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Nach dem oBike-Fail: Jetzt kommen die E-Scooter

Langsam aber sicher scheint sich die Stadt davon erholt zu haben, was in den letzten Jahren für ordentlich Ärger und Vandalismus gesorgt hat: Nur noch sehr vereinzelt sind die quietschgelben Billig-Leihfahrräder der mittlerweile insolventen chinesischen Leihfahrrad-Firma oBike in der Stadt zu sehen.

Das eine oder andere geknackte oBike dient vielleicht noch als Gratis-Alternative zum MVG-Rad, ansonsten sind die meisten Räder entsorgt worden.

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by Markus S.

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Die gelben Räder sind weg

Was bleibt, ist der Bedarf an Alternativen zur klugen Fortbewegung in der Stadt, zusätzlich zu Autos, überfüllten U- und störungsanfälligen S-Bahnen. Natürlich wäre das Silicon Valley nicht das Silicon Valley, wenn da nicht schon längst eine neue, hippe alternative Fortbewegungsart entwickelt worden wäre: Der E-Scooter (oder E-Roller), also ein Scooter der bequem per App freigeschaltet und gemietet werden kann, für die Fahrt vom U-Bahnhof ins Büro zum Beispiel.

In Deutschland gibt es noch keine Straßenzulassung für die Gefährte, was der CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nun aber ändern möchte – noch im Frühjahr soll die Zulassung möglich sein. Auch die Münchner CSU setzt in einem Antrag dafür ein, möglichst rasch „die Ansiedlung privater stationsloser Miet-E-Scooter (Tretroller) zu fördern“ und „E-Scooter als Förderobjekt“ in das Förderprogramm der Stadt aufzunehmen.

Klingt doch super: innovativ, flexibel, modern

Nun haben wir hier in München (und in Deutschland allgemein) die einzigartige Chance, von den Fehlern anderer zu lernen: Ganz ähnlich wie bei der Münchner oBike-Invasion wurden zum Beispiel die Straßen von San Francisco förmlich geflutet mit solchen Leih-Scootern, was die Bevölkerung sehr verärgerte.

Die Stadt musste reagieren und hatte alle Scooter aus der Stadt verbannt. Nach einer dreimonatigen Pause sind sie jetzt wieder erlaubt, aber bewilligungspflichtig. Die maximale Anzahl wird festgelegt und die Bewilligung ist für ein Jahr gültig.

Funktioniert die Technologie?

Es stellt sich außerdem die Frage, wie sicher die E-Scooter tatsächlich sind. Nicht nur, was die Fahrt im städtischen Straßenverkehr anbelangt, sondern auch die Bauweise: Wie Medien in der Schweiz und Österreich berichten, wo die E-Scooter seit einiger Zeit erlaubt sind, gab es immer wieder Unfälle wegen Software-Fehlern, bei denen zum Beispiel unvermittelt die Bremse das Vorderrad blockiert.

Regeln im Vorfeld etablieren

Die oben genannten Beispiele zeigen: So toll die Technologie (wenn sie funktioniert), so sinnvoll das Fortbewegungsmittel: Ohne Regeln ist die Chance groß, dass es Probleme gibt. Das sieht grundsätzlich auch die CSU-Stadträtin Dorothea Wiepcke so, die den Stadtratsantrag für die möglichst rasche Einführung der E-Scooter mit unterzeichnet hat.

Auf Anfrage von MUCBOOK sagt sie, auf das oBike-Desaster angesprochen: „Jahresbewilligungen könnten ein Mittel der Wahl sein. Dadurch könnte Zuverlässigkeit, Qualität, Sicherheit, partnerschaftliches Verhalten etc. belohnt werden und man hätte ein probates Mittel zur Steuerung.“ Auch die Sicherheit und die Zuverlässigkeit im Betrieb sollen Kriterien für die Vergabe der Bewilligungen sein, so Wiepcke.

Oder gar ein städtischer Service?

Man könnte sich ja sogar überlegen, ob es nicht auch eine städtische Aufgabe sein könnte, ein E-Scooter-Verleihsystem zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel als Erweiterung der MVG-Räder, die sich ja größter Beliebtheit erfreuen. Dazu die CSU-Stadträtin: „Das wäre durchaus vorstellbar, wenn man die Umsetzung schnell garantieren könnte.“

Schlußendlich wäre das neue Mobilitätsangebot aus Sicht der Bevölkerung auf jeden Fall wünschenswert. Ebenso wünschenswert ist es aber, dass sich die Politik im Vorfeld Gedanken macht und das Feld nicht blind den privaten Anbietern überlässt. Denn was dann passiert, haben wir ja alle noch in bester Erinnerung:


Beitragsbild: © Glenn Beltz / flickr / CC by 2.0

1Comment
  • Brugger Pete
    Posted at 13:38h, 14 März

    Die Dinger sind lustig zu fahren, habe es erst letzte Woche in Lissabon ausprobiert. Schön sieht das nicht aus, dass an jeder Ecke Venture Capital finanzierter Elektroschrott steht. Vor Allem unterscheidet uns eines von den USA – unsere „letzte Meile“ zu Bus und Bahn ist glaube ich nicht so dramatisch wie in Silicon Valley Vororten.

    Was mich eigentlich am meisten nervt ist die Diskussion um Umweltfreundlichkeit – Batterien und co.

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