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Umkämpftes Grün: Flächennutzung zwischen wachsender und essbarer Stadt

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BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung: Politische Bildung für München, Oberbayern und Schwaben.
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Wie grün soll unsere Stadt sein – und vor allem auch: wie soll dieses Grün aussehen? Ist es Stadtpark oder Stadtwald, Gemeinschafts- und Schrebergarten oder auch Landwirtschaft (insbesondere am Stadtrand, natürlich)? Und noch konkreter: wie müssen urbane Gärten aussehen, um Stadtbewohner_innen aus verschiedensten sozialen Milieus eine bessere Teilhabe am städtischen Leben und einen gerechten Zugang zur Natur und guter Ernährung zu bieten. 

Darum drehte sich die Diskussion am vergangenen Dienstag im BayernForum der Friedrich Ebert Stiftung (FES) in München. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „WohnUtopia“ diskutierten der Wiener Politikwissenschaftler und Ökologe Andrea*s Exner und Gundrun Walesch von der Anstiftung e.V., moderiert hat mit Manuela Barth von der Stiftungsinitiative Urbane Gärten München eine ausgewiesene Expertin.

Andrea*s Exner, Gudrun Walesch und Manuela Barth im BayernForum

Andrea*s Exner, Gudrun Walesch und Manuela Barth diskutieren im BayernForum über Urban Gardening.

Grünes Wien

Zunächst hat Andrea*s Exner die Situation in Wien erläutert (seine Präsentation ist zur detaillierten Nachlese hier hinterlegt): Dort sind die Gemeinschaftsgärten von der Stadt bezuschusst und politisch explizit gewollt. In einer grundsätzlichen Tendenz stehen sich zwei Arten von Gärten gegenüber, nämlich einerseits Graswurzel-Gärten, die eher komplex strukturiert und informell organisiert sind, und andererseits kommunale Gärten, die stärker formalisiert und einfacher strukturiert sind.

 

Exner stellt außerdem seit den Neunziger Jahren eine zunehmende Tendenz zur Privatisierung von öffentlichen Gärten fest, was unbedingt kritisch zu betrachten sei.

In seinen Studien zu Wiener Gemeinschaftsgärten hat Exner festgestellt, dass medial tendenziell die Gemeinschaftsgärten sehr positiv wahrgenommen werden, aber von einer städtischen Elite dominiert sind, die sich „urbane Wohnzimmer“ schafft und den Stadtentwicklungs-Diskurs prägt. Dem gegenüber haben Kleingärten trotz ihrer eher inklusiven Charakteristik eher ein negatives Image.

Ein Gegenbild zur Autostadt

Grundsätzlich hält Exner fest, dass Gärten generell ein wichtiges symbolisches Gegenbild zur autodominierten Stadt darstellen. Zwar spielen Gärten in der Stadt eine sehr kleine Rolle wenn es um das Thema Ernährungssouveränität geht, umso wichtiger sind sie pädagogisch.

Nach politischen Forderungen gefragt, stellt Exner insbesondere die Sicherung von landwirtschaftlichen Flächen, die Re-Kommunalisierung von Kleingärten, respektive den Erhalt ihres öffentlichen Charakters, und das Ersetzen von Autoflächen durch inklusiv bespielten Grünraum ins Zentrum.

Stadtentwicklung als Kontext / © Andrea*s Exner

In der anschließenden Diskussion wies Gudrun Walesch von der Münchner Anstiftung darauf hin, dass die Szene der Gemeinschaftsgärten in Deutschland sehr divers sei und betonte die vielen unterschiedlichen Charakteristika. Ein wichtiges Anliegen für Walesch ist, dass die Betreiber der Gärten den interessierten Menschen erklären, was da in ihrem Garten passiert, sei es nur durch eine einfache Beschilderung am Eingang, wo das wichtigste zu lesen ist. Denn es könne sein, dass Gemeinschaftsgärten wie eine abgeschlossene Gruppe wirken – umso wichtiger sei es, offen zu bleiben und sich auch selbst zu reflektieren.

Kann sich eine Wachstumsstadt wie München solche Gärten leisten?

„Unbedingt!“, sagt Gudrun Walesch auf diese bewusst provokativ gestellte Frage aus dem Publikum, denn diese seien wichtig bei wachsenden Städten, wo viel versiegelt wird, damit die Stadt lebenswert bleibe. Gartenprojekte seien in München leider nicht Teil der Stadtplanung, Grünflächen an sich aber schon.

Auf die Frage aus dem Publikum – die Anwesenheit vieler gärtnerisch aktiver Menschen war allein durch die vielen Expertenfragen augenfällig – wie man urbane Gärten als etwas wichtiges im Stadtbild tiefer verankern und in den Köpfen der Bevölkerung und der Politik noch prominenter platzieren könne, verwies Walesch zum einen auf ganz simple Möglichkeiten: Zum Beispiel das Aufhängen des Urban Gardening Manifests oder auch klassische Lobbyarbeit, also lokale Politiker auf die Themen anzusprechen.

Ein etwas größeres Ziel ist für Walesch, dass die Gärten als eigene Freiraum-Kategorie in der Stadtplanung verankert würden, was eine dringend benötigte Rechtssicherheit bedeuten würde.

Für Andrea*s Exner stehen als größere politische Ziele die Stadt der kurzen Wege (also möglichst geringe Distanzen zwischen Wohnen, Arbeit, Versorgung, Dienstleistungen, etc.) und auch die Verbannung des Autoverkehrs aus der Stadt im Zentrum.


In aller Kürze:

Die Friedrich Ebert Stiftung fungiert als politische Bildungsplattform, die Gespräche, Austausch und gesellschaftliche und politische Teilhabe der BürgerInnen fördern möchte, und diese dazu auffordert, ihre Möglichkeiten zu nutzen und für sich aufzustehen. Im Zuge des Projektes WOHN|UTOPIA beschäftigt sie sich den ganzen Juli mit dem Großthema Wohnen und München, und wie  dies in der Zukunft aussehen könnte.

Weitere Veranstaltungen aus der Reihe:

Mehrwert durch teilen? Das Dorf in der Stadt
Montag, 23.07.18
BayernForum

Gemeinsam bauen in München: Das Wagnis4 – Projekt
Freitag, 27.07.18
Petra-Kelly-Str. 29

Mehr Informationen gibt es hier.


Foto: © BayernForum

Text: Jan Krattiger

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