Leben, Live

Mit Immanuel Kant am Grinden: Manual Kant im Interview

Eigentlich müssten sie ja längst berühmt sein, meint das PULS-Team vom BR über die ehemaligen Startrampe-Absolventen Manual Kant. Am mangelnden Talent kann’s jedenfalls nicht liegen, dass Manual Kant noch in den kleineren Rockschuppen in deiner Nachbarschaft spielen.

Gegen die ganz großen Hits wehren sich Manual Kant dann aber vielleicht auch einfach rechtzeitig, um nicht Gefahr zu laufen, die sperrig-rotzig-eigensinnige Seite ihrer musikalischen Identität zu verlieren. Irgendwo zwischen (Punk-)Rock, Blues und HipHop (und, ok, ein wenig Pop) kann man den Sound der Landshuter verorten.

Nach interner Umbestzung und Trennung vom alten Label greifen sie jetzt mit neuer Strategie an: DIY und „Lass mal machen“ statt Businessplan und Labelzwänge. Wir haben Malte (Gesang/Bass), Simon (Schlagzeug), Franz (Gitarre) und Sammy (Gitarre) in ihrem Münchner Proberaum zum Interview getroffen, wo sie derzeit noch am Feinschliff für den Auftritt am Samstag beim PanamaPlus 2015 feilen.


Live im Pulsstudio

First of all: Wie spricht man eigentlich euren Bandnamen aus?

Malte: Määnuäl Kant… hatten wir erst letztens wieder, dass wir als Manuel Kant angekündigt wurden…

Für die Blogleser, die euch noch nicht kennen: Beschreibt euch doch mal kurz in einem Satz! Manual Kant sind…

Malte: Franz fängt an!

Sammy: Franz, sag was…

Franz (überlegt kurz):… sind einzigartig!

Malte: Einfach nur „Boah“

Sammy: Das ist immer schwierig, die gemeinste Frage, die man einem Musiker stellen kann: Beschreibe deine Band!

Alle: Sagen wir’s mal in ein paar Adjektiven: kompliziert, laut, anstößig, zäh.

Was sind eure musikalischen Wurzeln und was hört ihr immer noch gerne?

 Sammy: Der Franz ist ein alter Blueser und Stoner

Simon: Genau. Malte ist HipHop, Franz ist Stoner und ich bin Rock.

Sammy: Und ich bin Pop.

Malte: Das ist übrigends der Sammy, der ist seit kurzem dabei.

Ihr habt also wieder zwei Gitarristen?

Sammy: Genau, das schleicht sich gerade so ein. Ich spiele noch nicht das ganze Set, aber peu a peu wachse ich rein.

Franz: In erste Linie ist das auch so, dass das neue Album, so wie es produziert wurde, einfach nur mit vier Musikern adäquat auf die Bühne gebracht werden kann.

Das ist mir auch aufgefallen bei den Songs, die ihr zwischenzeitlich zu dritt released habt. Das hat den Sound schon etwas verändert?!

Malte: Ja, das war schon anstrengend, alles zu dritt zu machen.

Simon: In erster Linie aber auch, weil Maltes Syntie kaputt ging…

Also gibt es inzwischen einen neuen Synthesizer?

 Allgemeines Lachen

Das interpretiere ich jetzt mal als nein… wir können euch ja vielleicht ein Spendenkonto einrichten?

Sammy: Ja, vielleicht kann man auch so ne Art Crowdfunding-Aktion starten…

Malte: Wir haben eine zeitlich unbegrenzte Crowdfunding-Aktion am Laufen, man kann jederzeit Geld spenden.

Simon: Äh, mein Becken ist übrigens auch kaputt…

Sammy: Erwartet aber keine Gegenleistung!

Malte: Gegenleistung ist, dass es uns weiter gibt. Mit Synthie und Becken.

Ihr hattet im Interview mit BR PULS die Probleme mit dem alten Label thematisiert. Wie wollt ihr beim neuen Album vorgehen? Gibt’s das jetzt erst mal for free im Internet?

 Malte: Genau, ja… oder?! (Frage in die Runde)

Das ist dann jetzt hiermit offiziell. Und das Thema Label ist erst mal durch für euch?

Simon: Nein, durch ist das Thema nicht. Problem war ja aber eben in erster Linie die Produktion.

Malte: Label gerne, wenn es passt. Aber in den letzten eineinhalb Jahren stand das einfach nicht weit oben auf der Prioritätsliste, da wir uns auch soundmäßig erst mal wieder zusammenraufen mussten. Mit Label hat man dann auch immer einen gewissen Druck, den wir da einfach nicht gebrauchen konnten. Jetzt, mit dem neuen Album im Rücken – und wir wohnen bald auch wieder in einer Stadt zusammen –

Sammy: …kann’s wieder losgehen.

 


Manual Kant sind definitiv im Gebäude!

 

Die Stücke, die zwischen dem Debütalbum und jetzt liegen, also die EP und das, was so über Social Media kam, klang für mich im Vergleich experimenteller, roher und durch Gitarrist Franz kommt wohl auch eine etwas bluesigere Note rein. Ist das auch die Marschrichtung fürs komplette nächste Album?

Malte: Jein. Wir haben gerade vor kurzem auch mal wieder ne richtig poppige Nummer aufgenommen.

Simon: Das weiß man eigentlich immer erst hinterher.

Malte: Ja. Das erste Album war schon eher glatt produziert. Von daher kann man schon sagen, dass das so die grundsätzliche Marschrichtung ist. Bisschen rougher. So wie beim ersten Album: alles auf Klick mit vielen Overdubs und Herumgeschiebe wird’s nicht.

Simon: Viel realer auf jeden Fall.

Malte: Und „drivig“!

Thema nervige Promophasen und Selbstvermarktung: Was ihr ja auch im PULS-Interview angesprochen habt: Kollegah hat die „Bosstransformation“, Money Boy startet bald die „Swaggertransformation“. Wie sieht denn – in einem fiktiven Szenario – die Kant-Transformation aus?

 (Überlegen und Schweigen)

Also, ihr kennt die „Bosstransformation“?

Simon: Ich check gar nix.

Malte erklärt Simon kurz die Bosstransformation

Sammy: Einfach nur „Bier trinken“ sagen wär jetzt lahm, oder?!

Malte (nach langem Überlegen): Schritt 1 wäre auf jeden Fall, 50% von seinem Geld auf das Manual Kant Crowdfunding-Konto zu überweisen. Allein das befreit schon von vielen Problemen, Geld zu haben ist nämlich auch eine große Verantwortung.

Simon: Geld macht nicht glücklich.

Malte: Also die Kant-Transformation ist super easy: gebt uns einfach Geld!

Sammy: Ah, das kommt jetzt zu kapitalistisch?!

Malte: Ne, sagen wir mal: einfach viel Kant hören und fröhlich sein.

Ihr kommt aus Lands“hood“. Wie sieht denn ein perfekter Tag in eurer alten Hood aus?

Simon: Erst mal bis Mittag pennen, gemütlich Kaffee trinken, GTA zocken

Sammy: …in Landshut (!)

Malte: Nicht irgendwo anders…

Simon: Und abends dann halt irgendwas Lustiges machen.

Sammy: „Schwarzer Hahn“ zum Beispiel. Da kann man ganz gut versacken.

Simon: Vielleicht vorher noch n Konzert spielen und dann Party machen.

Sammy: Am geilsten ist es eigentlich auch, wenn mal wieder alle alten Freunde zusammen kommen, die sonst inzwischen über ganz Deutschland und Europa verstreut sind. Zum Beispiel an Weihnachten oder Ostern.

Simon: Die Landshuter Hochzeit ist auch krass. Das müsste ihr euch mal anschauen. Ist halt nur alle vier Jahre.


Ein Landshuter Klassiker: Das Sextag am Stromkasten

Milky Chance, ebenfalls Startrampe-Jahrgangsbeste, haben mittlerweile hunderte Millionen Klicks auf ihre YouTube Videos und sind weltweit erfolgreich. Wie lang dauert es bei euch noch bis zum großen Durchbruch?

Malte: Das kann sich eigentlich nur noch um Stunden handeln…

Was kann man denn am Samstag beim Panama Plus von euch erwarten?

Simon: 100 Prozent!

Sammy: Wir müssen schauen, dass wir hinten gut stehen und vorne auf unsere Chancen lauern.

Allgemeines Lachen

Sammy: Und dann eiskalt versenken.

Franz: Dann haben wir wirklich ne realistische Chance!

Wen schaut ihr auch denn noch so an?

Malte: Joasihno und Retrogott & Hulk Hodn

Zum Abschluss hab‘ ich noch ein paar Entscheidungsfragen für euch:

Augustiner oder Tegernseer?

Nach langer Diskussion: Augustiner

Simon: Kneitinger ist aber auch ein Geheimtipp!

Franz: Da könnten wir jetzt echt Stunden diskutieren…

Tupac oder Biggie?

Malte: Biggie!

Franz (kleinlaut): Tupac

Malte: Tupac?

Sammy: Oida, du hast doch keine Ahnung von nix.

Franz: Biggie kenn ich halt einfach nicht…

Simon: Ist auf jeden Fall Eastcoast ,oder?

Malte (erklärt): Biggie ist Eastcoast, Tupac ist Westcoast. Die sind auf jeden Fall beide geil, aber Biggie ist geiler.

Berghain oder Boazn?

Alle bis auf Malte: Boazn

Malte: Erst Boazn, dann Berghain.

Black Sabbath oder Queens of the Stone Age?

Simon: Black Sabbath

Franz und Sammy: Queens of the Stone Age.

Malte: Schwere Frage

Franz: Mit QotsA bin ich definitiv mehr aufgewachsen, obwohl die halt viel von Black Sabbath haben – echt ne fiese Frage!

Ok, letzte und alles entscheidende Frage: Immanuel Kant oder Tony Hawk?

Alle: Tony Hawk

Malte: Hätte Immanuel Kant den 900 gestanden, dann vielleicht Kant…

Franz: Oder, wenn er so ein geiles PlayStation-Game rausgebracht hätte, das uns unsere ganze Jugend über begleitet hat.

Malte: Yeah, Immanuel Kant’s Pro Skater! Mach den „Kategorischen Imperativ“. Krasse Kombo!

 

Danke fürs Gespräch!

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus
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