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So billig provoziert die Junge Alternative München an der LMU

Benjamin Brown

Benjamin Brown

Und irgendwie lande ich dann doch immer wieder in München…
Big love für Politik, Musik und Reisen
Benjamin Brown

Seit dem Aufkommen der AfD wird über den Umgang der Medien mit der Partei diskutiert. Durch gezielte Tabubrüche provoziert die Partei, das Ziel ist dabei eindeutig: eine Reaktion hervorzurufen. Wer über die durchkalkulierten Aktionen berichtet, hilft der AfD somit die erhofften Antworten auf ihre perfide Strategie zu ernten und sie erneut in den Fokus der Berichterstattung zu rücken.

Und dennoch: Menschenverachtende Aussagen und Aktionen unkommentiert zu lassen, lässt sie Teil der Normalität werden. Es ist ein schmaler Grat zwischen notwendiger Berichterstattung und einem der-AfD-in-die-Hände-spielen.

Junge Alternative missbraucht Erbe der Weißen Rose

Eine Aktion, die keinesfalls umkommentiert bleiben darf, hat die Junge Alternative München in der Nacht von Montag auf Dienstag im Lichthof der LMU durchgeführt. Dort, wo vor 75 Jahren die Weiße Rose um die Geschwister Scholl und Professor Huber mit Flugblättern zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufrief, entschied sich die Junge Alternative dazu, zu provozieren.

So verteilte die Junge Alternative Flugblättern mit Zitaten Sophie Scholls, die die Widerstandskämpferin einst im Kampf gegen die Faschisten ausformulierte – in der Fassung der JA dienen diese dazu, ihren „patriotischen Widerstand“ gegen das „Unrecht – Regime“ (sic!) der Bundesrepublik zu legitimeren.


Wie paradox und widerlich es ist, wenn Rechte das Erbe der Weißen Rose benutzen, fasst Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung e.V., zusammen:

Die Werte der Weissen Rose dürfen nicht missbraucht werden!

Die Widerstandsgruppe Weisse Rose steht zeitübergreifend für Freiheit, Toleranz und Achtung der Menschenwürde. Wer aggressiv und ausgrenzend gegen Minderheiten und Andersdenkende vorgeht, kann sich nicht auf sie berufen. Er verstößt vielmehr gegen die ethischen Grundprinzipien, für die die Weisse Rose nach wie vor steht. Wir halten es daher für verwerflich, wenn einzelne Personen der Widerstandsgruppe aktuell aus höchst durchsichtigen parteipolitischen Werbezwecken als Gallionsfiguren missbraucht werden.

Die Widerstandsgruppe Weisse Rose hat 1942/43 in sechs Flugblättern an das Gewissen und die Verantwortung der deutschen Bevölkerung appelliert, für Freiheit und Frieden einzutreten. Damals wurden Millionen Menschen ausgegrenzt und ermordet, heute gilt es, eine liberale, offene Gesellschaft zu erhalten und unsere Demokratie zu sichern.

Die Weiße Rose Stiftung e.V. sieht es als ihre Aufgabe, über die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur das Bewusstsein für unsere Gegenwart zu schärfen und sich gegen eine Instrumentalisierung hochgeachteter Personen des Widerstands zu wenden. Der aktuelle Missbrauch durch Vertreter der AfD ist auf das Schärfste zu verurteilen.

Gez. Hildegard Kronawitter, Vorsitzende | Weiße Rose Stiftung e.V.

Vereinnahmung des Widerstands durch AfD, JA und Pegida

Die Weiße Rose wurde in den vergangenen Jahren wiederholt von der AfD und Pegida missbraucht. So waren Auszüge aus Flugblättern der Widerstandsgruppe auf Demonstrationen und einem AfD-Wahlplakat gezeigt worden – das Plakat mit einem Foto Sophie Scholls und dem Spruch „Sophie Scholl würde AfD wählen“ wurde im Anschluss aus urheberrechtlichen Gründen verboten.

Es ist zudem nicht das erste Mal, dass die Junge Alternative an der LMU für Ärger sorgt, eine Organisation, die mittlerweile Schießübungen abhält und sich in Bayern Wohnungsdurchsuchungen ausgesetzt sieht. 2016 folgte auf die Gründung der „Campus Alternative München“ ein interner Streit, in dem über die Rolle politischer Organisationen an der Universität diskutiert wurde – um die offizielle Akkreditierung der Campus Alternative durch den Konvent zu verhindern, entschloss sich die LMU dazu, Treffen sämtlicher Hochschulgruppen zu untersagen.


Beitragsbild: © Amrei-Marie (CC BY-SA 4.0)

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