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Konkordia. Dauerperformance und Experiment

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Dauerperformance_Foto

Unser Leben dargestellt in einem Staat im Staate. Weit mehr als nur Kunst wird uns erwarten, wenn das Kapital 2 Kollektif und alle weiteren Performer endlich in die Schaustelle der Pinakothek der Moderne einziehen, um uns neun Tage lang ein Dauerperformanceprojekt, ja ein Experiment, zu präsentieren, wie wir es noch nie gesehen haben.

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„Big Brother is watching you“. Wer kennt ihn nicht, den Propaganda-Slogan des totalitären Kontroll- und Überwachungsstaates „Ozeanien“ aus Orwells Roman „1984“? Schon die darauf folgende Fernseh-Serie „Big Brother“, deren Format oft heftig umstritten wurde, löste bei einigen ein ungutes Gefühl aus: Menschen, deren privates Leben pausenlos observiert wird- musste es mit unserer Gesellschaft tatsächlich schon soweit kommen? Und spätestens jetzt, nach dem Fall „Snowden“, liegt das Thema „Überwachung“ wieder in aller Munde.

Kein schlechter Zeitpunkt also, um so ein außergewöhnliches und spannendes Projekt auf die Beine zu stellen, wie es das Münchner Künstlerkollektiv „Kapitael 2 Kolektif“ nun vorhat:
KONKORDIA

Mag der ein oder andere nun zwar Assoziationen zu vor Giglio herumdümpelnden Kreuzfahrtschiffen oder fast schon vergessenen Lieblingsvereinen knüpfen, darum geht es hier nicht.
Denn: Konkordia wird ein überwachter Performance-Staat mitten in München.

Kurz auf den Punkt gebracht, bedeutet das:
60 Performer leben, arbeiten (sowohl Kunst als auch Wissenschaft wird hierbei produziert), schlafen, essen und konsumieren 9 Tage lang in der Schaustelle der Pinakothek der Moderne – und das alles unter permanenter Überwachung. Der dreistöckige Museumspavillon wird also in einen hyperfunktionalen, totalitären Mikrostaat umgewandelt, der tagsüber nach Beantragung eines Visums auch als Tourist bereisbar ist. Wer die Installationen nicht vor Ort beobachten kann, hat die Möglichkeit dies im Internet nachzuholen, denn in ganz Konkordia sind schließlich Kameras installiert. Die Teilnehmer geben sich in dem Zeitraum der Aktion also unter vollkommener Suspendierung jeglicher Privatsphäre der Öffentlichkeit preis.

Des Abends werden im Rahmen des Projekts verschiedene Veranstaltung wie Konzerte, Filmvorführungen und politische Diskussionen angeboten, die auch von nicht-konkordischen Zuschauern besucht werden können.

Außer den Überwachungskameras wird der „Staat im Staate“ auch ein komplexes Regelwerk haben, das die Teilnehmenden befolgen müssen. So besteht zum Beispiel nicht nur die Möglichkeit eines Aufstandes sondern auch die einer Verhaftung durch die mikrostaatliche Polizei. Außerdem bewegen sich die Performer ausschließlich auf Anweisung eines Computerprogramms und gemäß auf dem Boden angebrachter Linien und es wird nicht gesprochen.

Mit Konkordia soll weder ein totalitäres Regime vorangegangener Jahrhunderte nachgestellt, noch eine fiktive Welt gestaltet werden. Es geht eher um die Darstellung des Lebens, in das wir tagtäglich eingebettet sind- unter verstärkter, zuspitzender Fokussierung auf bestimmte Dinge. So fungieren dann die Performer auch als Ärzte, Künstler, Journalisten und wickeln alltägliche Handlungen wie in die Schule oder zum Zahnarzt gehen ab. Auch an der für die kapitalistische Gesellschaft typischen und notwendigen Freizeit wird es in Konkordia nicht fehlen. Ob Theateraufführungen oder Discoabende, die Performer produzieren und konsumieren diese „Freizeit-Kunst“ selbst.

Gewissermaßen werden wir uns also selbst beim Leben zuschauen können – eine etwas komische Vorstellung, zugegeben. Aber vielleicht werden wir so die Möglichkeit haben, Dinge zu sehen, die uns bisher verborgen geblieben sind.

Hier noch einmal alles auf einen Blick:

Wann: Vom 06.09-15.09.2013
Wo: Mikrostaat „Konkordia“ in der Schaustelle der Pinakothek der Moderne
Was: Performance-Kunst, Diskussionen, Filmvorführungen, Konzerte und vieles mehr

Na, neugierig geworden?

Wir auch, und deswegen haben wir nachgehakt. Das exklusive Interview mit dem Kapitael 2 Kolektif findet ihr hier

Und wenn ihr noch mehr zu dem Dauerperformance- Projekt und seinen Zielen erfahren wollt, schaut euch doch den Trailer an:

Dauerperformance #1 – Crowdfundingtrailer from Ersan Mondtag on Vimeo.

Außerdem WICHTIG!!!

Die Aktion ist nicht nur finanziell, sondern auch was die Teilnehmer angeht noch auf Unterstützung angewiesen.
Das heißt:

Ihr könnt dabei sein! Wenn ihr Performer werden wollt, wendet euch an: INFO@KAPITAEL.COM

Für finanzielle Hilfe erhaltet ihr kleine „Dankeschöns“ in Form von Projekt- DVDs, Vorverkaufsrechten für entstehende Kunstwerke, etc…
Mehr Infos dazu hier

photo credits: kapitael 2 kolektif

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