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Susanne Steinmassl: The Future Is Not Unwritten im Medienkunst-Atelier

HFF München

Susanne Steinmassl studiert an der HFF München Dokumentarfilm und am 30.11. feiert ihr Smart-Film The Future Is Not Unwritten Premiere.

Aber mal von Anfang an: Der Film handelt von einem weiblichen Avatar, einer künstlichen Intelligenz. In Steinmassls Film trifft Transhumanismus auf die Frage der menschlichen Existenz und des Seins der Zukunft. The Future Is Not Unwritten wird am Tag der Vernissage,  im Rahmen einer Videoinstallation, erstmals starten und ab dem Moment wird er unendlich laufen. Es ist ein lebendiges Kunstwerk, das sich parallel zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz weiterentwickelt und wächst.

Wir haben Susanne Steinmassl vorab 9+1 Fragen gestellt:

Wie kam dir die Idee zu diesem Projekt?

Ich bin vor drei Jahren auf einen Artikel über humanoide Roboter gestoßen und konnte ab dem Zeitpunkt nicht mehr aufhören, mich mit der Weiterentwicklung des Menschen auseinanderzusetzen. Ich habe angefangen mir alles hineinzuziehen, was es zu der Thematik zu finden gab und bin dann ziemlich schnell bei Künstlicher Intelligenz gelandet. Dieses Thema hat dann gleich noch mal eine ganz andere Dimension aufgemacht. Und in dieser bewege ich mich seither gedanklich und konkret in einigen Projekten.

 

Beschreibe TFINU in 3 Wörtern.

The Future Is Not Unwritten ist …
…unendlich lebendig, nie zweimal das Selbe, ein Beitrag zur nächsten Evolutionsstufe der Menschheit.

Wie sah deine Arbeit an diesem Projekt aus?

Aufgrund der Komplexität, sowohl auf technischer als auch auf inhaltlicher Ebene, war die Arbeit an dem Projekt sehr divers. Angefangen von der philosophischen Auseinandersetzung mit der Fragestellung „Was macht das Mensch-Sein aus?“, über White Paper lesen und Ted Talks schauen, bis hin zu Dreharbeiten, 3D-Scans erstellen und Telefonieren — die Liste der Aufgaben war unendlich … Es gibt kein Projekt, bei dem wir hätten abschauen können. Wir mussten Aufgaben formulieren, die absurd erschienen. Ein Punkt auf der To-Do Liste war schließlich „Unendlichkeit generieren“.

Welche Rolle spielt das Goethe-Institut Tokyo? Hängt das irgendwie mit der Themenwahl von TFINU zusammen?

Das Stipendium wird von der KIRCH Stiftung und Regina Hesselberger jährlich an HFF-Studierende vergeben. Da mein Projekt nun sehr umfangreich war und viele Personen daran mitgearbeitet haben, habe ich mich um zusätzliche Unterstützung bemüht. Auf meiner Recherchereise zu der Thematik im Sommer 2016 hatte ich bereits Kontakt mit dem Goethe-Institut Tokyo. Sie hatten glücklicherweise Interesse an dem Projekt. Zudem sind wir eingeladen, The Future Is Not Unwritten im Februar 2018 in Tokyo auszustellen.Das Projekt wird außerdem vom Kulturreferat München unterstützt. Und ja, es war für mich unabdingbar nach Japan zu reisen, da es in der japanischen Kultur einen ganz anderen Zugang zu der Thematik gibt. Die Reise ins Silicon Valley steht noch aus.

Wie hast du dich auf das Thema Künstliche Intelligenz und Transhumanismus vorbereitet?
Ich habe mir so ziemlich alles durchgelesen und angeschaut, was ich so finden konnte. Ted Talks, White Paper, Zeitungsartikel, Blogs, Foren, Bücher. Wir sind in die Gedankenwelten von Ray Kurzweil, Naomi Klein, Ayn Rand, Nick Boström, Tesla, Masahiro Mori u.v.m. eingetaucht. Zudem habe ich mich auf Seiten von militärischen Einrichtungen aufgehalten und habe etliche Gespräche mit Expert*innen und Laien geführt. Die Liste an Referenzen ist unendlich.

Ein Avatar ist nichts Greifbares, wie zum Beispiel ein Roboter.  Wieso also fiel die Wahl ausgerechnet auf einen Avatar?

So größenwahnsinnig, einen humanoiden Roboter zu bauen, war ich dann zum Glück doch nicht.

Glaubst du an eine Zukunft mit künstlicher Intelligenz?

Oh ja. Und das hat auch inzwischen nichts mehr mit Glauben zu tun, Künstliche Intelligenz ist nicht mehr wegzudenken. Sie wird vermehrt Platz in unserem Leben einnehmen, ob man will oder nicht. Ich sehe auch sehr viel positives Potential in Künstlicher Intelligenz – die Gefahren liegen natürlich auf der Hand.

Deinen Film „Sometimes Things End Just To Start At The Beginning“ nanntest du einen „Mindfuck Movie“ –Wie würdest du TFINU betiteln?

The Future Is Not Unwritten ist ein unendlicher, generativer Smart-Film.

Zu guter Letzt: Dein Place-to-be in München, um Filme zu schauen?

Das Werkstatt-Kino ist toll! Dort findet man neue, sehr besondere Filme, die es nicht ins Mainstream-Kino schaffen: Nischen-Filme und auch Klassiker. Dieses Jahr lief z.B. auch »La Boum«, den musste ich mir einfach wieder anschauen. Haha.

Wenn ihr neugierig geworden seid, was Susanne Steinmassl mit The Future Is Unwritten auf die Beine gestellt hat, könnt ihr kostenfrei:

Am 30.11. die Premiere besuchen. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr.
Vom 01.12. – 03.12. die Ausstellung ab 18 Uhr besuchen.
Im Medienkunst-Atelier in der Bavariastraße 6a | 80336 München.

Mit musikalischer Unterstützung der Dj’s:
Donnerstag: BUSON, Freitag: ANGELA AUX, Samstag: DJ ACID MARIA & SAM IRL

Weitere Mitarbeiter dieses Projekts, denen ein besonderer Dank der Künstlerin gilt:

Maximilian Heitsch (Head of Code, Moby Digg), Florian Kreier (Autor und Musiker), Phyllis Josefine (3D-Künstlerin), Eva Neidlinger (Research), Johannes Oberauer (Musiker), Raphael Höps (Computer Linguist), Mira Mann (Autorin), Matthias Kestel (Ausstellungsdesign), Berny Hunt (er kann alles), Claudia Irro (Kostümbildnerin), Ben Bernhard (Kameramann, DFFB).


Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erscheint im tagebook, einer Kategorie, die unsere Partner nutzen können, um neue Ideen und Inspirationen in Blog-Beiträgen vorzustellen.


Beitragsbild: © Susanne Steinmassl
Bilder: © Sophie Wanniger, The Future Is Not Unwritten, Susanne Steinmassl, DEU / JPN 2017

1Comment
  • Bernhard Straßer
    Posted at 14:12h, 21 Dezember

    Was für ein spannendes Projekt! Viel Erfolg – ich hoffe, man kann den Film auch zu Hause in der Provinz mal zu Gesicht bekommen!

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