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Wenn das Warten auf ein Studentenwohnheimzimmer länger dauert als das komplette Studium: Welcome to Munich

Backpacken in Skandinavien, Trampen durch den Vietnam oder eine Wanderung im Amazonas – das ständige Umziehen von einem Hostel in das Nächste gehört für die meisten Studenten, die ihre Semesterferien auf Reisen in vollen Zügen ausnutzen, einfach dazu.

Doch plötzlich naht der Oktober und somit auch der Unistart. Ob in einer neuen Stadt oder in der altbewährten Heimat – oft steht man nach den Semesterferien vor der Qual der Wohnungssuche.

Ein paar Wochen vor Unistart wird der Alptraum zur Realität: Es lässt sich einfach keine geeignete Bleibe finden. Das von Zimmer zu Zimmer ziehen, das in den Semesterferien noch Teil eines tiefenentspannten Gefühls des Freiseins war, ist auf einmal im Unialltag nicht mehr so entspannend. Und schon gar nicht im herbstlichen, verregneten Deutschland.

München platzt aus allen Nähten – über 10.000 Studenten auf Wohnungssuche

Gerade in München ist der Wohnungsmarkt vollkommen überlastet. Die jedes Jahr steigende Anzahl an Studenten trägt nicht zu einer Entspannung der Wohnungssituation bei. Die Einzimmerwohnung ist meist zu teuer, WGs können sich vor lauter Anfragen nicht mehr retten und die Studentenwohnheime sind bis ins letzte Zimmer belegt.

Und was nun?

Das Studentenwohnheim als günstige Bleibe?

Das Studentenwerk stellt aktuell in und um München rund 11.000 Wohnplätze zur Verfügung. Allein für München stehen allerdings gerade 9.415 Menschen auf der Warteliste. Hinzu kommen noch 646 für die Wohnanlagen in Freising und 149 Studenten für die Wohnanlagen in Rosenheim. Gesamt haben mehr als 10.000 Studenten aktuell noch keinen Wohnplatz bei einem Studentenwohnheim erhalten.

Die hohen Zahlen führen dazu, dass Unianfänger zwischen einem und vier Semester warten müssen, um einen Platz zu bekommen. Dabei ist das eine Semester Wartezeit eher die Ausnahme als die Regel.

Immerhin: Die Mieten der Studentenwohnheime des Studentenwerks sind vergleichsweise günstig – betrachtet man zumindest die sonstigen Mieten in München. Die Durchschnittsmiete für ein Zimmer beträgt 284,90 Euro. Die Preise richten sich dabei nach Lage und Art der Unterkunft.

Letzte Rettung Notunterkunft?

Doch was ist die Lösung des Wohnungsproblems für Studenten in München? Diese Frage beschäftigt auch das Studentenwerk, die Stadt München oder das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultur. Um gegen den immensen Mangel an Wohnraum in München anzukämpfen, versuchen diese Initiatoren neue Wohnplätze durch eine Nachverdichtung, Privatzimmervermietung oder als letzte Möglichkeit durch Notunterkünfte zu schaffen.

Beispielsweise werden in der Wohnanlage Chiemgaustraße 380 zusätzliche Plätze entstehen. Auch in der Wohnanlage Schwere-Reiter-Straße soll durch ein zusätzliches Gebäude nachverdichtet werden.

Zum Wintersemester 2017/18 werden vom Studentenwerk ab dem 5. Oktober bis Ende November in München Notunterkünfte für 34 Studenten zur Verfügung gestellt. Die Vergabe erfolgte nach dem Prinzip „first come first serve“.

Ist das wirklich alles?

Klar, Nachverdichten oder der Neubau von Studentenwohnheimen ist eine effektive Lösungsmöglichkeit. Doch das wird noch lange nicht reichen. Auch die Notunterkünfte sind eine Übergangslösung, welche die Wohnungsnot nicht langfristig bekämpft. Momentan stehen fast so viele Studenten auf den Wartelisten, wie es im Gesamten Wohnplätze gibt.

Die Anzahl Studenten wächst jährlich. Dies ist nur logisch, denkt man an Schlagwörter wie Fachkräftemangel, Anerkennungsverlust von Haupt- und Mittelschulen oder die Abwertung von Ausbildungen. Das Studium ist quasi ein Muss, möchte man seinen Traumjob bekommen. Die wachsende Studentenanzahl ist also ein Phänomen unserer Zeit und die Städte sollten auf dieses Phänomen endlich angemessen reagieren.

Und wie? Indem sie mehr Wohnraum für Studenten zur Verfügung stellen – und damit meinen wir nicht die wenigen Notunterkünfte oder Luxus-Studententwohnheime, für die man reiche Eltern braucht!


Foto: © Wikimedia

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Das Heft über „Wohnen trotz München“

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