Im März 2020 spielt die Band DIIV um Zachary Cole Smith im Strom Club in München
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Endlich clean: DIIV bringen Shoegaze ins Strom am 11.03.

Früher sah er aus wie Kurt Cobain, heute erinnert er eher an einen erwachsenen Pinocchio – die Holzpuppe, deren Nase beim Lügen unweigerlich wächst. Mit der Wahrheit nahm es Zachary Cole Smith von DIIV in der Vergangenheit aber nicht immer so genau: Das Überwinden seiner Heroin-Sucht wurde einst auf „Is The Is Are“ (2016) umfangreich dokumentiert. Überwunden war damals aber noch gar nichts: „Die Songs waren nicht wirklich aufrichtig. Manches stimmte schon – die dunklen Aspekte. Aber das mit der Heilung war kompletter Mist.“, sagt Sänger Cole Smith heute dazu.

Nach einem halbjährigen Rehab-Aufenthalt 2017 gilt er nun als wirklich clean, gibt sich auch optisch geläutert. Fast suchen muss man ihn nun auf Bandfotos, so normal sieht der ehemals Wasserstoff-blonde Wuschelkopf inzwischen aus, wenn er sich mit kurz geschorenen schwarzen Haaren und Steve Jobs-Memorial-Brille deutlich unauffälliger in seine Band einreiht.

DIIV München – Im März kommen die Shoegaze-Helden aus Los Angeles nach München – hier zu sehen auf einem Bandfoto vor einer Hügellandschaft in der Natur

Shoegaze, Dream-Pop und Krautrock: Die DIIV-Formel

Man mag hoffen, dass es diesmal nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt. Der Album-Nachfolger „Deceiver“ ist nämlich ein kleines Highlight im sonst eher schwachen Indie-Jahr 2019. Geerdeter, fokussierter und an vielen Stellen auch einfach musikalisch härter klingt das dritte Werk der in Los Angeles lebenden Musiker. Der für die Band so typische, verhallte und fluffige Sound weicht an mancher Stelle mehr Druck und Volumen. Dass Gitarrist Cole Smith früher oft Melodienläufe richtigen Akkorden vorzog, wird nun durch schwere Riffs konterkariert und ergänzt – ohne auf die alten Tugenden ganz zu verzichten. Entwicklung nennt man das wohl. Oder wie es ein YouTube-User formuliert: „I guess DIIV uses chords now, not bad, not bad.“

Von DIY-Spirit zu Teamwork

Nicht von ungefähr erinnert dieser Sound-Mix aus voluminösen Gitarrenwänden und leichten Melodien an die alten Shoegaze-Heroen „My Bloody Valentine“. Schließlich holte sich DIIV für „Deceiver“ erstmals einen externen Produzenten: Deren verdienten Produzenten Sonny Diperri (u.a auch Produzent von Nine Inch Nails). Auf den ersten beiden DIIV-Alben wurde vom Artwork bis zur Produktion eigentlich noch fast alles in Eigenregie durch Bandleader Cole Smith ersonnen und umgesetzt. Die Intimität dieses DIY-Ansatzes weicht nun einer reflektierteren und gegengeprüften Außenansicht und einem richtigen Bandgefüge. So sind auch die Lyrics weniger Ego-zentriert, sondern greifen mitunter aktuelle gesellschaftliche Themen auf. Wenn zum Beispiel in der Vorab-Single „Blankenship“ gesungen wird: „Armageddon is a product, and one we choose to buy (…) With paradise on fire, Children lead the cry, you sold them all away“.

Machen die Ex-Drogis jetzt also einen auf Klimaschutz? Leicht ironisch, aber eine Entgiftung täte ja auch unserem Planeten ganz gut…


In aller Kürze:

Was? DIIV – Deceiver Tour 2020

Wann? 11.03.2019

Wo? Strom Club – Lindwurmstraße 88, 80337 München

Tickets? ab 25,60 EUR im VVK


Photocredits – Beitragsfoto: Levi Manchak on flickr via CC BY 2.0; Foto (1): © Coley Brown

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