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Sarah Dorsel ist „la voix humaine“

C.Käßner

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Wahlmünchnerin. Langschläferin. Feministin. Schreibt gern über kleine Projekte mit großem Potential.
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Die menschliche Stimme, der Einakter von Jean Cocteau, welcher 1930 in Paris uraufgeführt wurde, wird aktuell wieder im Münchner Theater…und so fort gezeigt. Ein Interview mit der Stimme.

Die Zuschauer und Zuschauerinnen werden Zeugen von einem letzten Telefongespräch zwischen einer verzweifelten Frau und ihrem Geliebten, der sie verlassen hat, um mit seiner langjährigen, standesgemäßen Verlobten die Ehe zu schließen. Es ist die Geschichte einer großen Liebe und die Geschichte von Einsamkeit, Schmerz und Abhängigkeit.

Sarah Dorsel, die ihre Theaterausbildung im TheaterRaum München, Berufsfachschule für Schauspiel & Regie, absolviert hat, schenkt dieser Frau ihre Stimme. Wir haben sie dazu interviewt.

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Ab dem 27.02.2013 wird „Die menschliche Stimme“ mit dir im Theater…und so fort wieder aufgeführt. Was war deine stärkste Motivation für diese Rolle?

Als es darum ging ein Stück für meinen Abschluss zu finden, schlug Heiko Dietz „Die menschliche Stimme“ vor.
Es war perfekt. Das Stück birgt alles was es braucht: Lachen, Schmerz, Tränen und Träumen. Schon viele Schauspielerinnen haben dieses Stück gespielt, es gibt sogar einen Film mit Hildegard Knef. Jeder kennt diese Situation irgendwie und kann sich damit identifizieren. Das ist in meinen Augen auch die größte Stärke des Stücks. Ich liebe es sehr und freue mich darauf, es wieder zu spielen.

Eine Frau und ein Mann. Immer Potential für Drama. Was aber macht dieses Stück besonders?
In der Zeit, als das Stück geschrieben wurde, war das Telefon ein neues Medium. So wie ich das sehe, wollte Cocteau vor allem das Thema der veränderten Kommunikation behandeln. Heute ist dieses Problem ja noch viel gravierender. Wir kommunizieren über SMS, E-Mail und Facebook. Die Frau sagt an einer Stelle im Stück:
„Früher traf man sich, konnte die Fassung verlieren….ein Blick und alles konnte anders sein, aber mit diesem Apparat hier ist Schluss und aus.“

Cocteau hat eine Geschichte gebaut, in der es um Leben und Tod geht. Lieben und verlassen werden: Die Frau steht unter einem hohen emotionalen Druck, der durch die Distanz, die das Telefon schafft, sogar noch erhöht wird.
Außerdem lässt das Stück die Frage der Schuld offen und stellt sie so zur Diskussion. Alle Beteiligten, das Publikum, der Regisseur und die Schauspielerin müssen ihre eigene Wahrheit finden.

Was ist als Schauspielerin für dich die größte Herausforderung darin?

Nun ja, erstmal alleine auf der Bühne zu stehen. Das kann Angst machen, bringt aber auch eine große Freiheit mit sich.
Das Stück wird zwar als Dialog gespielt, ist aber eigentlich ein Monolog. Cocteau hat nur die Worte der Frau zu Papier gebracht, was ihr Geliebter antwortet, bleibt verborgen. Es gibt keine eindeutigen Vorgaben, somit liegt es an der Schauspielerin und dem Regisseur eine eigene Interpretation zu erarbeiten.

Jede und jeder von uns kennt Liebeskummer und das Ende einer Beziehung. Du wirst sicher auch Parallelen aus deinem Leben in der Rolle finden. Macht es das leichter, der Rolle gerecht zu werden?

Natürlich schöpft der Schauspieler aus seinen eigenen Erfahrungen. Der Reiz liegt allerdings darin, sich in eine Gefühlswelt zu schmeißen, die man so noch nicht selbst erlebt hat. Es geht ja auch immer darum zu erforschen.
Irgendwann löst sich die Figur von einem und erschafft ihre eigene Realität. Immer irgendwie ein bisschen magisch!

Regie führt Heiko Dietz, mit dem du schon oft zusammen gearbeitet hast. Konntest du auch eigene Vorstellungen einbringen?

Ich durfte ja bei Heiko Dietz lernen und habe schon einige Stücke mit ihm gemacht. Es ist immer eine kreative Zusammenarbeit, bei der jeder das einbringt, was einem wichtig ist und dem Stück dient. Er motiviert einfach unheimlich mit seinen Einfällen und am Ende steht da ein Stück, das seine Handschrift trägt und an das beide glauben.

Das Theater..und so fort ist bekannt für seine eher unkonventionellen Aufführungen. Wird es auch bei „Die menschliche Stimme“ Überraschungen für die Zuschauer_innen geben?

Diesmal geht es nicht um große Überraschungen. Es geht um Authentizität und eine eindringliche Geschichte. Daher ist die Inszenierung naturalistisch und sehr schlicht. Ein Bett, ein Stuhl, ein Telefon.

Wenn du jemanden in 2 Sätzen das Stück ans Herz legen willst, was würdest du sagen?

Wie die Frau schon selbst sagt: Früher traf man sich, konnte die Fassung verlieren, das Unmögliche wagen….

Jetzt mal konkret zu dir: Wie kamst du zum Schauspiel, wo hast du bereits mitgewirkt und was verbindet dich mit dem Theater…und so fort?

Ganz ehrlich, ich kann einfach nicht anders. Jeder Künstler hat ja sein eigenes Anliegen, möchte etwas sagen. Das Theater, mit all seinen Facetten bietet mir diese Möglichkeit. Dort heißt es nun sich ausprobieren, das Was und das Wie etwas gesagt wird. Mit dem Publikum gemeinsam leide ich, erlebe ich, um zu lernen und weiter zu kommen.
Und genau das passiert hier an diesem Theater.

Gerade letztes Jahr als wir „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“ und „Wir scheitern immer schöner“ auf die Bühne gebracht haben, hat man gemerkt: „Hier sind offensichtlich Begeisterte am Werk…“ (Süddeutsche Zeitung). Heiko Dietz leitet sein Theater mit Herzblut und bietet mit seiner Schule jungen Schauspielern einen Ort ihre Kreativität zu entdecken.

Und wie geht’s bei dir beruflich weiter? Stehen schon neue Projekte an?

Naja, ich fange gerade mit meinen ersten Sprecher-Jobs an und drehe Mitte März einen Kurzfilm an der Münchener HFF.
Mein nächstes Theaterstück wird wieder am theater…und so fort sein.

Ab dem 24.2. beginnen die Proben für „Bitte Zurückbleiben“, ein Stück aus der Feder von Heiko Dietz. Auch diesmal wird er wieder Regie führen und ich freue mich schon sehr darauf!
Premiere ist am 17.4.2013.
Momentan gibt es also viel zu tun!

Vielen Dank für das Interview!

Vielen Dank.

___
Sarah Dorsel: Homepage
Vorstellungen „Die menschliche Stimme“ am Theater…und so fort:
27.02.2013, Mi 20:00
28.02.2013, Do 20:00
01.03.2013, Fr 20:00
02.03.2013, Sa 20:00
06.03.2013, Mi 20:00
07.03.2013, Do 20:00
08.03.2013, Fr 20:00
09.03.2013, Sa 20:00

Bild: (c) mit freundlicher Genehmigung von Sarah Dorsel

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