Leben
Schalke gegen Bayern: Taktische Fouls und perfekte Konter
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Vor dem Pokal-Halbfinale gehen die Bayern und die Schalker munter aufeinander los. Es geht um Grundsatzfragen und Fouls als taktisches Mittel. Das wird interessant, heute Abend.
Wenn Louis van Gaal „Magath“ sagt, in diesem niederländischen Idiom, dann hallt der Name des Schalke Trainers kurz nach im Raum. Es klingt respektvoll wie selten bei van Gaal, aber auch ein wenig lauernd. „Magath!“ So spricht man von einem Rivalen, von dem man befürchtet, dass er tatsächlich ebenbürtig sein könnte, auf den man nicht hinabschauen sollte, weil der nur auf diesen Moment der Überheblichkeit wartet. So spricht man von einem, der gefährlich ist.
Van Gaal, der von Ängsten und Befürchtungen nichts hält, geht vor dem Pokal-Halbfinale gegen Felix Magaths Schalker deshalb vorsichtshalber in die Offensive: „Natürlich sind wir Favorit.“ Die Zeit der Psycho-Spielchen, der verbalen Scharmützel und versteckten Sticheleien, sie hat begonnen, jetzt, da es in die entscheidende Phase der Saison geht. „Magath hat seine Chance am Wochenende verpasst. Wir können uns auch einmal eine Niederlage erlauben, weil wir wissen, dass die anderen nicht umgehen können mit dem Druck“, erklärt van Gaal fast hämisch. Bastian Schweinsteiger attestiert den Schalker darüber hinaus, „manchnmal etwas dreckig“ zu spielen. Unterstützt wird er von Sportdirektor Christian Nerlinger. „Eine Philosophie, die den Fußball nicht weiterbringt“, bescheinigt er den Gelsenkirchenern unter Magath. Taktische Fouls, seien kennzeichnend für das Spiel der Königsblauen: „Es sollte einfach nicht das Stilmittel einer Mannschaft sein, so Fußball zu spielen. Das kann nicht das Ziel dieses Sports sein.“
Die Attacke konterte Felix Magath allerdings ziemlich geschickt: „Nerlinger hat in fünf Jahren Bundesliga 364 Fouls begangen. So viele wie kein anderer. Er muss also Experte sein“, sagte Magath süffisant.
Darüber hinaus ist das Ziel des Sports heute mehr denn je: zu siegen. Und Siege müssen die Münchner gerade jetzt dringend einfahren. Innerhalb von nur drei Wochen werden in allen Wettbewerben die Weichen gestellt: Das Pokalhalbfinale auf Schalke könnte bereits zum richtungsweisenden Vorspiel für die Endspiel -Wochen werden: Danach geht es in der Champions League gegen Manchester United und in der Meisterschaft spielen die Münchner an den kommenden drei Spieltagen gegen Stuttgart, in Schalke und in Leverkusen.
Kein günstiger Zeitpunkt für eine Formschwäche. „Zu viele Spieler waren nicht bei der Sache. In der privaten Umgebung meiner Spieler sind viele Sachen passiert. Da hat der Fokus gefehlt“, erklärt van Gaal mit Blick auf die Niederlage in Frankfurt. Was passiert ist, das verrät er nicht und gegen Schalke sei das kein Problem mehr. „Das ist ein anderes Spiel. Dort bekommen wir die Gladiole – oder den Tod.“ Alles oder nichts, soll das heißen. Das niederländische Sprichwort ins Deutsche übersetzt hat etwas Martialisches – und ist auch so gemeint. Van Gaal weiß, dass sich etwas ändern muss in den nächsten Spielen. Aktuell sind die Leistungen seiner Mannschaft weit entfernt von den glänzenden Vorstellungen zu Beginn der Rückrunde. Aber Zweifel? Befürchtungen? Nicht mit van Gaal. Gerade jetzt glaubt er, gut gelaunt Optimismus verbreiten zu müssen. Mit Blick auf die vielen wichtigen Spiele zeigt er sich überzeugt: „Das ist das Beste, was über uns kommen kann. Das ist das Schönste für die Spieler, und wunderbar, auch für einen Trainer.“ Dann erzählt er wieder einmal von seiner Frau. Die habe sich an einer Tür gestoßen. Und „im ersten Augenblick war sie auch ein bisschen weg – aber dann ging es wieder“. Er erzählt das, um zu erklären, warum Daniel van Buyten, der im Spiel gegen Frankfurt wegen einer Jochbeinprellung vom Platz musste, gegen Schalke auf jeden Fall spielen kann: „Wenn kein Gehirn durcheinander gewechselt ist, dann kann er spielen.“
Gehirn ist zwar auch bei David Alaba nicht durcheinander gekommen, aber doch Vieles in seinem Spiel. Ob van Gaal dem Shootingstar nach seinen Fehlern gegen Frankfurt auch im Pokal auf der linken Abwehrseite noch vertraut, scheint fraglich. Van Gaal will abwarten, wie Alaba auf den Rückschlag reagiert. Der 17-Jährige muss durch den Charaktertest. Den Fitnesstest schon erfolgreich durchlaufen haben dagegen Ivica Olic und Franck Ribéry. Beide sind dabei, „Aber Ribéry kann nicht 90 Minuten spielen“, ist van Gaal sicher.
Er wird bald einen völlig fitten Ribéry brauchen, wenn seine großen Pläne nicht platzen sollen: „Für Bayern ist der Meistertitel das größte Ziel. Aber alle Spieler wollen auch den Pokal gewinnen und die Champions League.“ Und dann: „Ich will alle drei Titel gewinnen.“ Van Gaal wünscht sich das nicht nur, er fordert das jetzt.