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Meine Halte: Deutsches Museum
- Meine Halte: Deutsches Museum - 15. Dezember 2025
Vier Jahre und sechs Monate lang habe ich mich jeden Morgen gefragt, ob zuerst die 2. Stammstrecke fertig wird oder meine Haltestelle auf der Ludwigsbrücke. Und siehe da: Die Haltestelle hat gewonnen. Nun steht sie wieder da, frisch aufgehübscht, und ich bin stolz wie ein Münchner, der Freitagabend in einer Bar im Univiertel noch einen freien Platz ergattert hat.
Endlich kann ich sagen: Das hier ist meine Halte.
Das Wiedersehen fühlt sich an wie die Rückkehr einer Freundin, die man aus den Augen verloren hatte, nur dass diese Freundin gleichzeitig Kulturtempel, Partyecke, Erholungsgebiet und eine kulinarische Oase ist. Facettenreich könnte man sagen. Oder einfach: München in klein.
Gleich neben meiner Haltestelle liegt, wie der Name schon sagt, das Deutsche Museum. Theoretisch perfekt für Kultur und Bildung, aber in der Praxis gehe ich ungefähr jedes Schaltjahr mal rein. Trotzdem ist es schön zu wissen, dass es da ist. Wer eher auf die andere Art Kultur steht, bleibt einfach lang genug draußen oder steht unfreiwillig früh auf. Dann sieht man die Gäste der letzten Nacht vor dem Technoclub Blitz herumtaumeln. Ein klarer Vorteil, in der Nähe dieses Clubs zu wohnen: Man bekommt ab und zu ein Freigetränk als Entschuldigung für das, was Clubexperten Musik nennen und die Nachbarn einfach nur Lärm.
Auf der anderen Seite der Brücke landet man direkt am Vater-Rhein-Brunnen, wo es im Sommer plötzlich nach Strandurlaub aussieht, obwohl man eigentlich mitten in München steht. Mit Drink, Musik und Liegestuhl fühlt sich das manchmal wirklich wie ein Miniurlaub an. Sehr praktisch, wenn man sich keinen echten leisten kann oder einfach keine Zeit hat, die Stadt zu verlassen.
Nicht zu vergessen, dass unter der Ludwigsbrücke unsere schöne Isar durchfließt, und keine fünf Minuten später findet man in beide Richtungen die ersten Badestellen und kann sich treiben lassen. Was sich auch unter der Brücke befindet, ist die Boazn, eine ehemalige Bedürfnisanstalt, die nun eine lebendige Kneipe darstellt.
Ganz klar eine gelungene Umnutzung!
Für ein gutes Frühstück gehe ich am liebsten ins Rosis, weil es dort einfach gemütlich ist und man so lange sitzen bleibt, bis man merkt, dass es eigentlich schon Mittag ist. Und wenn der Magen dann wieder knurrt, geht man Richtung Gasteig. Dort kommt man zum Pizzesco, wo es gute und bezahlbare Pizza gibt, mit echten Italienern am Ofen, was man irgendwie merkt. Dazwischen liegt die Buchhandlung am Gasteig, die so liebevoll eingerichtet ist, dass man eigentlich jedes Mal etwas kaufen muss. Die Entscheidung fällt dort auch nicht schwer, weil die netten Mitarbeiter gefühlt jedes Buch schon dreimal gelesen haben und genau wissen, welches am besten zu den eigenen Wünschen passt.
Und als gäbe es nicht schon genug Aktivitäten, kann man an der Ecke Lilienstraße, Zeppelinstraße das älteste Filmtheater Münchens besuchen: das Museum Lichtspiele, mit Sälen, die so herzlich gestaltet sind, dass man sich schon beim Reingehen ein bisschen wohler fühlt. Und weil mein Viertel ohne Baustellen nicht kann, wird gerade vor dem Kino ein kleines bepflanztes Aufenthaltsdreieck mit Sitzmöglichkeiten gebaut. Also alles in allem fühlt sich das Viertel jetzt wieder komplett an. Die Haltestelle ist zurück und der Rest fügt sich ganz selbstverständlich dazu.