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Zwischennutzung im Heizkraftwerk: Das sagt der Bezirksausschuss-Chef

Letzte Woche berichteten wir über den Vorstoß von Bahnwärter Thiel-Chef Daniel Hahn zur eventuellen Neunutzung des höchsten Turms am Heizkraftwerk Süd in Sendling. Ein Museum, eine Aussichtsplattform und ein Café hätte er dort am Schornstein oben in luftiger Höhe gerne installiert. Von seinem momentanen Büro aus kann er aus dem Fenster auf den 176 Meter hohen Turm schauen – immerhin der zweitgrößte Turm in ganz München nach dem Olympiaturm.

Die Stadtwerke dagegen wollen den Turm wie geplant abreißen, da das ganze Gelände zu einer umweltfreundlichen Geothermie-Anlage umgebaut wird in naher Zukunft. Diese Anlage soll einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Münchner Fernwärme bis 2040 zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen zu speisen, laut SWM. Für Experimente sei da kein Platz, so in etwa die Argumentation… also besser gar nicht erst anfangen mit Machbarkeitsstudien, Kosten-Gutachten oder Ähnlichem. Grundsätzlich ist die Sache rechtlich eindeutig: die Stadtwerke haben als Eigentümer natürlich die Hoheit über derlei Entscheidungen.

Vor der pauschalen Absage der Stadtwerke hatte Daniel Hahn letzte Woche am Montagabend seine Ideen dem Bezirksausschuss präsentiert. Dort stießen seine Visionen noch auf Gegenliebe.

Markus Lutz Bezirksausschuss München Sendling

Wir haben die Gelegenheit genützt, bei Markus Lutz vom Bezirksausschuss nachzuhaken (im Bild). Er sitzt als SPD-Mitglied dem Bezirksausschuss 6 in Sendling vor und hat die Diskussion mit Hahn letzten Montag mitverfolgt.

MUCBOOK: Markus Lutz, wie steht der Bezirksausschuss zur pauschalen Absage der Stadtwerke München?

Lutz: Diese Absage ist sehr schade, es wäre gut gewesen, wenn man sich erst einmal das Konzeptpapier von Herrn Hahn angeschaut hätte. Außerdem sollte man zumindest ein Gespräch darüber führen, dazu wäre ich auch als BA-Vorsitzender bereit.

Wodurch konnte Daniel Hahn den Bezirksausschuss überzeugen?
Durch seine, wie bei der Alten Utting, „unglaubliche Idee“ und Fantasie. Man sollte bei so einem Industriedenkmal die Chance nutzen, die sich ergibt. Der Sendlinger BA ist für solche Ideen mehrheitlich auch sehr offen. Warum nicht mal etwas außergewöhnliches planen? Gerade seine ersten Ideen kamen sehr gut an im Gremium.

Sehen sie noch eine Möglichkeit, wie es zu einer Entscheidungsumkehr kommen würde?
Natürlich ist die Chance gering. Aber ich sehe noch eine Möglichkeit, besonders im direkten Gespräch mit den SWM. Die Stadtwerke müssen selbst erst einmal die Karten auf den Tisch legen: warum ist dieser Schornstein baufällig? Warum sehen sie so eine Gefahr für der Betriebsgelände? Etwas unglaubwürdig ist das schon, das würde auch in Zukunft jede Möglichkeit der Querung von einem neuen Stadtquartier an der alten Großmarkthalle zur Isar verhindern.

Wie beurteilen Sie die Machbarkeit der von Daniel Hahn geplanten Umbauten?
Wenn man keinen „Luxus-Turm“ will, sondern sich auf die Basics konzentriert (einfache Treppen, günstige Aufzüge), denke ich schon, dass man es machen könnte. Die große Frage ist eben: ist der Schornstein wirklich so baufällig, oder wird dies nur vorgeschoben? Außerdem könnte man mit diesem Projekt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Neben dem Erhalt des Schornsteins könnte man auf der anderen Seite des Kraftwerks mit einem weiteren Steg einen Zugang zum Isarkanal schaffen, der spätestens mit der neuen Großmarkthalle und einem neuen Wohngebiet sowieso benötigt wird.

Welche Chance vergibt München hier vielleicht?
München vergibt hier eine große Chance, mal wieder mit einem weiteren singulären Highlight zu punkten. Wie die „Alte Utting“ könnte hier etwas komplett Neues entstehen, ein Magnet für das etwas „andere München“. Nicht nur Oktoberfest, alte Gebäude und Schlösser, auch mal ein Zeichen für das Industrie-München der 60er- und 70er-Jahre.

Danke für das Gespräch!


Beitragsbild: © Sandor Bordas via CC 3.0

Portrait Markus Lutz: Susie Knoll

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus
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