatenwunsch sinnvoll einzusetzen, anstatt auf andere abzurempeln. “Macher”, sozusagen.

Einige von diesen trafen wir beim Innovations-Café: Utopy der Social Entrepreneurship Akademie am 5. Juli. Hier wird jährlich im Zuge des SEA:certificates, eines 2-semestrigen Zertifizierungsprogrammes in Gesellschaftlichen Innovationen, der Gründer-Nachwuchs auf die sozialen Verantwortungen vorbereitet, vor die uns diese Welt stellt. Die Resultate aus einem Semester Grübeln und Tüfteln rund um nachhaltige Stadtentwicklung wurden von den zukünftigen Veränderern im Rahmen eines Pitch-Events vorgestellt. Hier sprach z.B. das Team “Zwischen den Nutzungen” über die Münchner Unart, leerstehende Gebäude einfach leer stehen zu lassen, anstatt sie innerhalb von ansprechenden Angeboten an Bürger als Arbeits-, Lern- und Event-Raum zur Verfügung zu stellen. Das Projekt soll im zweiten Semester des Zertifikats ausgearbeitet und (hoffentlich) auch bald umgesetzt werden – wir dürfen uns freuen.

Wirklichkeit oder Utopie: München als lebenswerteste Stadt der Welt?

Hat München die Ehrung des Monocle Magazins zur lebenswertesten Stadt der Welt verdient, oder versucht es uns das nur einzureden? Reden wir selbst es uns nur ein? In einer anregenden Diskussion teilten die Grünen Köpfe Münchens ihre Meinung zur Debatte um die Lebensqualität der sich so gerne rühmenden bayrischen Landeshauptstadt. Neben Laura Bruns (stadtstattstrand), Isabel Zintl (Vertikaler Freiraum), Maximilian Heisler (Bündnis Bezahlbares Wohnen) und Daniel Überall (Kartoffelkombinat) debattierte auch MUCBOOK-Gründer Marco Eisenack um das, was München wirklich lebenswert macht, oder vielmehr “machen würde”: 

Die Rühmung zur lebenswertesten Stadt der Welt kürt München nicht etwa zur Schönheitskönigin, sie stelle uns vor allem vor die Herausforderung, verantwortungsgerecht als Vorbild voranzuschreiten. Global seien wir sicher an der Spitze, im Detail aber fehle es an vielem; die Bürger sind unzufrieden.

Daniel holt noch zusätzlich aus, München hätte nun die öffentliche Pflicht, sich verantwortlich zu zeigen, sich um seine Probleme zu kümmern. Besonders das Klima sei nämlich gar nicht so voralpenfrisch wie wir es wahrnehmen; die Luftverschmutzung nimmt auch in München horrende Maße ein, bloß spricht die Politik dem babypopo-reinen Image wegen nicht so frei darüber, wie sie sollte.

Umdenken sei aber nicht nur bei Politikern gefragt: Die Einsicht der vom Luxus geblendeten und im Standard gefangenen Bewohner muss sich wegbewegen von fetten Privatautos und übermäßigem Fleischkonsum, wenn wir dauerhaft zunehmend ungeschadet miteinander (über)leben wollen.

Und, abschließend: Wir brauchen mehr von der jungen, offenen Generation. Wir brauchen gute, kluge Menschen und müssen ihnen Gehör verschaffen. Marco: “Wir sind kein Planspiel”. 

Höchste Zeit für eine neue Generation an Minga-Rettern.

Marco Eisenack über kluge Münchner und Planspiele

DIY Projekt Sozialunternehmer: Auf, auf und selber machen

Wer selbst den Tatendrang in sich spürt, sollte diesem übrigens nachgeben: Bis zum 30.8. kann man sich noch für den neuen Jahrgang des SEA:certificate und eines von 20 Stipendien bewerben.

Wer lieber à la Steve Jobs gründen möchte oder sich allgemein für Innovationsprozesse und Intrapreneurship aller Arten interessiert, sollte sich das APE Zertifikat des Strascheg Centers for Entrepreneurship anschauen, das ebenfalls im Wintersemester startet.

Alle Noch-Studenten haben zudem die Möglichkeit, die Programme der Entrepreneurship Center ihrer Unis zu nutzen. Das LMU Entrepreneurship Center etwa bietet jedes Semester das Projekt “Starting-Up” für seine Studierenden an, und bei der Einrichtung „InnovationsGeist“ kann man spannende Workshops zu relevanten Bereichen besuchen sowie im Oktober an der SDG-Konferenz teilnehmen.

Das Innovations-Café

Jeden ersten Dienstag im Monat schafft das Strascheg Center for Entrepreneurship der Hochschule München mit dem Innovations-Café einen Treffpunkt für Quer- und Andersdenker, für Schaffende und Schaffen-Wollende der Münchner Startup Szene und solcher, die gerne mal dazu gehören würden. Oder die einfach schaulustig sind auf die abenteuerlichen Ideen, die Münchens Köpfe produzieren. Auch als Neueinsteiger oder Erstmal-Reinschnupperer darf man zu den Veranstaltungen erscheinen – am besten gleich beim nächsten Mal vorbeischauen zum Pitchen, Erfahren, Fragen und Vernetzen.

 


In aller Kürze:

Was? Innovations-Café goes Biergarten

Wann? 7. August, um 18:00 Uhr

Wo? Augustiner Bräustuben, Landsberger Straße 19

Wie viel? Gratis, aber Anmeldung auf Eventbrite erwünscht


Bilder: © Janina Wachter

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