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Adieu Cliché! Womom will die Trennung von Frau vs. Mutter aufheben

Christina Winkler

Christina Winkler

Schreibt unter der großen Gefahr auf Wortspielen hängen zu blei - es gibt schließlich nix, des net gibt.
Christina Winkler

Das Münchener Modelabel Womom will die Trennung von Mutter- und Frau-Sein loswerden. Frei nach dem Motto: Frau bleibt Frau, in jeder Lebenssituation. Im Interview verraten die Modemacherinnen Annette und Kerstin, warum sie das Label gegründet haben, was sie von Schubladendenken und laufenden Milchbars halten und wo man ihre Klamotten kaufen kann.

womomWer steckt hinter dem Label Womom und was muss man sich darunter vorstellen?
Kerstin
: Wir – Annette und ich – haben im August 2017 beschlossen, das Label zu gründen. Kurz darauf kamen Tati und Sophie in unser Team. Womom ist ein Label, das die Trennung von Mutter- und Frau-Sein loswerden möchte: Frau bleibt Frau, in jeder Lebenssituation! Wir nennen das auch gerne Uniwoman – eine Erweiterung von Unisex. Unisex hebt Geschlechterteilung auf. Wir stehen dafür, dass Frau sich in jeder Lebenslage als solche fühlen kann.

Wie kam euch die Idee zu Womom?
Annette
: Ausschlaggebend war Kerstins ungeplante Schwangerschaft. Plötzlich wurde sie mit einer Kategorisierung konfrontiert, die ihr davor natürlich nicht bewusst war. Als Schwangere und Mutter wird man oft anders behandelt – weniger eigenständig. Auch die Modewelt trennt zwischen „maternity“ und „woman“. Für ihre Abschlussarbeit in Kommunikationsdesign hat sie daraufhin Prints entworfen. Mit den Shirts wollen wir ehrlich und mit Humor alle Facetten des Mutter- und des Frau-Seins thematisieren und natürlich gehört dazu nicht immer nur Schönes.

Wo (in München) kann man eure Shirts kaufen?
Annette: In München kann man uns aktuell im Phasenreich in der Reichenbachstraße finden! Ansonsten online unter womom.de.

„Die Mietpreise machen es Start-Ups hier schwierig“

womom_shirt_taxi_01Womom ist ein Münchner Label – wie sehr seid ihr und Womom in der Stadt verwurzelt?
Kerstin: Ich bin seit sechs Jahren in München und komme ursprünglich aus Regen im Bayerischen Wald. Dass ich so lange in München bleibe, war gar nicht geplant. Bis auf die Mietpreise kann man die Stadt aber ins Herz schließen. Das Label ist in erster Linie hier entstanden, weil wir hier wohnen. Wir würden uns aber gerne international orientieren, deshalb sind die Prints auch auf Englisch. Gerade die Mietpreise machen es Start-Ups hier nämlich schwierig.

Annette: Ich lebe schon seit 16 Jahren in München und habe mich sehr in die Stadt verliebt, wenngleich die Miete einem tatsächlich Tränen in die Augen treibt. Aber die Isar macht vieles wieder wett. Das ist ein unglaubliches Lebensgefühl!

Habt ihr persönlich ein Lieblingsteil und – wenn ihr mal nicht eure eigenen Klamotten tragen wollt: wo kauft ihr noch gerne ein?
Kerstin: Mein Womom-Lieblingsteil ist unser „Frida Mind“ Shirt, ansonsten bin ich ein totaler Second-Hand-Fan.

Annette: Ich steh auf Statement-Shirts – gerne Vintage oder mit Augenzwinkern, am liebsten habe ich aber einen Vintage-Cordoverall aus Santa Cruz.

„We care“ ist ein wichtiger Punkt für euch: Wie und wo werden eure Teile produziert? Worauf legt ihr dabei besonders wert und wie oft produziert ihr?
Kerstin:
Aktuell kommt unsere Ware aus Bangladesh, denn auch da kann fair und nachhaltig produziert werden. Wir wünschen uns aber, die Produktion nach Europa zu verlegen. In München arbeiten wir mit einer kleinen Siebdruckerei zusammen, so sorgen wir für kurze Produktionswege und fördern lokale Unternehmen. Zweimal im Jahr erscheint eine neue Kollektion.

Kann ich mich auch als Nicht-Mutter mit dem Label identifizieren?
Kerstin: Ja! Genau dieses Trennung Frau vs. Mutter möchten wir aufheben. Wenn wir aufhören in Schubladen zu denken, dann kann man die Thematik auch aus anderen Blickwinkeln betrachten und jeder kann sich damit identifizieren: Frauen sollten zusammenhalten, egal ob 25 oder 55, egal in welcher Lebenssituation. Die Mutterschaft gehört nun mal zum Leben dazu und dem sollte man offen gegenüber stehen. Frauen ohne Kinder tragen die Shirts genauso wie Mütter oder auch Männer – weil sie den Gedanken dahinter unterstützen.womom_shirt_growtogether_02

Was hat es mit dem MILK-Aufdruck auf sich? Wollt ihr damit Stereotypen ironisch entgegenwirken und habt ihr nicht Bedenken, man könnte euch unterstellen, Frauen auf ihre Körperlichkeit zu reduzieren?
womom_mood_bag_01Kerstin: Genau genommen war es nicht unsere Absicht, dem entgegen zu wirken. Wir wollten einfach mal sagen, was Sache ist: Ja, ich fühle mich beim Stillen, wie eine Milchbar auf zwei Beinen. Und darüber kann ich auch lachen! Dabei sind wir ehrlich und humorvoll.

Würdet ihr behaupten, dass euer Label einen feministischen Hintergrund hat?
Annette:
Wir würden unser Label nicht als klassisch feministisches Label betiteln. Allerdings versprühen bestimmt einige Prints und Instagram-Posts einen Hauch Feminismus.

Neben euren Produkten oder Sprüchen sieht man auf eurem Instagram-Account viel Haut – unretuschiert und ehrlich: Erntet ihr dafür auch unangebrachte Kommentare? Oder unterstützen euch eure Follower voll und ganz?
Annette:
Bisher gab es nur positive Rückmeldungen und die Frauen freuen sich, dass wir so ehrlich mit allem umgehen. Ab und an jedoch werden wir als reines „Mama-Label“ abgetan. Dafür haben wir die „Adieu Cliché“ Kampagne ins Leben gerufen: So wollen wir uns vom veralteten Bild der Mutterrolle lösen, abgesehen davon darf sich aber jede Frau von einem Cliché ihrer Wahl verabschieden. So kreieren wir ein Gemeinschaftsgefühl und das findet viel Zuspruch.

Der Großteil teilt unsere Message und es freut uns, dass vor allem viele Frauen ohne Kind so viel Empathie zeigen.

„Missing. Missing those times with the girls. Missing friends. Missing independence. And I would say there’s nothing bad about it to say it out loud. Because that doesn’t mean that I don’t love my child. But from time to time I just miss the past. And sometimes I just feel lonely although I am not lonely. Sometimes motherhood feels like puberty. Struggling with the new body, growing into motherhood, losing friends – finding new ones, finding yourself. I mean I am still the same person I used to be, it just feels like I have to find myself again. I love body positivity – but sometimes I just don’t feel it. And sometimes I hate the belly and boobs with all those stretch marks. And yes this body tells stories – but we can also talk about the difficult ones. But still – mother muse is Mother Earth and I am still fascinated about what women can create and will always be. But sometimes you have those feelings which are ok to talk about“ Yours, Kerstin

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Milky Grazie an Womom!

Mehr über das Label Womom findest du hier.


© Fashion-Fotos: Kerstin Rothkopf / Team-Foto: Hanna Wolf


Dieser Artikel erscheint im Moodbook: Eine Beitragsreihe, die sich mit Münchens Modemachern, Modeliebhabern, den Trends auf den Straßen dieser Stadt und in unserer Redaktion beschäftigt. Denn Mode kann so viel mehr als schön, extravagant oder absurd sein – Mode ist immer auch ein Stimmungsbild und dieses wird hier regelmäßig abgebildet.

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