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PRINTHOUSE: In dieser ehemaligen Druckerei eröffnet ein Club, der München verändern will
Die Pressen sind aus, das Haus läuft weiter: Am 5. September eröffnet PRINTHOUSE in einer ehemaligen Zeitungsdruckerei in Moosach – ein neuer Münchner Ort für elektronische Musik, Konzerte, Jazz, Oper und mehr. Zum Auftakt gibt es am 5. September ein Open Air im überdachten ehemaligen Verladehof. Anmeldung zur Gästeliste auf der Website.
Einer der Macher ist Christoph Pankowski, der in München schon mit Musica Autonomica, den Rave Autonomica Open Airs und ungewöhnlichen 48-Stunden-Galerien für Aufmerksamkeit sorgte. Jetzt will er mit seinem Team eine neun Meter hohe Industriehalle zum neuen Kultur- und Musikort machen.
Typisch München: PRINTHOUSE ist nur eine Zwischennutzung. Wir sprechen mit Pankowski darüber, warum er trotzdem an eine lange Präsenz des Ortes glaubt, was hinter den Kulissen bereits gelöst werden musste und warum hier künftig Techno genauso selbstverständlich sein soll wie Jazz oder Oper.

Unter dem Akronym C.P.H. steht Christoph Pankowski, der Programmverantwortliche des Printhouse, auch selbst am DJ-Pult. Der kreative Kopf kuratiert seit Jahren Partys und hat unter anderem das VËRYL Festival auf einem ehemaligen Flugplatz außerhalb Berlins aufgebaut. Foto: privat
„Die Pressen sind aus, das Haus läuft weiter.“ Das ist der schöne Satz auf eurer Website. Was genau ist hier passiert – und wer hatte eigentlich zuerst die Idee, aus der ehemaligen Druckhalle einen Kulturort zu machen?
Der Satz beschreibt genau das, was hier passiert ist: Ein Gebäude, das jahrzehntelang für einen einzigen Zweck gebaut wurde, hat diesen Zweck verloren. Die Maschinen stehen still, aber das Haus ist da.
Die Idee hatte Henrik Szilit, und zwar lange bevor sie realistisch wurde – zu einer Zeit, als hier noch gedruckt wurde. Er kommt selbst aus dem Event-, Kultur- und Marketingbereich und führt mit set about eine eigene Agentur. Aus dieser Perspektive hat er früh gesehen, was aus diesem Ort werden kann, wenn der Druckbetrieb endet. Als sich die Möglichkeit konkret ergeben hat, hat er das Projekt angestoßen und sich gezielt Partner für die einzelnen Bereiche gesucht.
Robert Benke kam für den operativen Betrieb und die Gastronomie dazu, ich für Programm, Booking und die kreative Handschrift. Robert und ich hatten vorher schon gemeinsam Open Airs realisiert, unter anderem Autonomica – wir wussten also, wie wir zusammenarbeiten.
Es gab also nicht drei Leute, die zufällig auf dasselbe Gebäude geschaut haben. Es gab eine Vision, die einer schon länger hatte, und dann die Frage, wer sie mit ihm umsetzt.
Wer sind die Menschen hinter PRINTHOUSE? Eigentlich steckt derzeit ja hinter den großen Projekten immer irgendwo auch der Name Michi Kern. Bei euch nicht?
Wir sind zu dritt, und jeder verantwortet einen eigenen Bereich. Henrik Szilit entwickelt das Druckhaus als Gesamtstandort – er kuratiert, welche Nutzungen und Formate hier insgesamt stattfinden. Er kommt selbst aus dem Event- und Kulturbereich und führt mit set about eine eigene Agentur. Entsprechend geht es ihm nicht nur um die Vermietung einer Fläche, sondern darum, den Standort inhaltlich zu entwickeln und unterschiedliche Nutzungen und Formate zusammenzubringen. Robert Benke verantwortet den operativen Betrieb und die Gastronomie. Ich verantworte PRINTHOUSE: Programm, Booking, kreative Handschrift.
PRINTHOUSE ist dabei ein Teil des Druckhauses – die Kultur- und Musikmarke innerhalb eines größeren Standortkonzepts, zu dem auch Konzerte, Ausstellungen, Produktionen und andere Formate gehören.
Und nein, es steckt kein Michi Kern dahinter. Wir haben großen Respekt vor dem, was er für diese Stadt aufgebaut hat. Aber das hier ist ein unabhängiges Projekt, das wir gemeinsam entwickeln und verantworten. Niemand steht dahinter, dem wir erklären müssten, warum auf einen Abend mit elektronischer Musik ein Jazzkonzert folgt. Das entscheiden wir selbst.
Warum ausgerechnet diese Halle? Was habt ihr gesehen, als ihr zum ersten Mal durch die neun Meter hohe ehemalige Produktionshalle gelaufen seid?
Ich bin reingegangen, und die Sonne stand so, dass sie durch die großen Fenster in die Halle fiel. Staub in der Luft, sonst nichts. Ich bin ein paar Minuten einfach nur dagestanden.
In dem Moment war die Entscheidung eigentlich schon gefallen. Nicht rational – das kam später. Es war eher das Gefühl, dass dieser Ort etwas will und dass es keinen guten Grund gibt, ihn leer stehen zu lassen.
Das Kuriose daran: Ich habe ihn nicht gesucht. Henrik hatte die Idee für den Standort, über Robert bin ich schließlich zu dem Projekt gekommen.
Was ich außerdem gesehen habe: einen Raum, der nichts kaschiert. Industrielle Struktur, sichtbare Technik, nichts Dekoratives. Ein Gebäude, das gebaut wurde, um zu funktionieren, nicht um zu gefallen. Diese Ruhe kann man nicht herstellen. Und ich habe sofort gesehen, wie viel hier gleichzeitig möglich ist – ein Konzert, eine Ausstellung, ein Dinner, ein Firmenabend. Diese Bandbreite ist selten und sie ist der eigentliche Wert des Hauses.
Dass ich in Berlin eine Eventagentur aufgebaut und später verkauft habe, hilft mir dabei sehr. Meine Spezialität war genau das: ungenutzte Orte finden und in eine neue Nutzung überführen. Das betrifft nicht nur die gestalterische Seite, sondern auch die Zusammenarbeit mit Behörden und Planern. Der unromantische Teil der Arbeit – und der, der am Ende darüber entscheidet, ob so ein Ort überhaupt entstehen kann.
„Ich will, dass PRINTHOUSE ein Ort wird, den man von außerhalb ansteuert. Dass Leute wegen eines Abends nach München kommen und nicht nur, weil sie ohnehin hier sind.“
Christoph Pankowski

Was soll hier künftig nachts entstehen – und was hoffentlich nicht?
Der Vergleich gefällt mir, weil er stimmt: Hier wurde nachts gearbeitet, während die Stadt geschlafen hat, und am Morgen lag ein fertiges Produkt vor der Tür. Diese Nachtschicht-Logik ist dem Haus eingeschrieben.
Was hier entstehen soll, sind Abende, die eine Handschrift haben. Ich möchte kuratieren, nicht nur belegen. Ich höre Jazz genauso wie Techno, ich interessiere mich für Design und Architektur, und ich habe auf Reisen sehr viele Veranstaltungen gesehen, die mich geprägt haben. Diese Einflüsse will ich hierher bringen – nicht als Kopie, sondern als Maßstab.
Was hier nicht entstehen soll: Abende ohne Haltung. Wo austauschbar ist, wer auflegt, weil das Line-up nur eine Zeile im Kalender füllt. Das ist keine Frage von kommerziell oder nicht – ein Firmenabend kann großartig sein, wenn jemand ihn ernst nimmt. Aber lieblos gemacht ist beides schlecht, das Konzert wie das Firmenevent. Der Unterschied liegt darin, ob jemand eine Entscheidung getroffen hat oder nur einen Termin.
Und langfristig: Ich will, dass PRINTHOUSE ein Ort wird, den man von außerhalb ansteuert. Dass Leute wegen eines Abends nach München kommen und nicht nur, weil sie ohnehin hier sind. München kann das – es fehlt nur an Orten, die groß genug sind, um es einzulösen.
Konzert, elektronische Musik, Jazz, Oper, Theater, Ausstellung: Ist das mutig kuratiert – oder einfach der Versuch, möglichst viele Menschen unter ein Dach zu bekommen?
Wenn es darum ginge, möglichst viele Menschen zu erreichen, wäre die Bandbreite ein Fehler. Man macht sich damit nicht mehr Publikum, sondern erstmal weniger – jedes Publikum muss neu überzeugt werden und keines bekommt man geschenkt. Der einfache Weg wäre, eine Szene zu bedienen und es dabei zu belassen.
Der Punkt ist ein anderer: Diese Bereiche sind längst nicht mehr getrennt. Klassische und elektronische Musik verbinden sich seit Jahren, und es gibt eine ganze Reihe von Künstlerinnen und Künstlern, die genau an dieser Schnittstelle arbeiten. Wir haben einige davon im Kopf. Das ist keine Verlegenheitslösung, sondern das eigentlich Interessante.
Dazu kommt: Der Raum kann es. Diese Halle funktioniert akustisch für klassische Musik ausgesprochen gut – das war eine der Überraschungen. Es ist also nicht so, dass wir ein Technikkonzept für elektronische Musik bauen und Jazz oder Oper irgendwie mit hineinquetschen. Es ist ein Haus, das beides ernst nehmen kann.
Genau darum geht es uns: um den Spagat, nicht um das Nebeneinander. Nicht Techno am Samstag, Jazz am Sonntag, und dazwischen hat niemand miteinander zu tun – sondern die Frage, was passiert, wenn man diese Welten tatsächlich zusammenbringt. Das ist der Anspruch. Ob wir ihn einlösen, entscheidet sich an den Abenden, nicht in einem Interview.
Wer entscheidet eigentlich, was im PRINTHOUSE stattfindet? Gibt es ein festes kuratorisches Team, externe Partner oder entscheidet ihr von Veranstaltung zu Veranstaltung?
Ich. Programm, Booking, Line-ups – das ist mein Bereich, und da entscheide ich.
Wir haben die Zuständigkeiten sauber getrennt. Henrik verantwortet den Standort insgesamt, also welche Formate und Nutzungen im Druckhaus zusammenkommen. PRINTHOUSE verantworte ich. Das ist keine Hierarchie, sondern eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten: Jeder bringt in seinem Bereich seine Erfahrung ein, die übergeordnete Entwicklung stimmen wir gemeinsam ab.
Ein Haus braucht am Anfang eine Handschrift, und Handschriften entstehen nicht in Gremien. Wenn drei Leute über ein Line-up abstimmen, kommt das Ergebnis heraus, mit dem alle leben können – und genau das ist die Sorte Abend, die ich nicht machen will. Ich habe eine klare Vorstellung davon, wie diese ersten Veranstaltungen klingen und aussehen sollen, und die setze ich um.
Dazu kommt: Ich mache das seit Jahren. Ich habe eine Eventagentur aufgebaut und verkauft, ich habe VËRYL Festival gemacht, ich lege selbst auf. Sechs Termine sind Arbeit, aber es ist Arbeit, die ich kann.
Wenn wir in den regelmäßigen Betrieb gehen, kommt ein Kreativteam dazu – nicht weil ich es dann nicht mehr schaffe, sondern weil das Programm breiter wird als das, was ich selbst am besten kann. Bei elektronischer Musik kenne ich mich aus. Bei einer Opernproduktion oder einer Ausstellung will ich Leute am Tisch, die in ihrem Feld genauso weit sind wie ich in meinem – und die dann auch entscheiden, nicht nur beraten.
Und für wen ist das gedacht? Für die Clubgängerin, den Jazzliebhaber, die Opernbesucherin – oder tatsächlich für alle drei?
Für alle drei – aber nicht an denselben Abenden. Das ist mir wichtig, weil die Antwort sonst nach Marketing klingt.
Ich glaube nicht an die Idee, dass hier ein neues Mischpublikum entsteht, in dem die Opernbesucherin plötzlich um vier Uhr morgens vor der Anlage steht. Das passiert vereinzelt, aber man sollte nicht darauf bauen. Es sind unterschiedliche Publika, und jedes hat einen eigenen Anspruch, eine eigene Uhrzeit, ein eigenes Verhalten im Raum. Wer das ignoriert, macht am Ende beides halb.
Die Klammer ist nicht das Publikum, sondern der Ort und die Qualität. Wer zu einem Jazzabend hierherkommt, betritt dieselbe Halle wie der, der zwei Wochen später zu elektronischer Musik kommt – gleiche Architektur, gleicher Anspruch an Sound und Licht, gleiche Sorgfalt beim Empfang. Das Publikum wechselt, das Niveau nicht.
Und dann passiert das Interessante über die Zeit: Jemand kommt wegen eines Konzerts, findet den Raum bemerkenswert und schaut, was hier sonst noch läuft. So entsteht Durchlässigkeit – langsam, über den Ort, nicht über ein Programm, das jemanden zu etwas erziehen will.
Was sind eure Vorbilder? Gibt es Häuser oder Orte in anderen Städten, bei denen ihr euch gedacht habt: Genau so etwas fehlt München?
Printworks in London. Das ist die ehrliche Antwort, und es ist auch die einzige, die ich guten Gewissens nennen kann.
Die Parallele liegt auf der Hand – auch dort eine ehemalige Zeitungsdruckerei, auch dort ein Raum, dessen Wirkung sich aus der Industriearchitektur ergibt und nicht aus dem, was man hineinbaut. Aber das Bauliche ist nicht der Grund, warum es mich beeindruckt hat. Es ist der Anspruch: Dort hat jemand ein Industriegebäude nicht als Notlösung behandelt, sondern als Bühne. Mit einem Produktionsniveau, das man sonst aus Konzerthäusern kennt, und mit einem Programm, das international relevant war statt lokal nett. Das hat gezeigt, dass Größe und Sorgfalt kein Widerspruch sind – und dass ein Ort dieser Art nicht zwangsläufig subkulturell bleiben muss.
Genau das fehlt München. Es gibt hier hervorragende kleine Häuser und es gibt große institutionelle Bühnen. Dazwischen ist wenig – Räume, die groß genug für internationale Produktionen sind und trotzdem unabhängig kuratiert werden.
Ein Punkt ist mir dabei wichtig: Printworks war von Beginn an als befristetes Projekt angelegt und ist inzwischen für die Neuentwicklung des Areals geschlossen. Das ist eine Parallele, die ich nicht wegdiskutieren will – auch wir starten mit einer temporären Nutzung. Aber es beschreibt für mich nicht das Ziel. Wir bauen diesen Ort so auf, als würde er bleiben. Alles andere wäre dem Haus gegenüber respektlos.
München hat in den vergangenen Jahren einige neue Kultur- und Cluborte kommen und gehen sehen – welche haben dich besonders beeindruckt?
Ich verteile ungern Noten an andere Häuser. Wer gut ist, weiß es selbst, und ich möchte meine Energie in unser eigenes Programm stecken statt in Bewertungen.
Was ich aber sagen kann, weil ich einen direkten Vergleich habe: Ich habe zehn Jahre in München gelebt, bevor ich nach Berlin gegangen bin. Ich kenne diese Stadt also nicht als Besucher. Und beim Zurückkommen war der Eindruck eindeutig – es hat sich viel bewegt. Es gibt hier Leute, die unter Bedingungen arbeiten, die anderswo als unzumutbar gelten würden: Mieten, Auflagen, Lärmschutz, Flächenknappheit. Dass unter diesen Voraussetzungen Orte mit echtem Niveau entstanden sind, verdient Respekt.
Mein Eindruck ist trotzdem, dass eine Handvoll Akteure sehr viel von dem trägt, was hier kulturell stattfindet. Das ist kein Vorwurf an sie – im Gegenteil, ohne sie wäre die Lage deutlich schlechter. Aber für eine Stadt dieser Größe ist es kein gesunder Zustand. Wo wenige sehr viel machen, entsteht Verlässlichkeit und irgendwann auch Vorhersehbarkeit. Es braucht schlicht mehr unabhängige Betreiber, die eigene Entscheidungen treffen und eigene Fehler machen dürfen.
Deshalb verstehe ich uns auch nicht als Konkurrenz zu bestehenden Häusern. Ein zusätzlicher Ort nimmt keinem etwas weg – er vergrößert, was in dieser Stadt möglich ist.
„Mir ist ein Ort, den es eine Weile gibt, deutlich lieber als ein Ort, den es nie gab.“
(Christoph Pankowski)

Auf eurer Website steht ziemlich offen: „We hold this building on an interim lease and temporary permits.“ Wie lange dürft ihr tatsächlich bleiben?
Das steht aktuell noch nicht abschließend fest, und ich sage das lieber so, als dass ich eine Zahl nenne, die sich später als falsch herausstellt.
Aktuell starten wir mit einer temporären Nutzung und den entsprechenden Genehmigungen für die einzelnen Veranstaltungen. Parallel prüfen wir gemeinsam mit unseren Planern die Perspektive für eine längerfristige Nutzung des Standorts. Die planungsrechtliche Abstimmung steht dabei noch am Anfang, deshalb wollen wir den Ergebnissen des Verfahrens nicht vorgreifen.
Was ich sagen kann: Wir richten uns nicht auf eine kurze Zeit ein. Wir bauen das Haus so auf, als würde es bleiben – mit dem entsprechenden Aufwand bei Technik, Brandschutz und Genehmigungen. Man kann einen Ort nicht mit halber Kraft betreiben, weil er vielleicht endlich ist. Dann wird er schlecht, und dann ist er zu Recht endlich.
Ist PRINTHOUSE damit wieder eine dieser Münchner Zwischennutzungen, bei denen man sich gerade eingerichtet hat, wenn schon wieder das Ende droht?
Ja, wir starten als Zwischennutzung. Ich habe damit kein Problem, und ich finde auch die Frage etwas zu resigniert gestellt.
Ich halte Zwischennutzungen für einen der wenigen Wege, wie in einer Stadt wie München überhaupt noch etwas Neues entstehen kann. Wenn man wartet, bis jemand ein dauerhaftes Gebäude zu bezahlbaren Konditionen anbietet, wartet man ewig. Die Flächen gibt es nicht, und wenn es sie gibt, sind sie längst verplant.
Mir ist ein Ort, den es eine Weile gibt, deutlich lieber als ein Ort, den es nie gab. Selbst wenn ein Projekt nur ein paar Wochen läuft – die Stadt braucht das. Es entstehen Verbindungen, Leute lernen sich kennen, jemand sieht etwas und macht daraufhin etwas Eigenes. Das bleibt, auch wenn das Gebäude wieder zugeht. Kulturell relevant war Berlin nie wegen der dauerhaften Institutionen, sondern wegen der Orte, die zwischendurch da waren.
Das Bild vom „Gerade eingerichtet, schon droht das Ende“ beschreibt außerdem eine Haltung, die ich nicht teile. Wir richten uns nicht ein und warten dann ab. Wir arbeiten von Tag eins so, als wäre der Ort dauerhaft – mit dem entsprechenden Aufwand bei Technik, Brandschutz und Genehmigungen. Wie lange es am Ende wird, ändert an der Arbeit nichts. Es ändert nur, wie lange man sie sehen kann.
Und ganz ehrlich: Was ist daran gut – und was ist daran schlecht? Ist die Unsicherheit vielleicht sogar Teil des Konzepts oder kostet sie euch vor allem Nerven, Geld und Planungssicherheit?
Der Preis ist konkret, und er trifft genau den Bereich, der mir am wichtigsten ist: das Booking.
Internationale Künstlerinnen und Künstler planen weit im Voraus. Wer auf dem Niveau arbeitet, auf das wir zielen, hat seinen Kalender zwölf bis achtzehn Monate im Voraus gefüllt – teilweise länger. Wenn ich Termine erst dann verbindlich bestätigen kann, wenn die Genehmigung für die einzelne Veranstaltung vorliegt, verkürzt sich mein Vorlauf dramatisch. Ich verhandle also um Namen, die eigentlich passen würden, und bekomme sie nicht, weil ich zu spät dran bin. Das ist die eigentliche Einschränkung – nicht das Geld, sondern der Zeithorizont.
Nerven kostet es auch, aber das gehört zum Beruf. Wer eine Location entwickelt, weiß, worauf er sich einlässt.
Was ich der Frage widersprechen würde: Die Unsicherheit ist nicht Teil des Konzepts. Ich würde sie sofort abgeben, wenn ich könnte, und wir arbeiten genau darauf hin. Aber solange sie da ist, ist die einzig sinnvolle Antwort darauf, alles in die Qualität zu stecken, die wir kontrollieren können. Sound, Licht, Raumgestaltung, wie Leute empfangen werden, wie eine Bar arbeitet. Da liegt gerade unsere gesamte Energie. Das ist der Teil, der nicht von einer Behörde abhängt – und der Teil, der am Ende darüber entscheidet, ob jemand wiederkommt.
„Leute zu finden, die dieses Niveau können und die zusätzlich Lust auf ein Projekt haben, das gerade erst entsteht, hat länger gedauert als alles andere.“
Christoph Pankowski
Was war bislang die größte Hürde auf dem Weg zur Eröffnung? Genehmigungen, Brandschutz, Umbau, Finanzierung, Nachbarschaft – oder etwas völlig anderes?
Ehrlich gesagt keiner der Punkte, die man erwarten würde. Genehmigungen, Brandschutz, Umbau – das ist alles aufwendig, aber es ist planbar. Man weiß, was zu tun ist, man macht es, es dauert. Damit habe ich Erfahrung.
Die eigentliche Hürde war, ein Team zusammenzustellen, das unserem Anspruch gerecht wird. Und das ist kein Nebensatz: Ein Haus dieser Größe steht und fällt mit den Leuten, die es betreiben. Technik, Bar, Einlass, Security, Aufbau – an jeder dieser Positionen entscheidet sich, ob ein Abend gut ist. Man kann das beste Line-up haben; wenn der Empfang schlecht ist oder die Bar nicht funktioniert, merkt sich das Publikum genau das.
Wir wollten von Anfang an gut sein, nicht ab dem dritten Abend. Und Leute zu finden, die dieses Niveau können und die zusätzlich Lust auf ein Projekt haben, das gerade erst entsteht, hat länger gedauert als alles andere. Der Münchner Arbeitsmarkt in diesem Bereich ist eng, und wir wollten keine Kompromisse machen.
Inzwischen steht das Team, und ich bin sehr zufrieden damit. Das war die größte Investition an Zeit – und im Rückblick die richtige.
Welche Probleme habt ihr bereits gelöst, von denen die Besucher am Ende wahrscheinlich gar nichts mitbekommen werden?
Der größte Teil unserer Arbeit ist unsichtbar, und das ist auch richtig so. Ein Industriegebäude für Publikum nutzbar zu machen, heißt vor allem: Dinge herstellen, die niemandem auffallen sollen. Böden, Zuwegungen, Elektrik, Sanitär, Fluchtwege, alles, was mit Sicherheit zu tun hat. Wenn das gut gemacht ist, denkt niemand darüber nach. Genau das ist das Ziel.
Aber die eigentliche Arbeit war eine andere: alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen und für dasselbe Bild zu gewinnen. Behörden, Politik, die Eigentümerseite, unsere eigenen Leute. Das sind völlig unterschiedliche Interessen, und keiner davon hat auf uns gewartet.
Man muss das ernst nehmen. Eine Behörde interessiert sich nicht für unsere ästhetische Vision, sondern dafür, dass hier sicher gearbeitet wird. Für die Eigentümerseite ist es ihr Gebäude. Und wer bei uns anfängt, muss sich auf ein Projekt einlassen, bei dem wir offen sagen, dass die Laufzeit noch nicht feststeht. Man kann in so einer Situation niemanden mit einer Hochglanzpräsentation überzeugen – man muss ehrlich sein, verlässlich liefern und Vertrauen aufbauen. Das braucht Zeit, und diese Gespräche haben mehr Monate gekostet als jede Baumaßnahme.
Der Besucher sieht davon nichts. Er sieht eine offene Halle und einen Abend, der funktioniert. Dass das überhaupt möglich ist, liegt an sehr vielen Gesprächen, die vorher stattgefunden haben.
Und welche sind noch ungelöst? Was ist am Eröffnungswochenende bewusst noch provisorisch?
So gut wie alles, und das ist kein Versehen.
Wir sind kein saniertes Objekt. Es gibt Spuren des früheren Betriebs, die wir bewusst nicht weggemacht haben. Wer eine fertige Location erwartet, in der jede Kante sitzt, wird am 5. September etwas anderes vorfinden.
Konkret: Die Bars bauen wir aus der vorhandenen Einrichtung des Hauses. Wir kaufen keine Theken, wir benutzen, was da ist. Und es wird auch mittelfristig keine festen Einbauten geben – alles bleibt mobil. Das ist eine bewusste Entscheidung. Ein Raum, in den man fest hineinbaut, kann danach nur noch eine Sache. Wenn hier ein Konzert, eine Ausstellung und ein Abend mit elektronischer Musik gleichermaßen funktionieren sollen, muss sich der Raum jedes Mal neu einrichten lassen.
Was ich wichtig finde: Wir wollen diese Entwicklung nicht verstecken. Die Leute sollen sie mitbekommen. Von Veranstaltung zu Veranstaltung wird man sehen, wie sich das Haus verändert – was dazukommt, was besser wird, was wir anders machen. Ich finde das ehrlicher, als monatelang hinter verschlossenen Türen zu bauen und dann ein fertiges Produkt zu präsentieren.
Sicherheit ist davon selbstverständlich ausgenommen. Alles, was mit dem Schutz der Gäste zu tun hat, hat für uns oberste Priorität und wird entsprechend den behördlichen und sicherheitsrelevanten Vorgaben umgesetzt. Da gibt es kein Provisorium.
Ihr schreibt: „Nothing here is finished.“ Warum wollt ihr den Ort überhaupt unfertig zeigen? Ist das Ehrlichkeit, Pragmatismus – oder steckt dahinter auch ein ästhetisches Prinzip?
Weil das nicht unfertig ist, sondern der Charakter des Hauses. Genau dafür haben wir uns entschieden.
Dieser Raum hat eine Substanz, die man nicht herstellen kann. Beton, der jahrzehntelang unter Maschinen gelegen hat. Spuren von Arbeit, die hier tatsächlich stattgefunden hat. Wenn man das saniert, glättet und mit neuen Oberflächen überzieht, hat man am Ende eine Halle wie viele andere – nur teurer. Das Besondere wäre weg, und zurückkäme es nie.
Insofern ist „Nothing here is finished“ keine Entschuldigung. Es ist eine Haltung. Wir zeigen den Ort so, wie er ist, weil das die interessantere Variante ist – nicht, weil uns Zeit oder Geld gefehlt hätten.
Und es hat einen praktischen Vorteil: Ein Raum, der nichts vorgibt, lässt sich immer wieder neu bespielen. Er drängt sich nicht auf. Bei einem Konzert wirkt er anders als bei einer Ausstellung, und beides funktioniert, weil er sich nicht festgelegt hat. Fertige Räume können meistens nur noch eine Sache. Dieser kann viele.
Ehrlichkeit ist es trotzdem auch. Wir tun nicht so, als wäre hier alles perfekt durchgeplant. Aber die Rohheit selbst ist kein Zugeständnis – die ist gewollt.
Euer überdachter Außenbereich soll „nichts Vergleichbares“ in München haben. Was erwartet die Besucher dort konkret?
Das Besondere ist die Konstruktion des Dachs. Es ist lichtdurchlässig, aber regensicher. Man steht also im Freien, hat Tageslicht über sich – und trotzdem spielt das Wetter kaum eine Rolle. Bei Sonne ist es hell und offen, bei Regen bleibt man trocken, und es fühlt sich in beiden Fällen nicht nach Notlösung an. Genau das ist der Unterschied zu einem Zelt oder einer Markise: Es wird nicht dunkel, und es wird nicht eng.
Für ein Open Air in München ist das ein erheblicher Vorteil. Wer hier Veranstaltungen macht, plant üblicherweise mit dem Risiko, dass ein Wetterumschwung den Abend kippt. Wir sind damit deutlich wetterunabhängiger als ein klassisches Open Air.
Dazu kommt der Ort selbst. Das ist ein ehemaliger Verladehof einer Zeitungsdruckerei – hier sind über Jahrzehnte nachts die Lastwagen gestanden, hier wurde die Auflage verladen. Diese Industrieästhetik ist für mich das eigentlich Reizvolle. Es ist kein gestalteter Außenbereich, sondern ein Funktionsraum, der jetzt etwas anderes tut. Man merkt dem Ort seine Geschichte an, und das gibt einem Nachmittag im Freien eine Atmosphäre, die man in einem Biergarten oder auf einer Parkfläche nicht bekommt.
Was steht nach dem Opening auf dem Programm? Und wie entsteht das Lineup?
Der 5. September ist der Auftakt, danach geht es im Haus weiter. Für den 17. Oktober steht das Line-up: Budino, Isabel Soto, The Lady Machine und die Zenker Brothers zum Abschluss. Am 14. November spielt Recondite. Danach folgen der 12. Dezember, der 9. Januar und der 13. Februar – sechs Termine in dieser ersten Saison.
Wie das Programm entsteht: Ich buche selbst, und ich buche nach Handschrift, nicht nach Reichweite. Mich interessiert weniger, wie viele Follower jemand hat, als ob ein Abend eine Richtung hat – ob die Acts zueinander passen, ob sich ein Bogen ergibt, ob am Ende etwas anderes herauskommt als eine Aneinanderreihung von Sets. Deshalb sind es auch nicht ausschließlich große Namen. Ein guter Abend braucht beides: jemanden, für den Leute kommen, und jemanden, den sie danach kennen.
Dass wir für die erste Saison bereits auf diesem Niveau buchen konnten, liegt an bestehenden Beziehungen. Ich arbeite mit Agenturen zusammen, die mich seit Jahren kennen und wissen, wie ich produziere. Das ist in dieser Branche die entscheidende Währung – ein neues Haus bekommt solche Namen normalerweise nicht in der ersten Saison.
Wichtig ist mir dabei die Unterscheidung: PRINTHOUSE startet mit dem Schwerpunkt elektronische Musik und kann perspektivisch um weitere kulturelle Formate wachsen. Parallel dazu entwickelt und kuratiert Henrik das Druckhaus als Gesamtstandort weiter – also auch für Corporate Events, Produktionen, Ausstellungen, externe Veranstaltungen und andere Formate, die nicht unter PRINTHOUSE laufen. Nicht alles, was künftig im Druckhaus stattfindet, ist automatisch PRINTHOUSE.
Wenn du dir PRINTHOUSE in einem Jahr vorstellst: Was soll sich bis dahin verändert haben – und was soll unbedingt genauso geblieben sein wie am ersten Abend?
Verändert haben soll sich vor allem eines: dass wir bei der langfristigen Perspektive für den Standort ein gutes Stück weiter sind und mehr Planungssicherheit haben. Alles, was ich vorhin über Vorlaufzeiten und internationale Buchungen gesagt habe, wird damit leichter.
Bleiben soll die Neugier. Das Feedback, das wir gerade bekommen, ist überwältigend. Ich habe in den letzten Wochen unzählige Nachrichten und Gespräche gehabt, und was mich am meisten berührt hat, ist, wie viele Leute sich freuen, dass ich wieder in München bin. Damit hatte ich so nicht gerechnet. Diese Offenheit ist ein Vertrauensvorschuss, und den muss man sich jeden Abend neu verdienen.
Und ich möchte, dass die Haltung bleibt. Dass wir uns nicht einrichten, nicht bequem werden, nicht anfangen, Abende abzuwickeln statt sie zu machen. Der Moment, in dem ein Haus routiniert wird, ist der Moment, in dem es uninteressant wird.
Zum Schluss noch etwas Persönliches: Ich bin Henrik und Robert dankbar, dass ich Teil dieses Teams sein darf. Ohne die beiden gäbe es dieses Projekt nicht, und man sollte so etwas aussprechen, solange es noch am Anfang steht.

Eine der Künstler:innen auf dem Printhouse-Opening: Die in Berlin ansässige Musikproduzentin und Label-Gründerin Dasco zeichnet sich in ihren DJ-Sets durch energetischen House, Chicago House, Detroit Techno und Disco aus. Mit ihrem Label Bisexuality Exists Records fördert sie die Vielfalt und Inklusion in der elektronischen Musikszene. Foto: Boaz Foster
Alle Infos auf einen Blick:
Opening Open-Air am 5.9.26, 14 – 22 Uhr
(freier Eintritt bis 18 Uhr nach Anmeldung mit E-Mail hier)
Line-up:
Nathalie Seres
DJ Dasco
Euphrat
C.H.P.

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