Kultur

Leerstand und Knappheit

Instandbesetzer_Berliwen_Kreuzberg_1981

Lea-Won fest. Crument besingen den Leerstand und die Knappheit in ihrem Rapsong.

Das sagt Lea-Won zum Inhalt des Liedes
„Leerstand und Knappheit“:

Der track ist (Anfang Dezember 2013) daheim aufgenommen worden, und bisher weder professionell gemischt noch gemastert worden. Das soll noch passieren, bevor das Lied dann mit anderen gemeinsam zum kostenlosen Download online gestellt wird…
Ich schieb den track trotzdem schon mal ins internet, einfach weil er aktuell ist und zu sozialen/politischen Kämpfen Stellung nimmt, die grade (wieder, und immer wieder) aktuell sind (z.B. wegen des bundesweiten Bündnisses „Studis gegen Wohnungsnot“ oder dem Kampf um die „Rote Flora“ in Hamburg).

Ich (und wohl auch Crument und viele andere) gehen davon aus, dass es sowohl mehr als Druck auf etablierte Parteien (worin sich oft im „Studis gegen Wohnungsnot“ Bündnis verrannt wurde) als auch mehr als autonomen Häuserkampf (wie zb gerade in Hamburg „Rote Flora“ und ähnliche) braucht, um das Wohnraumproblem zu lösen (nämlich im Endeffekt eine sozialistische Revolution, die dann hin zur klassenlosen Gesellschaft weitergetrieben wird. Warum wir genau diesen Weg vorschlagen, würde hier den Rahmen sprengen; unten ist aber schon mal ein Diskussionspapier verlinkt). Viele dieser heutigen, autonomen Kämpfe begeben sich in Sackgassen, wenn sie lediglich Inseln innerhalb der bestehenden Verhältnisse erobern und verteidigen wollen. Manch andere dieser autonomen Kämpfe können aber während der Verteidigung dieser Inseln ein wichtiges Element sein, FALLS dadurch auf weitergehende gesellschaftliche Zusammenhänge („Mieten, Lohn und Brot!“ und den Kampf der Geflüchteten als entrechtetster Teil der lohnabhängigen Klasse) hingewiesen wird, und wenn diese (relativen) „Freiräume“ benutzt werden, um gemeinsam zu diskutieren, sich auszuruhen, und gemeinsam in neuen Formen demokratischer Selbstverwaltung unter anderen (eben selbstbestimmten, und in dem Sinne „autonomen“) Regeln Party und Konzerte zu veranstalten, und eben perspektivisch nicht nur in Parolen („Kommunismus jetzt!“ oder „Für die Anarchie!“) sondern in klaren strategischen Vorschlägen Schritte in Richtung der Überwindung des Kapitalismus losgegangen werden usw.

Wir denken, wir müssen dabei nämlich darauf achten, dass wir nicht einfach Hierarchien als „außen vorgelassen“ betrachten können, wenn wir uns das Label namens „autonom“ geben, und dabei aber ignorieren, dass wir damit viele Menschen ausschließen, die es sich sozial und ökonomisch nicht leisten können, an diesen oft sehr isolierten und subkulturell identitären Kämpfen teilzunehmen (zb weil diese anderen „Normal-Bürger/innen“ eben oft in krasseren/anderen Abhängigkeiten stecken, als viele derjenige, die sich als autonom bezeichnen; also z.B. täglich ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, oder auch vom Bewusstseinsstand einfach noch anders geprägt sind). Deshalb gilt es, die Kämpfe zu verbinden, und zu überlegen, welche Ursachen dahinter liegen.
Unserer Auffassung nach sind das die Eigentums- und Produktionsverhältnisse. Nur in organisierter Form als Klasse von Menschen, die lohnabhängig sind, dabei die Produktion (und Dienstleistung) durch Verkauf ihrer Arbeitskraft am Laufen halten, und zusammen mit anderen unterdrückten Teilen der Gesellschaft zusammenarbeiten, können wir diese Verhältnisse ändern (Zur Lohnabhängigen Klasse gehören auch Erwerbslose und andere Menschen, die vom Staat bzw von Ämtern Geld bekommen, und dabei für die Kapitaleigentümer/innen eine „Reservearmee“ darstellen, und in dieser Funktion den Bossen die Möglichkeit geben, für diejenigen, die noch Arbeit haben, die Löhne zu verringern (Erpressung); außerdem gehören auch diejenigen dazu, die unentlohnt Arbeit leisten, zb Hausarbeit/Reproduktion, und dabei von Menschen abhängig sind, die gegen Lohn arbeiten… usw.).
D.h. im Klartext: Weg von isolierten Katz-und-Maus-Spielen (ggüber Polizei und Staatsmacht) und individuellem Abenteurertum, hin zum organisierten Klassenkampf (der dann auch die Konfrontation mit Polizei und Staat einschließt, aber im Endeffekt die kapitalistischen Verhältnisse als solche angreift)!

Unten gibt es auch die Lyrics des Textes von Crument und mir, und hier noch ein Link zu einem Diskussionspapier zum Thema „Wohnraum“, an welchem sowohl Crument als auch ich in München mitgeschrieben und mitdiskutiert haben.
akgewerkschaften.wordpress.com/2013/06/2…wohnraum/

Wer will, kann uns gerne kontaktieren, um gemeinsam politisch zu diskutieren, oder uns (gemeinsam oder einzeln) zu Konzerten als auftretende Rapper oder zu Diskussionen als Diskussionsteilnehmer einzuladen.

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DISCLAIMER:

Rap-Musik ist meiner Meinung nach dafür gedacht, außerhalb(!) des Internets gehört zu werden. Videos und Streams nötigen zum Verhalten der Konsumierenden, die Raps im heimischen Zustand, auf den Monitor starrend zu konsumieren. Dagegen strebe ich es an, dass Menschen das Zeug herunterladen, und außerhalb, auf der Straße, in der U-Bahn, im Auto, auf Demonstrationen, auf Partys, gemeinsam mit anderen über laute Boxen anhören; oder, noch besser: die Texte auf die Beats live vorgetragen werden (HOLT UNS IN EURE STADT für LIVE KONZERTE oder Demos, E-Mail: Lionfh at gmx.net).
Außerdem bremsen und beschneiden zu viel visuelle Eindrücke die eigene Kreativität und Phantasie beim Konsumieren. Oft hat visuelle Kunst (wie Rap) mehr Energie, wenn Konsumierende sich auf s HÖREN beschränken, und sich selbst dazu Bilder im Kopf vorstellen, oder die Musik wahrhaftig als SOUNDTRACK zu ihrem eigenen Leben benutzen, anstatt im Internet zu deutliche (in Videos gezeigte) visuelle Vorschläge zu empfangen.

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LYRICS:

Lea-Won (feat. Crument) – Leerstand und Knappheit
(under creative commons license, 2013)

LEA-WON:

wir nehmen uns fläche zum Leben, gerade dann wenn uns die verhältnisse quälen.
in denen die häuser denen gehören, die sie nicht bewohnen,
und die die in ihnen wohnen kaum genug lohn kriegn –
um sich den wohnraum zu leisten, und ohne zu leiden
hier einfach weiterhin leben und in den Wohnungen bleiben (zu könn‘) –
die polizei und der Staat helfen dabei dem der sagt –
er hätte einen Vertrag, der besagt, hier hätte jemand nicht für die Leistung bezahlt –
diese Leistung, über die die, die sie mal erbracht habn,
längst nicht mehr selber verfügen, weil man sie schon
dafür bezahlt hat – für ihre arbeit –
und jetzt nur noch jemand da ist, die Miete eintreibt –
wir nehmen uns fläche zum Leben gerade dann wenn die Verhältnisse denen –
denen die gesetze hier dienen – immer noch die Gelder zuschieben –
wir sind bereit, die Gesetze neu durch unsere eigenen Hände zu schmieden –
bis die Güter nicht mehr dem Markt, sondern den Menschen genügen.
bis wir selber bestimmen, wer unter welchen Bedingunen _ die häuser
hier baut und wir sie uns selber vermieten –
bis wir den Leerstand besiegen –

zu wenig Lohn
zu wenig Bafög
Eltern arm
was dann?

schufa eintrag
wg casting
provision
was dann?

falscher name
falscher pass
gar kein pass

mahnungen
entmietung
häuserkampf
was dann?

CRUMENT:

Wohnraum ist Ware, der Tauschwert ist das was zählt.
Wir wollen wohnen, doch Anlegende wollen Zaster sehn‘.
Der Kampf dagegen heißt Kampf gegen Wohnungsnot.
Zusammenhänge erkennen: Mieten, Lohn und Brot!
Organisiert Privatisierung bekämpfen!
Den Widerstand auch in Betrieben entfesseln!
„Diskriminierung verhindern“! – (Für) Studis,
Reservearmee, Non-Citizens und Eltern mit Kindern.
Wohnungsbau und leere Häuser müssen endlich verstaatlicht werden.
Nicht von Markt und Bossen kontrolliert, sondern von den Arbeitenden.
Genug Geld zum Fressen, genug Platz zum Leben!
„Von der Uni zur Fabrik!“ – das ist unsere Politik!
Denn der Kapitalismus kann diese Probleme nicht lösen.
Weil in ihm Besitzende weiter anlegen müssen.
Diese Knappheit ist künstlich.
Wir stellen die Welt vom Kopf auf die Füße!

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Kontakt:

Lionfh at gmx .net (Lea-Won).
Crument at gmail .com (Crument).

www.Lea-Won.net
www.facebook.com/kramatik84
www.twitter.com/kramatik84

Bildquelle: Tom Ordelman (Thor NL) über Google Bilder cc-by-sa 3.0

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