Claudia Christoffel "WE SHOULD ALL BE FEMINISTS"
Aktuell, Kultur

Frauen in der Kunst – 100 Jahre Netzwerk, 100 Jahre not fair

Mit dem Projekt „Sichtbar. Verknüpft. Frei.“ feiert die Künstlerinnenvereinigung Gedok ihr 100-jähriges Bestehen und richtet den Blick zugleich entschieden nach vorn. An drei Ausstellungsorten in München versammelt das Jubiläumsprojekt 30 Künstlerinnen aus der ganzen Bundesrepublik zu einem vielschichtigen Ensemble.

Netzwerke sind offenbar kein neuer Trend: Der 1926 gegründete Verein Gedok ist nach eigenen Angaben die größte und traditionsreichste interdisziplinäre Künstlerinnenvereinigung Europas. Der Verein wurde gegründet, um Frauen im Kunst- und Kulturbetrieb zu fördern und ihnen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Mit über 300 Mitgliedern ist die Regionalgruppe München die größte eines bundesweiten Netzwerks von insgesamt 23 Gruppen und setzt sich für die Förderung, Sichtbarkeit sowie Gleichstellung von Künstlerinnen ein und unterstützt diese durch Ausstellungen, Netzwerke und Programme wie internationale Artist-in-Residence-Initiativen.

Ragela Bertoldo "Chamaeleon"

Das Werk “Chamäleon”von Ragela Bertoldo ist im DG Kunstaum zu sehen.

„Es geht darum, sich sichtbar zu machen – mit aller Konsequenz“ – Das Zitat der Künstlerin Katharina Sieverding ist richtungsweisend für die Jubiläumsausstellung, die sich nicht nur als Rückblick versteht, sondern vor allem als kritische Bestandsaufnahme der Gegenwart. Denn trotz einiger Fortschritte bleibt die strukturelle Ungleichheit bestehen: Künstlerinnen sind in Institutionen zwar präsenter als früher, doch am Kunstmarkt, in Sammlungen oder in den Medien weiterhin unterrepräsentiert.

Die Ausstellung verteilt sich in München auf drei Orte, die jeweils eigene Schwerpunkte setzen. Die Rathausgalerie ist wegen Umbau im DG Kunstraum in der Finkenstraße 4 zu Gast und zeigt eine breite Palette künstlerischer Positionen.

Hier können Besucher:innen etwa die filigranen Glasarbeiten von Chiaki Asanuma oder die „schwebenden“ Schmuckobjekte aus verkohltem Holz von Susanne Elstner sehen. Es werden traditionelle Grenzen zwischen Kunst und Gebrauch hinterfragt, aber auch politische und gesellschaftskritische Themen nehmen Raum ein: Claudia Christoffel setzt sich in einer Soundinstallation mit Gewalt gegen Frauen auseinander, während Ragela Bertoldo in ihrer Fotografie patriarchale Rollenbilder kritisiert. Darüber hinaus sind die Künstlerinnen Doris Bardong, Renata Brink, Simone Elstner, Jenny Fässler-Obermeyer, Simone Fezer, Anna Heller, Emese Kazar, Nina Annabelle Märkl, Pezi Novi, Kirsten Plank, Helga Schwalt-Scherer, Susanne Thiemann, Janina Totzauer und Christine Ziegler mit Werken vertreten. 

Die Vielfalt der Objekte – von Malerei und Skulptur über Textil bis hin zu Klang – spiegelt die Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen wider, die die Gedok seit jeher fördert.

Janina Totzauer "Nippel" Bildcredits: Janina Totzauer

Die Keramik-Installation von Janina Totzauer trägt den Namen “Nippel” und wird im DG Kunstraum ausgestellt. 

In der galerieGEDOKmuc in der Schleißheimer Straße 61 rücken die künstlerische nPositionen besonders intime und persönliche Fragestellungen in den Fokus. Hier geht es um Identität, Körperlichkeit und Rollenbilder:

Adidal Abou-Chamat untersucht die symbolische Bedeutung von Haaren, Nina Radelfahr thematisiert das Innenleben weiblicher Körper, während Katharina Schellenberger Spannungen zwischen Mutterschaft und künstlerischer Praxis sichtbar macht. Die Frage nach der Sichtbarkeit prägt diesen Ausstellungsort.

Die Gedok Galerie zeigt insgesamt Arbeiten von vierzehn Künstlerinnen aus acht Gedok-Regionalgruppen aus ganz Deutschland.

Simon Fezer "dumped" / Foto: Ele Runge

Simone Fezer zeigt mit “dumped” Performance-Kunst im DG Kunstraum / Foto: Ele Runge

Das Maximiliansforum öffnet schließlich als dritter Ausstellungsort den Blick in den öffentlichen Raum und in größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Ergül Cengiz widmet sich mit einem Gedächtnisporträt der Gedok-Gründerin Ida Dehmel, während Doro Seror mit einer Hommage an Joseph Beuys an dessen legendäre Arbeit „Zeige Deine Wunde“ anknüpft. Themen wie Transhumanismus, Erinnerungskultur und weitere künstlerische Kollaboration von den Künstlerinnen Olga Golos, Erike Kassnel-Hennberg, Katrin Grote-Baker, Nina Heinlein, Silke Kästner & Sabine Schlunk erweitern das Spektrum der Ausstellung.

Susanne Thiemann "Black to Blue" / Foto: Thomas Elsner

Susanne Thiemann “Black to Blue” / Foto: Thomas Elsner

„Sichtbar. Verknüpft. Frei.“ verspricht spannende Perspektiven auf Gender und Kunst, die kritisch in die Zukunft blicken lassen. Die Gedok gibt es zwar schon seit 100 Jahren, aber sie ist so notwendig wie damals. Der Blick ins Begleitprogramm im DG Kunstraum mit Performance, Musik und Debatten lohnt sich.

Foto ganz oben: Claudia Christoffel “WE SHOULD ALL BE FEMINISTS” 

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