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MUCBOOK präsentiert: Wir sagen YES YES YES zu Beirut

Anika Landsteiner

Autorin und Bloggerin. Man kann mich locken mit Rotwein, Jazz und die drei ???, am liebsten bin ich jedoch barfuß am Strand, irgendwo in fernen Ländern und mit einem Buch in der Hand.
www.anidenkt.de
Anika Landsteiner

Ich war noch nie auf Gibraltar. Vielleicht mag ich deswegen den ersten Song auf dem aktuellen Album No No No so sehr. Ich war allerdings auch noch nie in Beirut und muss zugeben, dass die Band meine Aufmerksamkeit von Anfang an hatte, denn Sehnsuchtsorte stehen bei mir hoch im Kurs. Und Beiruts Musik, die muss laufen, wenn man als Backpacker durch die Welt zieht, oder zumindest in den Zug nach Glonn steigt, und sie muss ebenfalls laufen, wenn man über das Tollwood streift, aber zum Glück spielt Beirut ja genau dort im Sommer.

downloadDie Musik der teilweise 11-köpfigen Band rund um Sänger Zach Condon ist für mich jedes Mal eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aufgrund der Einflüsse von Balkan-Blasmusik, Indie, Polka und melodischem Pop (wer Beirut nicht kennt, ist nun sicherlich etwas verwirrt, vielleicht einfach mal zur Playlist scrollen) stehen die einzelnen Songs nicht immer nur für eine Art Zeitreise, sondern vermitteln vor allem Melancholie, die Sehnsucht nach Freiheit und sie haben ein gewisses Roadtrip-Gefühl mit im Gepäck.

Wie entsteht so eine Vielfältigkeit, fragt sich vielleicht nun einer, doch die Antwort liegt sicherlich darin, dass Sänger Zach Condon (in New Mexico, USA geboren) mit 17 Jahren durch Europa gereist ist und verschiedene musikalische Richtungen mit in seine Musik einfließen ließ – sicherlich am stärksten auf dem ersten Album The Gulag Orkestar herauszuhören.

Nach dem viertem Album The Rip Tide, auf dem die Folklore-Einflüsse zwar noch vorhanden waren, es aber sehr viel melancholischer zuging und mit mehr amerikanischem (schönen!) Pop obendrauf, musste man vier Jahre warten, bis sie wieder etwas von sich hören liesen.

beirut-no-no-no

No No No wurde dann endlich im September 2015 veröffentlicht und findet zwar nicht ganz zu seinen Wurzeln zurück, ruft aber Hallo, da bin ich wieder!, und das überraschenderweise sogar ziemlich vergnügt. Denn Condon selbst, der nach einer Scheidung, Erschöpfung und Schreibblockade nun zurück auf der Bühne ist, hat gegenüber radio.com gesagt: „Womit ich zu kämpfen hatte, nahm mir jegliche Ressourcen. Also kam ich heim, starrte auf meine Instrumente und fühlte mich, als wären keine Ideen übrig.

Der Titel No No No klingt nach Rebellion. Und genau die braucht es, um eben wieder aufzustehen. Auch wenn es auf dem Album weniger Sehnsuchtsorte gibt, die Conden früher so oft vertont hat, zeigt die (wenn auch mit 29 Minuten Spielzeit sehr kurze) Platte, dass Beirut wieder da ist, mit genauso viel Melancholie, aber auch Hoffnung, die es braucht, um nicht unterzugehen.

 


 

In aller Kürze:
Beirut auf dem Tollwood Sommerfestival
10.07.2016, Musik Arena, ab 18 Uhr (mit special guest)

Tickets gibt es hier für 41,70 Euro

Fotocredit: (1) jenny Alvarado via CC2.0-Lizenz, (2) Unsplash, (3) Albumcover

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