Shibuya Crossing Juse Ju
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Japanische Idylle und Welthass: Juse Ju am 14.9. in der Milla (ausverkauft)

Yannik Gschnell

Ex-Prakti und immer noch nicht weggekommen.
'99 // Liebe für Politik, Musik & gute Menschen.
Yannik Gschnell

Obwohl Juse Ju schon seit über zehn Jahren im Fatoni-Antilopen-Gang-Dunstkreis durch den Deutschrap-Kosmos schwirrt, war er für viele Hörer nie mehr, als ein beliebter Feature- oder Tourgast. Doch mit dem Release seines „ersten richtigen Albums“ im März diesen Jahres hat sich das geändert.

„Das ist das erste Album, bei dem ich fokussiert nur auf das Album hin gearbeitet habe“, so Juse Ju im Interview beim splash! Mag. „Da habe ich mir mal ein Jahr lang Zeit genommen und ein Album mit einem Gedanken dahinter gemacht und nicht nur Tracks, Tracks, Tracks.“

Von Yokohama nach Kirchheim

Dieser rote Faden ist die Suche nach Heimat, die Juse in den Tracks „Kirchheim Horizont“, „Bordertown“ und „Shibuya Crossing“ behandelt. In jedem dieser Lieder setzt er sich mit einem Ort auseinander, an dem er Teile seiner Jugend verbracht hat – seine frühe Kindheit in Tokyo, die Teenie-Zeit in Kirchheim in der schwäbischen Provinz und eine kurze Episode in El Paso an der amerikanisch-mexikanischen Grenze.

Während Juse in Kirchheim und El Paso auch einige schlechte Erfahrungen machte, beschreibt er seine Zeit in Japan als rosane Kindheit. „Damals war Japan ein goldenes Land. Das war einfach wunderbar. Dieses Ideal der 80er und 90er Jahre in Japan hat mich für immer geprägt.“ So hat auch das ganze Album, angefangen beim Coverdesign, bis hin zu den Musikvideos, einen japanischen Anstrich bekommen.

„Alles andere ist Propaganda“

Welthass kommt nicht zu kurz

Doch auch sein Welthass, der Juse Ju zu „Angst & Amor“-Zeiten auszeichnete, kommt in „Shibuya Crossing“ nicht zu kurz. Zusammen mit Danger Dan porträtiert er in „Propaganda“ die verworrene Gedankenwelt eines Chemtrail-fürchtenden Impfgegners. Wie schon in „German Angst“, einem Track aus 2016, beschäftigt sich Juse auch 2018 mit den verqueren Ansichten und Ängsten der Wutbürger.

Trotz all des Zorns und der gnadenlosen Zynik, darf natürlich auch der eine oder andere Feelgood-Track, wie die Skater-Hymne „Pain is Love“, nicht fehlen. Bei der ersten Single-Auskopplung des Albums, „7Eleven“, beweist das Konglomerat aus Juse Ju, Fatoni und Edgar Wasser einmal mehr, dass ihnen in Sachen intelligent-pointiertem Punchline-Rap kaum einer das Wasser reichen kann.

Und jetzt: München

Über Tokyo und El Paso führt Juse Jus Weg auch nach München. Hier an der LMU studierte er Theaterwissenschaft, Soziologie und Japanologie. Trotz dieser Ausgangslage tourt er jetzt nicht als Taxifahrer durch Deutschland, sondern mit seiner Musik. Am 14.9. kehrt er in die Landeshauptstadt zurück und spielt mit Curly als Support ein Konzert im Milla Club.


In aller Kürze:
Was? Juse Ju auf Shibuya Crossing Tour
Wo? Milla Club, Holzstrasse 28, 80469 München
Wann? Freitag, 14. September | Beginn 20.30 Uhr
Tickets: ausverkauft


Beitragsbild: © Candida.Performa  via Flickr, CC BY 2.0

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