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München! Das ist dein Nachwuchs – der Große Tag der jungen Münchner Literatur war ein Erfolg

Natalie Adel

Ist München-Liebhaberin, weil es sich hier so herrlich mit dem Rad durch die Stadt düsen lässt und fast nichts über einen Sommerabend an der Isar geht. Ansonsten Theaterfan und immer dabei, neue Dinge auszuprobieren.
Natalie Adel

München kann schreiben. Das hat der Große Tag der jungen Münchner Literatur eindeutig bewiesen.
Die drei großen Lesehallen des Einstein Kultur waren von Anfang an gut besucht und füllten sich im Laufe des Abends zusehends. Eine ungemeine Programmfülle haben die Organisatoren Tristan Marquardt, Nora Zapf und Daniel Bayerstorfer zusammengestellt: Sieben Stunden dauerte das Programm, je drei Autor*innen traten pro Stunde auf.

Next time: Mehr Infos bitte!

Das macht Spaß, fordert aber auch viel von allen Beteiligten. Die Moderatoren schafften es leider nicht immer, einen inhaltlichen Bogen zu schlagen, sofern dieser überhaupt gegeben war. Häufig schienen sie selbst nicht mehr über die Autor*innen zu wissen, als die wenigen Infos, die auch im Programmheft stehen. Hier hätte der Abend dazu gewinnen können, war es doch oft anstrengend, den Leser*innen von einem Text zu nächsten, von einem Autor zum anderen zu folgen.

v.l.n.r.: Ricarda Kiel, Jan Geiger, Max Dorner, Pierre Jarawan

v.l.n.r.: Ricarda Kiel, Jan Geiger, Max Dorner, Pierre Jarawan

Dennoch

Diese Sprunghaftigkeit hat natürlich auch etwas für sich. Die Atmosphäre war angenehm entspannt, von ausgefahrenen Ellbogen und Konkurrenzdenken – wie es so häufig im Literaturbetrieb vorkommt- hat man als Zuschauer zumindest nichts mitbekommen. Ganz gemütlich war es möglich, zu jeder vollen Stunde von einer Halle in die nächste mit einer Flasche Bier oder einem Glas Wein in der Hand zu schlendern.

International und Weltoffen

Die Veranstaltung schafft es, einen Raum zu kreiren, der offen ist für jeden und Platz für Individualität lässt. Hier lässt sich den Gedankenexperimenten verschiedenster Poetry-Slamer folgen, man kann sich auf die verschwommenen Lyrik-Wortfetzen einlassen und aus gerade erst entstandenen Romanen vorlesen lassen. Zum Beispiel auf:

Amahl Khouri, die einen Ausschnitt aus ihrer szenischen Lesung He She Me vorliest. Es beschäftigt sich mit der Situation von Trans- und Homosexuellen Menschen in der Arabischen Welt.

Oder auf die Poetry-Slammerin Fee, die fragt: „Was, wenn schön das neue schlau ist?“

Poetry-Slammerin Fee

Poetry-Slammerin Fee

Es sind die großen, aber auch die kleinen Themen, über die geschrieben wird

Vom typischen Mädels- und Jungsabend wird von Carmen Wegge geslamt, Stereotype ironisch überformt und liebevoll pointiert. Zukunftsangst, Ungewissheit und die Frage, was man jetzt eigentlich mit seinem tollen Unizeugnis in der Tasche anfangen will, spielen bei vielen Autor*innen genauso eine Rolle, wie das Verschwinden eines Dorfes aufgrund von machthungrigen Energie- und Wirtschaftskonzernen. Gesellschaftskritik on point.

Also…

Die junge literarische Szene Münchens schreibt am Puls der Zeit und präsentiert sich angenehm selbstbewusst und reflektiert. Wer diese bereichernde Veranstaltung verpasst hat, sollte zusehen, dass er nächstes Mal dabei sein kann.

Es lohnt sich!

 

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