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Sookee laut gegen Brauntöne

C.Käßner

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Wahlmünchnerin. Langschläferin. Feministin. Schreibt gern über kleine Projekte mit großem Potential.
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Die Münchner Kampagne Laut gegen Brauntöne geht weiter. Ein Interview mit der Rapperin Sookee.

In der Zeit von November bis Januar 2013 finden Laut-gegen-Brauntöne-Abende im Feierwerk e.V. statt. Ziel ist es, Spaß zu haben und miteinander zu diskutieren. Das Konzept der Veranstaltung besteht aus einer Mischung aus Musik und Podiumsdiskussion. Jeder Abend befasst sich dabei mit einem speziellen Bereich. Zum Auftakt am 17.11.2012 ging es um das Thema „Alltagsdiskriminierung“. Dafür reiste Rapperin Sookee aus Berlin an.

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Du warst im Rahmen der Kampagne „Laut gegen Brauntöne“ zum Thema Alltagsdiskriminierung am 17.11.2012 zu Gast im Münchner Feierwerk. Wie kam’s?
Ich habe shon einige Male mit den Organisator*innen der Veranstaltungsreihe gearbeitet. Der Vorteil bei mir ist, dass ich sowohl zum politishen Teil was beitragen als auch die Bühne bearbeiten kann.

Als Einleitung zur Podiumsdiskussion hast du einen Vortrag „Diskriminierung – Sookee versucht sich an Begriffen“ gehalten und dabei Begrifflichkeiten wie Rassismus, Antisemitismus Sexismus oder Lookism erklärt. Gibt es deiner Meinung nach in unser Gesellschaft eine Art Ranking?
Natürlich gibt es das Ranking offiziell nicht. Individuell oder Community-bezogen wird shon entlang der eigenen Betroffenheit priorisiert. Ich denke es gibt so etwas wie einen Fokus, in dem Sexismus und Rassismus etwa als Vorwurf am meisten gefürchtet sind und deswegen vermeintlich dagegen Stellung bezogen wird. Was unter den vershiedenen Begriffen verstanden wird und dass bestimmte andere Formen der Diskriminierung darunter geführt und nicht in der Differenzierung betrachtet werden, ist eine weitere Beobachtung. Landläufig ist für die eine shon Rassismus, was der andere noch über den ‚gesunden Menshenverstand‘ erklärt oder wo er politish instrumentalisierte pseudowissenshaftliche Erkenntnisse bemüht.

Manche Diskriminierungsformen werden noch immer gesellschaftlich akzeptiert oder gar gefördert, z.B. Sexismus durch Medien und Werbung. Was glaubst du, steckt dahinter?
Bei Diskriminierung geht es immer auch um Macht. Die Werbeindustrie arbeitet seit Jahrzehnten offen mit dem Leitmotiv ‚Sex Sells‘. Dass es sich aber eigentlich um ‚Sexism Sells‘ handelt, wird natürlich nicht konsequent eingestanden, sonst wäre der Deutshe Werberat eine größere HIlfe im Kampf gegen *istishe Strukturen. Warum Macht erkennen, in Frage stellen, dekonstruieren, wenn sie gute Euros in die Kassen spült. Um sich ernsthaft mit der Bekämpfung von Diskriminierungen jedweder Art zu befassen, braucht es eine kapitalismuskritishe Perspektive.

Wie kann mensch Diskriminierung entgegenwirken und wie kann mensch sich gegen Diskriminierung wehren?
Benennen, zum Thema machen, diskutieren. Nicht mittragen, shweigen, und damit untersützen. Sicherlich kann nicht immer jeder Form durchgängig konsequent begegnet werden, aber eine ehrliche und couragierte Haltung ist shon mal viel wert. Sich Gruppen anshließen, die zu diese Themen arbeiten, sich belesen und vor allem bewusst mit eigenen Privilegien und *istishen Tendenzen im eigenen Handeln umgehen.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion kamst du auf Kapitalismuskritik zu sprechen, was leider durch den Moderator abgeblockt wurde. Was hat Kapitalismus mit Diskriminierung zu tun?
Die Verunsichtbarung, Unterdrückung, Bevormundung, Diskriminierung von Personen und Personengruppen lässt Menshen, die davon nicht betroffen sind, vielfach profitieren – auch wirtshaftlich. Weswegen sonst, wiederholen (nicht nur prekarisiert lebende) Herkunftsdeutshe die Mär vom Ausländer, der ihnen die Arbeitsplätze wegnimmt. Eigentlich beshreiben sie nur den Konkurrenzdruck, der auf Arbeitsmärkten die Menshen gängelt. Wenn sie nicht arbeiten gehen (können/wollen), werden sie als ‚Sozialshmarotzer‘ stigmatisiert, die von ‚unseren‘ Steuergeldern leben. Dass zeigt ganz klar die Ideologie vom wertvollen, produktiven Menshen, der eben auch sein Gegenstück kennt.
Auch Menshen, die aufgrund fehlender Barrierefreiheit nicht jeden Job machen können/wollen, werden sehr stark entlang der kapitalistishen Verwertungslogik kategorisiert.

Du warst Schlussakt der Veranstaltung und hast eine Stunde lang die Halle zum Tanzen gebracht. So viele glückliche Menschen, die deine Texte auswendig konnten, mitsangen und feierten. Hast du das erwartet?
Ich bin in der glücklichen Lage Menshen einerseits in ihrer guten Zeit zu unterstützen und andererseits mich für kritishes Wissen auszusprechen. Wenn Leute das für sich vereinbaren können, ist das ein gutes Gefühl. Ich freue mich immer über jede Person, die mit Wohlwollen zum Konzert kommt und zu guter Stimmung beiträgt

Gab es einen ganz besonders schönen Moment für dich an diesem Abend?
In der Tat: Eine Person, die ich auch shon zuvor bei anderen Konzerten gesprochen hab, hat mir stellvertretend eine hölzerne, selbstgeshnitzte lila-shwarze Elster geshenkt, die auf mein Band-Projekt ‚Deine Elstern‘ anspielt. Der Sockel war über und über mit Zitaten aus Songs gestaltet und dann entpuppt sich dieses ohnehin atemberaubende Geshenk auch noch als gutgefüllte Sammeldose. Gerade jetzt kann ich diese Elster sehen, sie hat einen shönen Platz in meiner Wohnung.

Laut gegen Brauntöne geht ja noch weiter. Wie fandest du den Auftakt und möchtest du den Organistor_innen noch etwas mit auf den Weg geben?
Die große Shwierigkeit bei solchen Veranstaltungen ist es ja, diejenigen anzusprechen und zu interessieren, die noch nicht so sehr mit der Thematik vertraut sind und gleichzeitig die Leute am Ball zu behalten, die sich ohnehin shon viel mit dem Inhalt befassen. Ein shwieriges Unterfangen, das die Veranstalter*innen sicher weiterhin gut im Griff haben.

Sehen wir dich bald mal wieder in München?
Sicher, ich komme gerne rum, ihr müsst mir nur so besheid geben, dass es in meinen Tourplan passt.

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Laut gegen Brauntöne im Feierwerk e.V.
Hansastr. 39, 81373 München

kommende Veranstaltungen:
Samstag, 15.12.2012, Einlass 19.00 Uhr, Thema: Islamfeindlichkeit
Samstag, 19.01.2013, Einlass 19.00 Uhr, Thema: Jungpolitiker_innen gegen Rechtsextremismus und Rechtspolulismus

Mehr zu Sookee: Homepage, neustes Musikvideo

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