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Wird München doch noch zur Radlhauptstadt?

Sandra Langmann

Auslandsösterreicherin mit einer Vorliebe für München, Schreiben, Kaffee und Me(eh)r.
Sandra Langmann

Zumindest, wenn es nach dem Bündnis Radentscheid München geht – und am 18. Dezember soll es nun im Münchner Rathaus konkret werden. OB Dieter Reiter, die Initiatoren des Bürgerbegehrens Radentscheid und Verkehrsplaner wollen dann dem Stadtrat über die kommenden Monate insgesamt über 40 einzelne Maßnahmen vorschlagen, wie die beiden Bürgerbegehren zur „Radlstadt“ umgesetzt werden sollen.

Kann das was werden?

Radentscheid München

Ob München wirklich noch zur Radlhauptstadt werden kann, wird sich zeigen. Dass das in München gewollt ist, beweisen die beiden Bürgerbegehren „Radentscheid“ und „Altstadt-Radlring“ vom Frühjahr: Insgesamt 160.000 Münchner*innen haben unterschrieben und fordern somit ein besseres Radwegnetz. So wie es aussieht, kommt jetzt Bewegung rein.

Am 20. November traf Oberbürgermeister Dieter Reiter auf die Initiatoren des Bündnis Radentscheid München (bestehend aus dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), Bündnis 90/Die Grünen, GreenCity, Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), Bund Naturschutz, Die Linke und viele anderen Organisationen).
Damit wurde der erste Schritt zur Zusammenarbeit getan. Allen Beteiligten gehe es darum, das Radwegenetz so schnell und effektiv wie möglich auszubauen, heißt es aus dem Münchner Rathaus.

Es gibt viel zu tun

Die Umsetzung des Radentscheids nimmt also Formen an. Das heißt, dass 450 Kilometer an Straßen im Münchner Stadtgebiet umgestaltet werden müssen, erklärt Andreas Groh, 1. Vorsitzender des ADFC. Dazu kommen noch weitere Radwege außerhalb des Stadtgebiets. Detailfragen wie Breite, Umbau, Erneuerungen und Verlängerungen der Radwege müssen allerdings erst geklärt werden.

1,6 Milliarden Euro will die Stadt dafür in die Hand nehmen um das Ziel, die Lücken im Radverkehrsnetz bis 2025 zu schließen, erreichen zu können. Bei einer Gesamtlänge von 450 Kilometer wären das etwa dreieinhalb Millionen Euro je Straßenkilometer.
Denn geplant ist, dass fünf Jahre lang jedes Quartal zehn konkrete Maßnahmen vom Stadtrat beschlossen werden, über die es im Vorfeld intensive Dialoge geben wird, so Groh. Um die Übersicht zu behalten und Interessierte zu informieren, möchte OB Reiter für jede Maßnahme einen Steckbrief zur Einsicht anfertigen lassen.

Ganz oben auf der Liste steht aber vor allem die Sicherheit der Radfahrer*innen. Es braucht übersichtliche und baulich umgestaltete Kreuzungen und Einmündungen. Es bedarf mehrerer Radl-Parkplätze sowie Abstellanlagen – heißt es in den Forderungen der Bürgerbegehen.

Radln in und um die Altstadt

Höchste Priorität hat der Altstadt-Radlring. Denn in der Innenstadt soll das Radlfahren nicht nur schneller, sondern auch attraktiver werden. Vom Bürgerbegehren wird gefordert, dass es einen Altstadt-Radlring mit 2,30 Meter Mindest- und 2,80 Meter Regelbreite pro Richtung geben soll. Dazu gehören auch seitliche Sicherheitsabstände.

Laut ADFC sei der Altstadt-Radlring machbar

Mehr Platz für Radler solle es auch auf der Lindwurmstraße geben, sagt Groh. Geplant ist bereits, zwischen dem Sendlinger Kirchplatz und der Aberlestraße den Radweg auf die Lindwurmstraße zu verlegen. Nun muss man aber dahinter sein, technische Details wie die Breite des Fahrradstreifens festzulegen und die Pläne umzusetzen. Ein weiteres wichtiges Projekt ist auch die Elisenstraße, auf der ein Radweg entstehen soll.

Maßnahmen und Forderungen

Bereits im Mai 2019 wurde der Radschnellweg nach Garching beschlossen. Der führt vom Hauptbahnhof über den Stachus, die Ludwigstraße und über Teile des geplanten Altstadt-Radlrings. Da der Radschnellweg eine Breite von 3 Metern vorsieht, ist er etwas breiter als der Radlring. „Es muss dann im Vorhinein geklärt werden, ob dann gleich alle Wege drei Meter breit werden“, so Groh. Es geht also auch um Detailfragen, die in den zehn Maßnahmen pro Quartal erfasst werden.

Das erste Paket umfasst Straßen, an denen es bisher noch gar keine oder nur sehr schmale Radstreifen gibt:
Schwanthalerstraße zwischen Paul-Heyse- und Sonnenstraße, die Brienner Straße zwischen Richard-Wagner-Straße und Karolinenplatz, die Elisenstraße, die Pfeuferstraße zwischen Lindwurmstraße und Herzog-Ernst-Platz, die Ridlerstraße, die Domagkstraße, die St.-Magnus-Straße zwischen Grünwalder- und Naupliastraße, die Boschetsrieder Straße zwischen Aidenbach- und Plinganserstraße, die Reichenbachbrücke sowie die Lindwurmstraße.

Zum Leid der Autofahrer werden dafür zahlreiche Parkplätze und Stellplätze wegfallen. Etwa auf der Boschetsrieder Straße könnten es 145, auf der Ridlerstraßesogar 245 sein.

radentscheid-muenchen

Brennpunkt Fraunhoferstraße

Dass es der Stadt München ernst ist, zeigt auch der Fahrradstreifen auf der Fraunhoferstraße. Rot markiert und zwei Meter breit, bietet er seit August 2019 Platz für den Radverkehr. Zahlreiche Autostellplätze mussten weichen – was der CSU so gar nicht gefällt.. Ob der Streifen über die Blumenstraße, entlang der Hauptfeuerwache bis zur Sendlinger Straße erweitert wird, ist noch offen. Der Antrag steht und das Projekt ist nach Andreas Groh eine weitere wichtiger Punkt auf der Liste.

Kommenden Mittwoch soll das Massnahmenpaket dem Stadtrat präsentiert werden. Eigentlich hätte das schon am 4. Dezember stattfinden sollen – da die Beschlussvorlage aber durch alle Referate muss und die letzte Versammlung erst am 20. November stattfand, hat sie es nicht rechtzeitig in den Druck geschafft. Daher wurde sie laut Groh auf den 18. Dezember verschoben – ein ganz normaler Prozess also. Der Sprecher des ADFC gibt sich optimistisch: Da mit den Fraktionen der Linken und Grünen bereits gesprochen wurde, sehe er keine Schwierigkeiten darin, warum der Stadtrat die Forderungen ablehnen sollte.

Du willst die Debatte hautnah miterleben? Das kannst du auch bequem von zuhause, die Vollversammlung aus dem Rathaus am 18. Dezember wird im Livestream übertragen.


Fotos: Agastya Alfath, CC BY 2.0 ; Unsplash/Hector Martinez; Infografik: ADFC; Tobias Haase

2 Comments
  • Giulia Jobst
    Posted at 11:39h, 04 Dezember

    Hallo, kann man bei der live Übertragung auch Meinungen live mit kommentieren? Oder in welchem Format findet dies statt? 🙂 lg, Giulia

  • Jan Krattiger
    Jan Krattiger
    Posted at 11:42h, 04 Dezember

    Hallo Giulia,

    das geht leider nicht, man kann einfach live zuschauen auf dieser Webseite: https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtpolitik/Der-Muenchner-Stadtrat/Der-Muenchner-Stadtrat-live.html. Aber wenn das Kommentieren ein Bedürfnis unserer Leser*innen sein sollte, könnten wir uns überlegen eine solche Funktion bei uns auf Mucbook aufzuschalten.

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