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Meine Halte – Folge 7: Theresienwiese

Meine Haltestelle

So ziemlich jeder Münchner hat eine und verbringt dort mehr Zeit als ihm lieb ist. Haltestellen sind seltsame Zwischenorte. Wir sind eigentlich nur dort, weil wir woanders hin wollen. Auf dem Heimweg zählen wir den Countdown bis zu unserer Haltestelle. Wir holen dort sehnsüchtig erwarteten Besuch ab. Viel öfter als wir es zugeben wollen, haben wir kurz vor Ladenschluss beim Haltestellenkiosk, -bäcker, imbiss "eingekauft". Regelmäßig sprinten wir ihr entgegen, damit wir doch noch die Bahn, Tram oder den Bus erwischen, der uns zu unserem eigentlichen Ziel bringt. Höchste Zeit, dass wir uns unsere Haltestellen ein bisschen genauer anschauen und deshalb stellen wir euch künftig jede Woche eine Haltestelle des MUCBOOK-Teams vor.
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Hach ja, die Theresienwiese. 1984 vom Schwabinger Architekten Alexander von Branca entworfen, erstrahlt sie in den Farben des Münchner Kindls: Schwarz und Gelb. An ihren Gleiswänden lassen sich Bilder der Künstlerin Ricarda Dietz finden, die unter anderem auch den U-Bahnhof Thalkirchen mitgestaltete. Darauf zu sehen: Fahrgeschäfte und Attraktionen auf dem Oktoberfest.

Und da sind wir auch schon bei dem Ereignis angelangt, der meiner schönen Theresienwiese wie ein eitriger Pickel am Arsch klebt: die Wiesn!

Denn trotz ihres wunderbaren altbackenen Charmes, interessiert sich das ganze Jahr eigentlich kein Schwein für meine Halte, außer wenn im September dann wieder o’zapft ist. Dann gibt’s Rabotti auf der Theresienwiese, hauptsächlich für die Mitarbeiter der MVG.

Dann strömen die Massen an Einheimischen und Touristen in billigen und teuren Trachten durch die schwarz-gelben U-Bahngänge. Fast sechs Millionen Besucher hatte das Oktoberfest vergangenes Jahr, die Rolltreppen fahren dann 36 Prozent schneller als zu den Hauptverkehrszeiten und für Fahrer und Sicherheitspersonal gilt während den zwei Festwochen eine strikte Urlaubssperre. Nicht ohne Grund, denn an einem normalen Wiesn-Tag fertigt die MVG dort allein in einer Stunde 20.000 Reisende ab. Eine Vergleichszahl, was ohne das Oktoberfest so los ist, konnte mir die MVG nicht liefern – zu viel zu tun!

Ein U-Bahn-Ausgang der Theresienwiese führt direkt auf selbige, zwei andere ins sogenannte St.-Pauls-Viertel. Hier gibt es neben der namensgebenden Kirche, einer alteingesessenen Boazn, einem Getränkemarkt und einem Tattoo-Studio eigentlich nur Wohnungen und Bürogebäude. Auf den ersten Blick echt unaufgeregt.

Mittlerweile hört man aber immer häufiger, dass sich die nördliche Gegend rund um den Hauptbahnhof zum neuen „In-Viertel“ mausern soll. Gründe hierfür sind sicherlich die Eröffnung des Kïss (die kleine Schwester vom Kismet) und die St-Paul-Roofbar (,die auch schon wieder zu hat) in der Landwehrstraße. Bisher merkt man von dem angeblichen Hauptbahnhof-Hype aber noch nichts. Ist vielleicht so wie im Westend, das soll ja auch schon seit Jahren zum neuen urbanen Hotspot werden.

Apropos Westend! Hier, genauer gesagt an der Schwanthalerhöhe, sollte man zwischen dem 17. September und dem 3. Oktober 2016 aussteigen. Denn das ist das Paradoxe an meiner Haltestelle: wenn dann wirklich Oktoberfest auf der Theresienwiese ist, sollte man lieber noch eine Station weiter fahren und dort entspannt aussteigen.

Dann entgeht einem zwar die schöne Münchner-Kindl-Optik, man spart sich gleichzeitig aber ne Menge Stress und Nerven beim U-Bahn-Wiesn-Chaos an meiner Halte.

 

Text und Beitragsbild: Larissa Kellerer

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