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Die Winklbauer Höfe – so baut man gute Nachbarschaft
Auf dem Gelände der Winklbauer Höfe in Holzkirchen hört man die Handwerker klopfen, riecht frisches Holz und sieht, wie ein Gerüst in die Höhe wächst. Auf den ersten Blick eine ganz normale Baustelle, könnte man meinen. Doch zwischen Baggern und Bauzäunen entsteht weit mehr als neuer Wohnraum: Hier entsteht Boden für Gemeinschaft.
Zum Areal gehören sechs Gebäude mit insgesamt 80 Wohnungen, viele mit Gartenanteil, Terrasse, Balkon oder Loggia. Es gibt Angebote für Familien, Singles, Senioren und betreutes Wohnen. Selbst ein eigens entwickeltes platzsparendes Möbel- und Stauraumkonzept gehört dazu.
Bauherr Max von Bredow freut sich, dass seine Vision des Gemeinschaft-Schaffens die Menschen offenbar so sehr begeistert wie ihn selbst: „Die Menschen, die sich schon vor Fertigstellung für ein Zuhause in den Winklbauer Höfen entschieden haben, taten das nicht wegen eines bestimmten Grundrisses“, erzählt Max von Bredow, der sich in der Branche in kürzester Zeit mit seinen innovativen und konzeptionell sehr anspruchsvollen Bauprojekten einen Namen gemacht hat. „Sie wählten das Quartier, weil sie genug von der Anonymität klassischer Wohnanlagen haben. Sie sehnten sich nach einem Ort, an dem Nachbar:innen nicht nur Namen auf Klingelschildern sind, sondern gute Bekannte, die sich im Alltag gegenseitig unterstützen“, sagt Max von Bredow, Geschäftsführer der MvB Baukultur.
Die Zukunft des guten Wohnens: Genug Räume für Gemeinschaft
Gemeinschaft bildet das Fundament des gesamten Projekts: In einem mehrstufigen Beteiligungsverfahren hätten Bürger:innen Wünsche, Ideen und Bedürfnisse geäußert, die später in die Planung integriert worden seien, berichtet Max von Bredow.
Heraus kam ein von den N-V-O Architekten gestaltetes Ensemble aus fünf langgestreckten Wohngebäuden in Holzbauweise mit den für die Region typischen umlaufenden Holzbalkonen und Satteldächern. Ergänzt werden sie durch ein markantes Quartiersgebäude, das sich optisch bewusst vom Rest abhebt. Und Quartier ist hier mit der Mischung der Nutzungen durchaus wörtlich gemeint. Hier soll der Mittelpunkt des Areals entstehen mit Co-Working-Space und einem gemütlichen Inklusionscafé. Das Café wird gemeinsam mit dem Caritaszentrum Miesbach betrieben und bietet Menschen mit psychischen Herausforderungen oder Handicaps Beschäftigungsmöglichkeiten.
Der neu entstehende Platz öffnet das Quartier nach außen – und verhindert, dass hier eine Siedlung entsteht, die nur sich selbst genügt – und wo Bewohner:innen nur sich selbst begegnen. „Wann haben Sie das letzte Mal in Ihrem Wohnzimmer jemand neues kennengelernt“, sagt Max von Bredow und spielt damit auf die Vereinzelung und Bubble-Trends in unserer Gesellschaft an. Um Begegnungen zu fördern sind zum Beispiel auch eine Werkstatt, eine Fahrradwerkstatt, ein Fahrradstadl, ein Radl-Sharepoint sowie Carsharing-Angebote und ein Multifunktionsraum, der zum Beispiel als Musikzimmer, Tanzraum oder für Events genutzt werden kann. Im Haus 1 befinden sich neben Wohnungen für Senioren auch ein Yoga-bzw. Fitness-Raum und zwei Gästezimmer, die von allen Bewohner:innen angemietet werden können. Für gesellige Sommerabende soll es im großen Gemeinschaftsgarten eine Grill- und Gartenlaube mit Brotbackofen geben. „So entstehen Orte, an denen Menschen sich treffen, ohne dafür einen Termin vereinbaren zu müssen”, erklärt Max von Bredow.
Aus Bewohner:innen werden Mitgestalter:innen
Gemeinschaft ist kein Selbstläufer. Das sei ihm schon lange klar, sagt Max von Bredow. Für die Winklbauer Höfe hat er daher ein Konzept für das Quartiersmanagement entwickelt, das die Gemeinschaftsflächen organisiert und von den Bewohner:innen selbst getragen wird. Das Konstrukt kennt man aus Genossenschaften. In Wohnquartieren mit Eigentümergemeinschaften eine echte Neuheit. „Man kann es sich als eine Art Quartiersverein vorstellen, der gemeinschaftlich organisiert wird“, erläutert Max von Bredow sein Konzept. Für die unterschiedlichen Bereiche sollen Pat:innen die Verantwortung übernehmen. Für den Gemeinschaftsgarten, den Yoga-Raum ebenso wie für die Organisation der Gästezimmer, die Mobilitätsangebote sowie für alle weiteren Aktivitäten des Quartiers. „Wer Verantwortung übernimmt, entwickelt Identifikation“, zeigt sich Max von Bredow überzeugt. „Wer gemeinsam Entscheidungen trifft, lernt seine Nachbar:innen kennen. Und wer seine Nachbar:innen kennt, lebt anders. Aus „meiner Wohnung“ wird plötzlich „unser Quartier“, sagt der Bauherr und erklärt, warum dadurch langfristig auch die Eigentümerschaft der Wohnanlage profitiert. „Wer sich mit seiner Wohnung identifiziert, geht sorgsamer mit der gesamten Anlage um. Weniger Schäden, weniger Kosten, langfristiger Werterhalt.“
Mobilität neu gedacht
Auch beim Verkehrskonzept gehen die Winklbauer Höfe einen eigenen Weg. Durch ein Mobilitätskonzept liegt der Stellplatzschlüssel lediglich bei 0,7. Dahinter steckt die Überzeugung, dass zukunftsfähige Mobilität nicht allein über das eigene Auto funktioniert. Deshalb setzt das Quartier konsequent auf ergänzende Angebote wie Fahrradinfrastruktur, gemeinschaftlich nutzbare Räder. Den 80 Wohnungen stehen Mobilitäts-Angebote in ungewöhnlich großer Zahl zur Verfügung: zwölf Lastenräder, neun E-Bikes und sechs Car-Sahring-Fahrzeuge. Der Vorteil ist offensichtlich: Weniger Flächen für parkende Fahrzeuge, mehr Raum für Menschen, Grünflächen und Aufenthaltsqualität. In Holzkirchen lassen sich sowieso die meisten Besorgungen in wenigen Minuten erledigen: egal ob Schule, Einkauf, Restaurants oder Kulturräume. Wer hier lebt, braucht oft kein eigenes Auto, sondern die Möglichkeit, eines dann zu nutzen, wenn es wirklich benötigt wird – und dafür stehen sechs elektrische Carsharing-Fahrzeuge von der Energie Südbayern zur Verfügung.
Regional verwurzelt
Die Frage, wie man künftig wohnen möchte, reicht bis in die Wände, Fenster und Dächer eines Quartiers hinein. KfW-55-Standard und der Anschluss an das Geothermiewerk der Gemeinde sorgen dafür, dass Nachhaltigkeit hier nicht nur versprochen, sondern technisch umgesetzt wird. Wo immer möglich, stammen die Materialien und Handwerksleistungen der Winklbauer Höfe aus der Region, etwa das Holz: Ein Baustoff, der wie kaum ein anderer für Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und regionale Wertschöpfung steht. Die Architektur orientiert sich bewusst an der regionalen Bautradition und interpretiert sie zeitgemäß. Auch die Menschen, die hier arbeiten kommen aus der Region. Aus dem Radio auf dem Baugerüst erklingt Alpenwelle. Vielleicht der schönste Beweis, das gelebte Gemeinschaft und Zusammenhalt nicht nur auf den Prospekten steht, sondern bei MvB Baukultur wirklich gelebt werden.
Neugierig geworden?
Hier Reinhören: Max von Bredow zu Gast im Podcast MUNICH NEXT LEVEL von Marco Eisenack, Herausgeber MUCBOOK.
Die neue Folge von MUNICH NEXT LEVEL gibt es jetzt auf Podigee, Spotify, Apple Music, Deezer & Co.
Bilder: © MvB
- Die Winklbauer Höfe– so baut man gute Nachbarschaft - 16. August 2026





