download
Leben, MUCBOOK Print

Bloggen und Geld verdienen.

Stephan Goldmann

Stephan Goldmann (42) ist gelernter Journalist und publiziert mehrere Internet-Auftritte. Außerdem doziert er an der Deutschen Journalistenschule und hält zusammen mit seinem Geschäftsparter Karsten Lohmeyer Seminare zum Thema Bloggen für Einsteiger, bei dem auch über die Vermarktung des eigenen Blogs gesprochen wird.

Letzte Artikel von Stephan Goldmann (Alle anzeigen)

Blogger sind Autoren mit Herz, sie lieben ihr Thema. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch Kapital daraus schlagen können.

Für mein Blogthema brenne ich. Wenn ich einen neuen Beitrag schreibe, fräse ich mich förmlich in die Informationen, recherchiere stets da weiter, wo andere aufhören und nehme immer wieder neue und ungewöhnliche Perspektiven ein.

Kurz: Ich bin Blogger. Ich schreibe von Herzen.

Ich glaube daran, dass ein guter Blogger ein Getriebener dessen ist, was ihn begeistert und was er liebt. Ein Blog ohne Herzblut wirkt einfach nicht authentisch. Aber genau das Authentische gibt uns den entscheidenden Vorteil gegenüber großen Medien. Denn Journalisten sind eher Generalisten – dem Herzblut eines Spezialisten können sie selten etwas entgegensetzen.

Das gilt auch für Werbeagenturen, Verkäufern und Hersteller von Produkten. Die produzieren zwar oft “Content” – wie es so schön im Marketing-Sprech heißt – und üben sich im “Storytelling” auf ihren Webseiten. Der Blogger aber lebt und liebt sein Thema heiß und innig. Das ist einzigartig.

Und das ist etwas wert.

Denn irgendwann merkt der Blogger plötzlich: Er ist nicht mehr alleine! Leser kommentieren und diskutieren seine Beiträge, er bekommt Mails mit Anfragen, die Zugriffszahlen steigen, er wird als Experte angesehen. Um ihn und um sein Blog wächst eine Leserschaft. Menschen, die ihm zuhören.

“Reichweite” heißt das im Medien-Fachjargon. Und diese Reichweite ist anderen bares Geld wert. Sie bemisst sich aber nicht nur an möglichst hohen Zugriffszahlen auf das Blog, sondern an der Art der Menschen, die man erreicht. Die wichtigen Fragen lauten: Sind die Leute, für die ich da schreibe eine begehrenswerte Zielgruppe für Werbetreibende? Haben sie Geld und auch die Motivation etwas zu kaufen? Wie viel würden sie ausgeben?

Ja? dann kann der Blogger diese Reichweite Werbetreibenden und Unternehmen anbieten. Denn die möchten mit diesen Menschen sicher gerne reden, ihnen etwas verkaufen. Geld dafür verlangen. Aber wie kommt man an diese Werbung?

download

Das Blog ist etwas wert, es gibt nichts zu verschenken.

Blogs, die eine gewisse Flughöhe erreicht haben, erscheinen oft automatisch auf dem Radar der Firmen, die die gleiche Zielgruppe erreichen wollen. Und so kann es sein, dass Mails mit Anfragen einflattern: “Könnten Sie uns nicht mal in einem Beitrag erwähnen? Wir schreiben Ihnen gerne einen Artikel gegen einen Link darin …”

Jetzt heißt es doppelt vorsichtig sein. Vorsichtig, weil die mühsam erkämpfte Lesergemeinde schnell enttäuscht sein könnte, wenn man sich auf ein unseriöses Angebot einlässt. Und vorsichtig, damit man der Firma nicht etwas schenkt, was Geld wert ist: Die eigene Arbeitszeit, die eigenen Texte und der direkte Draht zum Leser.

Meine eiserne Regel lautet daher: Werbung – in welcher Forma auch immer – gibt es nur gegen gutes Geld, und ich lege gleichzeitig meiner Leserschaft die Spielregeln dar. Das bedeutet: Ich trenne deutlich zwischen eigener Meinung und Anzeigen. Mindestens sind alle gekauften Elemente auf dem Blog als Werbung gekennzeichnet. Übrigens sind für mich auch Gewinnspielaktionen eine Werbung für die Firmen. Heißt: Auch hierfür nehme ich Geld. Nur das Bereitstellen von Preisen genügt nicht, um auf dem Blog aufzutauchen.

Doch was, wenn einen keine Firma anspricht oder keiner zahlen will? Dann kann sich der Blogger oder die Bloggerin selbst um seine Einnahmen kümmern. Denn da draußen gibt es unzählige Möglichkeiten, Werbung auf das Blog zu bekommen. Ich zähle drei auf:

 

  • Google Adsense: Diese Anzeigen kennt jeder. Es sind meist kleine Werbetexte mit Links zum Werbetreibenden. Der Vorteil für den Blogger: Sie sind leicht einzubauen und fast jeder darf mitmachen. Klickt jemand auf den Link, gibt es ein paar Cent.
    https://www.google.com/adsense/
  • Amazon Partnernet: Auch hier kann jeder Blogger gleich mitmachen. Der Vorteil: Redet man über konkrete Produkte, zum Beispiel über Bücher, Kinofilme, etc. kann man diese gleich als Kauflink daneben einsetzen. Pro Verkauf gibt es einen prozentualen Anteil.
    https://partnernet.amazon.de/
  • Adscale: Auch hier kann man relativ früh mitmachen. Allerdings: Abgerechnet wird nach Tausend Werbeinblendungen. Es lohnt sich also erst, wenn das Blog einige Zigtausend Seitenaufrufe hat.
    https://www.adscale.de/

 

Es gilt: Je mehr Leser man um sich scharen kann, desto interessanter wird man auch für andere Werbepartner, die speziellere und höher bezahlte Werbung ausspielen.

Der neue Trend: Sponsoring

Doch Werbung ist leider oft nervig, blinkt unangenehm und untergräbt unter Umständen die Glaubwürdigkeit des eigenen Blogs. Zudem: Es geht immer mindestens die Hälfte an Google, Amazon oder das Werbenetzwerk.

Wie wir bei unserer Webseite LousyPennies.de oder wie der Tech-Blogger Sascha Pallenberg setzen mehr und mehr Seitenbetreiber auf Sponsoren. Das heißt: Statt Werbung unkontrolliert einspielen zu lassen, wenden sich die Blogger direkt an passende Firmen und handeln mit ihnen Verdienst und Spielregeln aus. Das ist mühsam und erfordert Verhandlungsgeschick. Doch die Agenturen und Firmen kommen immer mehr auf den Geschmack und die Chancen hier etwas zu verdienen steigen.

Natürlich ist Werbung auf dem Blog ein Spiel mit dem Feuer. Es geht eben darum, Werbeplatz zu verkaufen – aber nicht die Seele des Blogs. Diesen Balanceakt gilt es eben stets zu meistern.

 

Das nächste Seminar für Einsteiger findet am 28./29. März in München statt.

http://de.amiando.com/Bloggerseminar2015.html

 

Fotocredit: Craig Garner via cc1.0Lizenz

2 Comments
  • Eddy
    Posted at 13:04h, 13 März

    Zwischen blinkenden Bannern an einem, und einem Sponsor am anderen Ende der Fahnenstange, fehlt meiner Ansicht nach die Erwähunung von sponsored Posts. Und genau diese sind meiner Ansicht nach der goldene Mittelweg für den Blogger:

    Auf der einen Seite nerve ich meine Leser nicht mit bunten Bannern oder ablenkenden Text-Ads, und auf der anderen Seite hat noch kein werbetreibendes Unternehmen vor der Umsetzung eines sponsored Posts vorher nach meiner Reichweite gefragt.

  • Valérie
    Posted at 21:20h, 14 März

    Ein sehr guter Artikel! Ohne Herzblut wird kein Blog erfolgreich, weil er dann auch nicht authentisch ist. Dennoch schließen sich Herzblut und Monetarisierung nicht aus. Dabei ist es meiner Ansicht nach unglaublich wichtig, den Leser ernst zu nehmen und ihn nicht für dumm zu verkaufen, wenn man ein Thema via Sponsored Post transportiert. Ich schrieb erst gestern in meinem Blog darüber. Kennzeichnung und Transparenz sind für Blogger Pflicht. Ich halte mich da an den Blogger Relations Kodex – leider noch nicht überall Usus.

Post A Comment

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons

Das neue MUCBOOK Magazin #8

Wow, München!
Wie Kreative unsere Stadt verändern.

Bestellen unter:
habenwollen@mucbook.de
oder im Abo abo@mucbook.de

E-MAIL SCHREIBEN, BRIEFKASTEN ÖFFNEN UND DANN IN MÜNCHENS VERGANGENHEIT, GEGENWART UND ZUKUNFT SCHAUEN!
Preis: 4 Euro
zzgl. €1 Versandkosten

MUCBOOK – Das Münchner Stadtmagazin