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Ohne Sinn und ohne Gurt – „Collide“ im Kino

Thomas Empl

Um mal was anderes zu machen als sonst, und weil die Handlung des Auto-Films Collide nun wirklich niemanden interessieren dürfte, folgt nun deren Nacherzählung. Anschnallen, bitte.

Also, da ist dieser Amerikaner namens Casey (Nicholas Hoult), der in Köln lebt. Casey hat keine Charaktereigenschaften, ist ein ziemliches Charisma-Vakuum, arbeitet aber immerhin für einen Gangsterboss. Was er für den so genau macht, weiß man nicht, aber man sieht’s ihm anscheinend an – denn die süße blonde Juliette (Felicity Jones), die er im Club anspricht, will nichts mit ihm zu tun haben, solange er sein Leben nicht ändert. Also schmeißt er hin, easy.

Es folgt eine Montage, in der Casey und Juliette sich küssen, ein bisschen amerikanisch-verklemmt aneinander rumfummeln und – logisch, nächster Schritt – zusammenziehen. Sie passen gut zusammen, denn er ist von Beruf Hauptcharakter, sie Love Interest. Doch – oh weh – Juliette ist krank, sie braucht dringend eine neue Niere, die das deutsche Gesundheitssystem ihr verweigert. „Versprich mir, dass du es nicht tust“, haucht sie Casey zu, doch der hat natürlich keine Wahl, als zu seinem alten Chef zurückzukehren. Der sitzt in Person eines zugekoksten Ben Kingsley in einem Wohnwagen voller Prostituierter (die einzigen fünf Frauen im Film außer Juliette) und hat natürlich sofort einen Auftrag: Casey soll wiederum Ben Kingsleys Boss – Hagen! – bestehlen.

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Casey stiehlt also dessen Truck voller Drogen, fährt ein bisschen herum – während uns der mit ‚grauenvoll‘ noch nicht annähernd umschriebene Elektro-Soundtrack eine Spannung suggeriert, die nicht da ist – wird dann aber überraschend gefangen genommen. Auftritt Anthony Hopkins! Der schafft es während seines Bösewicht-Monologs bewundernswerterweise gerade so nicht einzuschlafen, muss dann aber dringend weg. Zum Glück lässt er Casey ungefesselt und mit nur einem Bewacher zurück, und ist auch noch so freundlich einen Fluchtwagen voller Drogengeld bereitzustellen.

Casey entkommt auf die deutsche Autobahn, die so ein bisschen das Herzstück des Films darstellen soll (der ursprünglicher Titel sollte auch catchy „Autobahn“ lauten, bevor man sich aufs einprägsamere Collide umentschied). Über die langwierige Verfolgungsjagd ist nun wenig zu berichten – man kann bei einem Schnitt pro Viertelsekunde leider auch wenig erkennen. Jedenfalls crasht Casey irgendwann und überschlägt sich gute zehn Mal. Doch weil er das alles „für die Liebe“ tut, kann er aus seinem Wrack klettern, mal wieder einen neuen Wagen stehlen und weiterfahren. Polizei, die sich für die Explosionen interessieren könnte, ham‘ wir hier ja eh keine in Deutschland. Dafür Zoom aufs Armaturenbrett, weil hier darf man 240 fahren.

Blöderweise ist der Tank schnell leer und es kommt zu einer Schießerei an der Tankstelle (Anthony Hopkins hat sich kurzfristig hinterher teleportiert). Spätestens jetzt erwartet man, dass irgendwo Steven Seagal oder DMX auftauchen, wie in einem der damals schon miesen Actionfilme der frühen 2000er Jahre, als Filme noch witzige Zahlen im Titel hatten (2Fast2Furious, Born 2 Kill und so). Sie verweigern es uns, stattdessen fällt dem für Collide verwendeten Drehbuch-Generator aber immerhin ein, dass da ja noch das Love Interest ist. Also wird Juliette entführt.

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Na schön, Showdown im Stiefel in Köln. Netter Laden. Anthony Hopkins, Ben Kingsley, unser Liebespärchen und die Kölner Polizei, die jetzt doch mal ein Sonderkommando schickt und – relativ ohne Provokation und warum eigentlich? – beginnt die Kneipe zu zerballern. Hopkins entsinnt sich zum Glück seiner Teleport-Fähigkeiten, Kingsley stirbt und Casey und Juliette rennen schnurstracks zum Kölner Dom, den die Macher direkt neben den Stiefel verlegen, weil er halt auch noch mal gezeigt werden muss. Die Polizei schießt weiter rum, ein paar Handlanger sterben und Juliette verzeiht Casey den ganzen Unfug, weil „es schon irgendwie romantisch“ war. Der Bösewicht wird wenig später verhaftet, sie lieben sich. „Wenn du verrückte Dinge tust, tu sie für die Liebe“, voiceovert Juliette. Ende.

Wobei ein Highlight zum Schluss nicht unerwähnt bleiben darf: Casey und sein Kumpel sitzen – während sie den Überfall planen, im Stiefel. Es läuft Fußball. Patrick Helmes (seit zwei Jahren im Ruhestand) schießt ein Tor für den 1. FC Köln. Daraufhin der Kumpel jubelnd: „Genau das mein‘ ich! Deshalb werden die auch Meister!“ Genau das mein‘ ich.

(Kinostart ist der 04.08.2016)

Trailer:

(Bilder © Universum Film)

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