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30 Jahre Kunstpark Ost: „Das wird es so nicht mehr geben“ – Bilder von Volker Derlath, dem Chronist der Münchner Clubkultur
Vor 30 Jahren öffnete der Kunstpark Ost seine Tore – und wurde für sechs Jahre zu einem einzigartigen Kapitel der Münchner Nacht- und Clubgeschichte. Der Fotograf Volker Derlath war von Anfang an dabei. Mit seiner Kamera dokumentierte er nicht nur die Clubs und Partys, sondern auch die Menschen, die diese Zeit prägten. Seine Bilder sind heute zugleich ein Stück Zeitgeschichte.
Ein Kulturschock ist wohl für viele der Blick ins Party-München der 90er / Fotos: Volker Derlath
MUCBOOK: Wenn du den Namen Kunstpark Ost hörst – was verbindest du damit?
Volker Derlath: Sechs Jahre, eine für München einmalige Zeit. So etwas hat es vorher noch nie gegeben und wird es auch nicht mehr geben. Insofern ist das eine absolut singuläre Geschichte.
MUCBOOK: Du hast den Kunstpark Ost praktisch von Anfang an fotografisch begleitet. Wann war dein erster Besuch?
Volker Derlath: Der erste Besuch war natürlich am Eröffnungsabend. Ich war damals noch journalistisch bei der Süddeutschen Zeitung tätig. Es waren sehr viele Leute unterwegs und man konnte durch das gesamte Gelände laufen und staunen. Der Kunstpark hat sich dann in kürzester Zeit etabliert – auch weil es mit den Riemer Hallen bereits einen Vorläufer gab.
MUCBOOK: Die Riemer Hallen waren ja ebenfalls ein wichtiger Ort des Münchner Nachtlebens. Wolfgang Nöth kanntest du schon vorher, oder?
Volker Derlath: Ja. Wolfgang hatte vorher schon einiges in München gemacht – zusammen mit Beppi Bachmaier im Fraunhofer, später war er am Lustspielhaus und am Nachtwerk beteiligt. Er war also schon gut eingeführt, als er die Riemer Hallen aufgemacht hat.
Mit Wolfgang war es immer sehr spaßig. Ich erinnere mich an eine Situation Anfang der 90er im Lustspielhaus. Er wollte sich zunächst nicht fotografieren lassen und hat sich immer weggedreht. Irgendwann merkte er, dass ich ihn trotzdem fotografierte, streckte mir die Zunge heraus und zeigte mir den Mittelfinger. Genau in diesem Moment habe ich abgedrückt. Darüber musste ich mich köstlich amüsieren – und Wolfgang offenbar auch. Zwischen uns hat das eigentlich sehr gut funktioniert.

Fotoscheues Münchner Original: Auch den „Hallenmogul“ Wolfgang Nöth selbst hat Volker Derlath im KPO natürlich vor die Kamera bekommen.
MUCBOOK: Was war deine besondere Herangehensweise als Fotograf? Du warst ja nicht einfach jemand, der für ein paar schnelle Bilder auf einer Veranstaltung auftauchte.
Volker Derlath: Das ist bei meiner Oktoberfest-Serie genauso: Man fängt irgendwann an, ein Teil des Ganzen zu werden.
MUCBOOK: Und wie gelingt das?
Volker Derlath: Indem man versucht, auf der einen Seite Spaß zu haben und die tolle Atmosphäre mitzunehmen – und gleichzeitig auf einer zweiten Ebene die gestalterische Distanz zu bewahren.
Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten unter großem Zeitdruck und werden schlecht bezahlt. Sie versuchen dann, ein Bild zu machen, von dem sie wissen: Das druckt die Zeitung, und dann sind sie wieder weg. Mich hat dagegen die ganze Atmosphäre interessiert. Und ich konnte es mir leisten – oder habe es mir einfach geleistet –, zu sagen: Ich bleibe jetzt hier. Auch aus einer gewissen Neugier.

Mit Liebe zum Detail. Der berühmte mutige Derlath-Schnitt / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Das unterscheidet deine Bilder tatsächlich. Man erkennt oft sofort: Das ist ein Volker-Derlath-Foto. Woran liegt das?
Volker Derlath: Das wird mir öfter gesagt. Aber was mich besonders macht, habe ich bis heute nicht verstanden, ehrlich gesagt. Meine fotografische Herangehensweise ist relativ frontal und vergleichsweise ausschnitthaft. Im journalistischen Bereich geht es häufig eher darum, eine Übersicht zu zeigen und die gesamte Atmosphäre abzubilden. Ich habe dagegen immer sehr stark auf einzelne Menschen abgezielt.
MUCBOOK: Oft gehst du noch näher ran. Ein abgeschnittener Kopf kommt bei dir genauso vor wie ein halber Körper.
Volker Derlath: Es muss nicht immer der ganze Mensch oder der Oberkörper drauf sein.
Pars pro toto. Das reicht mitunter.
MUCBOOK: Und auch Erotik war immer wieder ein Thema deiner Bilder.
Volker Derlath: Ich habe natürlich sehr viel im sozialen Bereich fotografiert. Aber in einer Partyzone gibt es eben relativ viel Erotik. Damals gab es auch viele Clubs, in denen Go-Go-Tänzerinnen aufgetreten sind. Das ist heute gar nicht mehr so üblich.

Lack, Leder und eine brennende Lunte? Ein München, das heute kaum mehr zu finden ist, traf sich im Keller, dem Gothic-Club des KPO / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Das Interessante am Kunstpark Ost ist ja gerade diese Mischung. Vielen war er vielleicht schon zu mainstreamig. Wenn man deine Bilder anschaut, sieht man aber unglaublich viel Subkultur und ziemlich Edgyes. Wie hat Wolfgang Nöth diese unterschiedlichen Welten zusammengebracht?
Volker Derlath: Er war in jeglicher Hinsicht ein Zeitgeist. Er hatte ein Gespür dafür, was gerade passierte. Es gab ja zum Beispiel auch den großen Flohmarkt. Er hat die Großflohmärkte nach München gebracht.
Und er hat immer auch auf Kultur geachtet. Er hatte einen Nerv dafür. Eine nette Anekdote ist, dass er unbedingt Helmut Qualtinger noch einmal nach München holen wollte.
Wolfgang kannte sich allerdings nicht so gut aus, aber wollte Qualtinger unbedingt haben. Qualtinger sagte dann: Ich komme mit dem „Herrn Karl“. Und Wolfgang hat daraufhin zwei Hotelzimmer gebucht. Der „Herr Karl“ ist ein Monolog.

Wolfgang Nöth war auch der Vater des Flohmarktfiebers in München / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Auch politisch war Wolfgang Nöth ja schwer einzuordnen.
Volker Derlath: Das Politische war bei ihm immer auf eine sehr eigene Art vorhanden. Es war zum Beispiel kein Zufall, dass die große Halle neben dem Kunstpark Ost „Georg-Elser-Halle“ hieß.
Und es gibt diese schöne Anekdote mit Georg Kronawitter: Nöth ist wohl einmal einfach ins OB-Zimmer hineingegangen und hat gefragt: „Schorschi, was geht?“
Überhaupt hatte Wolfgang diese unglaubliche Art. Er war ja selbst begeisterter Gabelstaplerfahrer und hat damit auch mal das eine oder andere Teil eingerichtet. Oder eingerissen.
MUCBOOK: Das passt zu meiner eigenen Erinnerung. Als ich ihn am Kunstpark das erste Mal getroffen habe, kam ein langhaariger, älterer Mann auf einem Gabelstapler um die Ecke und fragte mich, was ich suche und ob er helfen könne. Man hätte ihn nicht unbedingt für den Eigentümer beziehungsweise Betreiber eines solchen Areals gehalten.
Volker Derlath: Ja, das war Wolfgang.
MUCBOOK: Wenn du damals in den Kunstpark gegangen bist und gesagt hast: Heute brauche ich richtig gute Bilder – welchen Club hast du angesteuert?
Volker Derlath: Das ging bei mir gar nicht so nach Ausbeute. Es waren oft Aufträge der Süddeutschen dabei, bei denen ich in bestimmten Clubs fotografiert habe. Und es ist immer ganz unterschiedlich, was an einem Abend gelingt.
Ein Abend, an dem erstaunlich viel gelungen ist, war im Titty Twister. Das war ein Club, der sich an den Film „From Dusk Till Dawn“ angelehnt hat. Dort war entsprechend auch die Atmosphäre.
Eine tolle Stimmung gab es auch beim Gastro-Silvester der Faltenbachers von der Milchbar. Und ich selbst bin gerne ins Shockers gegangen, weil ich eine gewisse Neigung zur schwarzen Szene habe. Wolfgang hatte dort zunächst einen schwarzen Club mit einer Geisterbahn mit lebenden Geistern eingebaut.
MUCBOOK: Eine echte Geisterbahn mitten im Club?
Volker Derlath: Ja. Man ging als Besucher durch und wurde von lebenden Geistern gescheucht.

Das Gastro-Silvester in der Milchbar war für Volker Derlath stets ein Fest der Exzess-Motive / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Wenn man deine Bilder aus den 90ern anschaut, sind sie heute auch unglaublich interessante zeithistorische Dokumente. Man sieht darauf, wie sich Party- und Feierkultur verändert haben. Viele dieser Bilder wirken sehr exzessiv. Hat sich das Feiern seitdem verändert?
Volker Derlath: Später habe ich solche Szenen weniger gesehen. Vielleicht sind die Leute heute etwas weniger ausgelassen, vielleicht auch etwas cooler.
Aber es gibt solche Momente nach wie vor. Ich sehe sie zum Beispiel noch heute, wenn ich unterwegs bin und fotografiere. Was sich allerdings stark verändert hat, ist der Umgang mit dem Fotografieren.
Heute wird dem Handy gefilmt oder fotografiert. Aber sobald ich mit meiner Kamera komme, gibt es unangenehme Fragen. Ich bin schon von jungen Frauen angegangen worden, wie es sein könne, dass ich als älterer Mann bei Veranstaltungen fotografiere, auf denen junge Frauen sind.
Da könnte man natürlich sagen: Das ist ein klassischer Fall von Altersdiskriminierung. Insofern ist manches enger geworden. Es gibt immer noch Leute, die sich exponieren, aber weniger. Und es ist ja nicht zu Unrecht so, dass Menschen eine gewisse Furcht vor dem Internet haben.

Keine Angst vor feuchten Linsen: Volker Derlath fotografiert mit Vorliebe Tanz und Tumult. / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Du hast die Leute damals aber tatsächlich in die Süddeutsche Zeitung gebracht – teilweise in sehr ausgelassenen und ungeplanten Situationen. Hast du dadurch nie Ärger bekommen?
Volker Derlath: Doch. Eine Geschichte war auf dem Technodampfer, damals am Chiemsee. Ich habe dort eine junge Frau beim Tanzen fotografiert. Sie hat das auch bemerkt. Ich fotografiere ja grundsätzlich aus einer Distanz, aus der jeder zu mir kommen kann. Ich bin eigentlich immer in Sprechweite. Ich habe ihr sogar ein Kompliment gemacht, weil sie so toll getanzt hat.
Dann erschien das Bild in der Süddeutschen. Der Journalist hatte dazu allerdings geschrieben, dass dort auf den Toiletten offenbargevögelt wurde und Drogen konsumiert wurden. Sie war das Aufmacherbild.
Die Frau wollte daraufhin eigentlich Anzeige erstatten. Sie hatte gerade ihren ersten Job als Sozialpädagogin angenommen, und das Bild war von Kollegen gesehen worden. Es kamen peinliche Fragen, was sie denn dort mache.
Ich habe versucht, die Sache zu entschärfen und ihr gesagt, dass das vielleicht auch eine sublime Form des Neides ihrer Kollegen sein könnte: Sie geht auf solche tollen Partys – und die anderen eben nicht. Alles erledigt.
MUCBOOK: Du hast dir damals also keine schriftlichen Einverständniserklärungen geben lassen.
Volker Derlath: Nie. Das war schon immer ein Problem. Ich fotografiere inzwischen seit 45 Jahren Menschen. Durch das Internet hat die Problematik natürlich zugenommen. Aber es ist immer noch etwas anderes, ob eine Aufnahme im Rahmen journalistischer Berichterstattung erscheint oder irgendwo in einem missbräuchlichen Kontext im Internet auftaucht.
Früher war es außerdem ganz selbstverständlich, dass Leute sich fotografieren ließen, ohne erst zu fragen, wofür.

Die Offenheit der Menschen beim Fotografiertwerden vermisst der Volker Derlath heute. / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Du fotografierst häufig auf Augenhöhe. Teilweise gehst du dafür sogar in die Knie.
Volker Derlath: Ja. Ich versuche im Gegensatz zu manchen Kollegen immer, auf Augenhöhe zu fotografieren. Ich gehe relativ häufig in die Knie, damit der Eindruck einer Begegnung entsteht und klar wird, dass ich nicht auf die Leute herabschaue. Es soll tatsächlich eine Begegnung mit einem Gegenüber spürbar werden.
MUCBOOK: Deine Bilder haben außerdem häufig etwas Theatrales. Manche wirken fast wie Szenen aus einem Theaterstück.
Volker Derlath: Das habe ich auch einmal in der Theaterfotografie ausprobiert: Ich habe genauso fotografiert wie nachts, mit frontalem Blitz, sodass man nurmehr schwer unterscheiden konnte: Ist das jetzt Realität oder Theater?
Und ich denke, dass diese theatralen Momente bei solchen Veranstaltungen ganz stark vorhanden sind.
MUCBOOK: War das Nachtleben im Kunstpark Ost also Realität oder Theater?
Volker Derlath: Das ist ähnlich wie bei meiner Oktoberfest-Serie. Ich betrachte das Oktoberfest als eine Lebensbühne, auf der ein international besetztes Ensemble sein Bestes gibt.
Die Leute spielen ja nicht. Die sind wirklich da. Natürlich gibt es manche, die abends eine Rolle durch ein besonderes Gewand oder eine bestimmte Sebstinszenierung betonen. Aber sie sind tatsächlich dabei. Nur der Text von Schiller fehlt.
Bei guten Schauspielern ist es ja genauso: Sie sagen nicht einfach nur ihren Text auf. Hier sind eben das Bühnenbild, die Dramaturgie und der Rahmen durch die Musik festgelegt.
MUCBOOK: Und durch die Wahl des Clubs wählst du im Grunde auch die Inszenierung aus, in der du selbst mitwirkst.
Volker Derlath: Ja, oder den Film.

Glücksfall für das aufgeräumte München von heute: Die Fotos von Volker Derlath liegen auch in einer Sammlung im Stadtmuseum / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Wenn man den Kunstpark Ost heute erklären müsste: Welche Clubs sollte man unbedingt kennen?
Volker Derlath: Ich kann eigentlich nur für mich selbst sprechen. Einige wichtige Clubs haben ihre Nachfolger an anderen Orten gefunden. Die Milchbar gibt es zum Beispiel immer noch und sie ist nach wie vor extrem angesagt.
Was es heute in München nicht mehr ausdrücklich gibt, ist ein Club für die schwarze Szene. Das war damals das Shockers. Inzwischen sind viele Leute vom Feierwerk aufgefangen worden, mit Veranstaltungen wie Black Opera oder Katzenclub.
Das Feierwerk hatte immer eine große integrative Kraft, weil dort verschiedene Musik- und Szenestile angeboten und gepflegt wurden. Aber so abgedrehte Sachen wie das Titty Twister oder das Shockers gibt es heute sicher nicht mehr.
Nicht zu vergessen auch die kulturorientierte Bongobar.
MUCBOOK: Und welche Gastronomen von damals prägen München heute noch?
Volker Derlath: Faltenbacher natürlich. Und vom Starskys ist auch noch jemand da – der Kanadier Matt Devereux, der heute das Kooks in der Geyerstraße betreibt.
MUCBOOK: Das Interessante am Kunstpark war ja auch diese Mischung der Generationen und Szenen. Manche Orte haben das bis heute geschafft.
Volker Derlath: Ja. Es gab damals eine große Vielfalt. Und diese Mischung war etwas Besonderes.

Kunstpark-Publikum auf dem Weg zur Party / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Wenn du München vor 30 Jahren mit der heutigen Party- und Clubkultur vergleichst: Was hat sich am stärksten verändert?
Volker Derlath: Ich weiß nicht, ob ich in der Szene noch so verwurzelt bin, dass ich das wirklich beurteilen könnte. Ich möchte da auch keine Wertung abgeben.
Heute sind die Leute anders und sie feiern auch ein bisschen anders. Es hat sich sicher vieles verändert. Aber ich weiß nicht, ob es wirklich schlechter geworden ist.
Auffällig ist allerdings, dass es mehr Clubschließungen als Neueröffnungen gibt. Orte wie das Blitz oder das Harry Klein gibt es nicht mehr. Die Clubkultur ist heute sicher weniger ausgeprägt.
Nach dem Kunstpark gab es die Kultfabrik, und Wolfgang Nöth ist nebenan zu den Optimolwerken gezogen. Auch dort gab es eine Reihe von Clubs. Aber diese Masse und diese Häufung wie im Kunstpark gibt es heute nicht mehr.
MUCBOOK: Erinnerst du dich noch an den letzten Abend im Kunstpark?
Volker Derlath: In den letzten Tagen war ich noch dort. Eine Megaparty ist mir besonders in Erinnerung geblieben: die Jahreswende zum Millennium. Da kam keiner mehr durch.
An die allerletzten Ausläufer habe ich dagegen keine besondere Erinnerung.
MUCBOOK: Gibt es Leute, an die du dich besonders erinnerst?
Volker Derlath: Natürlich Wolfgang Nöth und Luise Ramsauer, seine rechte Hand. Sie fand es völlig überflüssig, dass ich mich jedes Mal anmelden musste, wenn ich dort für eine Zeitung fotografiert habe. Sie hat mir dann einfach einen Mitarbeiterausweis gegeben. Das waren für mich die prägenden Gestalten. Was ich auch sehr gerne mochte, war die Schlussphase des Kunstparks. Da gab es zum Beispiel diese russische Veranstaltung mit der Wahl zur Miss Russia. Der Moderator sprach zuerst Russisch, dann Deutsch für die deutschen Gäste. Es gab russische DJs, teilweise kyrillisch auf Plakaten. Kalinka hieß dieses Kuriosum.
Das hat mir großen Spaß gemacht. Da war eine ganz eigene Gesellschaft versammelt: Russische Studentinnen, aber auch reiche Geschäftsleute mit der Wodkaflasche auf dem Tisch, die zwischenrein Champagner geordert haben.

Feierkultur der 90er, dem letzte Jahrzehnt ohne Handyfotos auf der Tanzfläche / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Zum Schluss noch ein Bild, das wir unbedingt erwähnen müssen: Auf einem Foto sieht es aus, als würde sich jemand ein Mikrofon in den Po schieben. Was war da los?
Volker Derlath: Das war eine Wahlkampfveranstaltung der APPD, der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands. Das war 1998 im Bundestagswahlkampf im Kolosseum.
Bei dieser Wahlkampfveranstaltung trat der Kanzlerkandidat Karl Nagel auf, außerdem gab es ein Konzert der Punkgruppe Die Kassierer. Der Sänger furzte ins Mikro.

Pogo mit Po: Wahlkampfveranstaltung der APPD / Foto: Volker Derlath
MUCBOOK: Und du weißt nach so vielen Jahren noch genau, wer, wann und wo auf deinen Bildern zu sehen ist.
Volker Derlath: Ich habe ein relativ gutes Gedächtnis.
MUCBOOK: Das merkt man. Danke, Volker!



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