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Neu in München: Was du als ‚Zuagroaster‘ falsch machen kannst

Helene Köck

Helene Köck

Liebt die beschauliche Münchner Großstadt und ihr Leitungswasser. Geht gern in den Bergen wandern und in Seen baden. Sie steht im Zwiespalt zwischen unbändiger Reiselust und großer Sorge ums Klima.
Helene Köck

Bist du frisch in München und du erlebst und hörst Dinge, die dir suspekt erscheinen? Oder wirst du im Alltag manchmal schief angeschaut und hast das Gefühl, in ein Fettnäpfchen getreten zu sein? Wir Münchner haben ein paar Eigenheiten und beharren auf unseren Bräuchen. Es gibt Dinge, die tut man hier einfach nicht. Eine Auswahl – mit Augenzwinkern zu genießen:

Du willst ein Bier? Schwierig.
Das große Thema Bierkultur: Egal wo, in München bestellt man kein Bier, sondern ein Helles oder eine Hoibe – also einen halben Liter. Wenn es ein ganzer Liter sein soll, dann bitte eine Masss bestellen, keine Maaaass.
Bier-Klassiker bleibt nach wie vor der August, denn Augustiner ist die letzte unabhängige Oktoberfest-Brauerei und der sind wir treu. Außerdem schmeckt das Bier! Übrigens: Nicht die Stirn runzeln, wenn jemand vormittags mit einem Bier in der U-Bahn sitzt – das ist hier normal. Und nachmittags mit Kaffee an die Isar? Eher nicht.

U-Bahn-Störungen führen zu Alltagsstörungen
ubahn_leerFang gar nicht erst an, dich an U- und S-Bahnen gewöhnen zu wollen, denn die gefühlte Wahrheit ist die:
Von Betriebsstörungen, Oberleitungsstörungen und anderen Störungen wird meistens dein Alltag gestört.

Lieber gleich aufs Radl schwingen und so die Stadt kennenlernen! Denn mit dem Fahrrad ist man in München quasi überall in höchstens einer halben Stunde.
Wenn du doch mal in einer alten U-Bahn sitzt: Mach dir keinen Kopf, wenn du die Lautsprecherdurchsagen nicht verstehst. Das U-Bahnfahrer-Münchnerisch (=ein bisschen Dialekt ganz ganz intensiv genuschelt) hat seine ganz eigene Phonetik …

 

In den Glockenbach ziehen und nachts seine Ruhe haben wollen – Sei stad!
Wenn du das Glück hast, an eine Wohnung im Glockenbachviertel zu kommen, mach dich auf Leben, Party und Lautstärke gefasst! Hier wohnt man nicht, um ruhige Nächte zu genießen und man beschwert sich erst recht nicht so lange, bis gewisse Traditionslokale dann nur noch bis zum frühen Abend öffnen dürfen. Nein, das macht man nicht.

 

21807904094_a5a9a4a6e6_oPlastikdirndl? Läuft! Nicht.
Die fantastische Welt der hässlichen Tracht ist den Touristen vorbehalten. Stattdessen lieber unter’m Jahr was Anständiges kaufen. Da hat man viel länger Freude dran und kann auch bei anderen Traditionsfesten stilecht unterwegs sein – zum Beispiel beim Kocherlball, früh morgens im Juli.

 

Den Mietpreis mit dem im Heimatort vergleichen
Gegen Gentrifizierung und Münchner Mietpreiswahnsinn sollte man auf jeden Fall auf die Barrikaden gehen! Aber ständig in seinem 10 qm-WG-Zimmer daran denken, dass man in seiner Heimatstand für den gleichen Preis eine 3-geschossige Wohnung mit mindestens 2 Schlafzimmern und Dachterrassse ohne WG-Genossen bewohnen könnte, bringt nix. Lieber das minimalistische Leben loben – immerhin kommt man nicht in die Versuchung, allzu viel Kruscht anzuhäufen.

 

Vier Brötchen, bitte!
Pass auf, dass du dein neues Gspusi nicht vergraulst, indem du vorschlägst, fürs romantische Frühstück Brötchen zu holen – die heißen hier SEMMELN! Apropos Frühstück: Wir lieben Weißwurst-Frühstück! Und dabei kann man auch so Einiges falsch machen:

 

 

Die Öhlschläger-Zwillingen ablichten
Die Öhlschläger Brüder laufen, egal zu welcher Jahreszeit, in farblich abgestimmten Hotpants herum und streiten sich in 90% der Fälle. Besser nicht ansprechen oder auffällig Fotos machen. Einfach nur staunen und schmunzeln.

 

Über den FC Bayern schimpfen
Stimmt schon, der FC Bayern München ist ein schillernder Verein, dessen ständiger Erfolg niemanden mehr überrascht. Bei dieser Fußball-Schickeria können Nicht-Bayern-Fans schon mal die Nerven verlieren. Aber hey – in München gibt es ja auch noch die leidenschaftlichen Löwen. Und beim TSV 1860 vs. FC Bayern-Amateurderby im Grünwalder Stadion kann man den Konflikt auf Augenhöhe austragen. Bald wirst auch du grölen: Einmal Löwe, immer Löwe, hey, hey, hey!

 

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Karlsplatz? Sagt mir nichts.
Der Platz mit dem berühmten Brunnen hieß früher Neuhauser-Tor-Platz. Gegenüber gab es ein Gasthaus, dessen Wirt seit 1728 ein gewisser Mathias Eustachius Föderl war. Nach ihm wurde das Wirtshaus Stachus-Garten oder Stachus genannt. Das muss sich dann irgendwie auf den Platz übertragen haben. Auch dass der bayrische Kurfürst Karl Theodor 1797 den Neuhauser-Tor-Platz in Karlsplatz umbenannt hat, ändert die Sache nicht – dieser Kurfürst war bei den Münchnern ziemlich unbeliebt, deswegen nennen wir den Platz bis heute Stachus.

 

Der Evergreen: So not #Berlin.
Obacht, Freunde. Der Münchner mag seine Stadt und vom Städtebashing hält er nichts. München hat seine Nachteile wie jede Stadt und wenn wir jetzt anfangen würden, diese den Vorteilen Berlins gegenüberzustellen, dann sitzen wir heute Nacht noch im Büro. Und was ist eigentlich mit Hamburg, Köln, Frankfurt? Schon mal dort gewesen? Ziemlich anders als hier, um ehrlich zu sein. Finden wir top, so, wie sie sind!

 


Fotocredits: Header: Deniz Ispaylar, (2) Marckapunkt via Instagram, (3) Paula Satijn (flickr) via CC2.0-Lizenz , (4) mhofman2703 (flickr) via CC2.0-Lizenz

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