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Wohnungsnot und hohe Mieten – Was können wir gemeinsam anders machen?
München ist eine der begehrtesten Städte Europas – wirtschaftlich stark, kulturell lebendig, international geschätzt. Und doch ringen wir mit einem Problem, das viele Menschen ganz direkt betrifft: Wohnraum ist knapp. Und teuer.
Ich weiß: Es gibt keine einfachen Lösungen. Und schon gar nicht im Alleingang. Aber manchmal lohnt es sich, die Dinge aus einer unternehmerischen Perspektive zu denken – ganz praktisch, ganz konkret. Nicht im Modus der Schuldzuweisung, sondern im Geist der Zusammenarbeit.
Wenn ich München wäre, würde ich nicht fragen: „Wer ist schuld?“
Ich würde fragen: „Was können wir gemeinsam anders machen?“
Leerstand als Chance begreifen
Natürlich ist nicht jede leerstehende Wohnung ein Missstand. Aber wenn über 20.000 Wohnungen im Zensus als leerstehend erfasst sind, lohnt sich ein zweiter Blick – nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit dem Gedanken: Was ließe sich daraus machen?
Stadt und Verwaltung leisten hier bereits viel. Aber vielleicht können wir den Blick noch weiter schärfen und Prozesse beschleunigen – mit klaren Zielen und gut abgestimmten Werkzeugen.
Ideen, die dabei helfen könnten:
- Eine Taskforce mit 90‑Tage‑Logik: Meldungen strukturiert abarbeiten – mit festen Fristen und einem klaren Prozess.
- Zwischennutzung vereinfachen: Nicht als Ausnahme, sondern als routinierte Verwaltungsoption mit klaren Standards.
- Ein öffentliches Dashboard als Transparenzoffensive: Nicht zur Bloßstellung, sondern zur Orientierung – wie viele Einheiten in welchem Status sind.
- Gezielte Ankäufe oder Belegrechte nutzen: Wenn Eigentümer blockieren, könnten bestehende städtische Instrumente mutiger eingesetzt werden.
All das braucht Kapazitäten – klar. Aber mit einem gemeinsamen Fokus auf Umsetzung können wir vorhandene Strukturen nutzen und stärken, nicht überlasten.
Gewerbe zu Wohnen – mit Konfliktkompetenz
Umnutzung ist anspruchsvoll. Das weiß jeder, der schon einmal versucht hat, Wohnen in bestehende Gewerbestrukturen zu integrieren. Die Hürden sind real – Lärm, Belichtung, Erschließung, Dämmungsvorgaben. Und trotzdem ist hier Potenzial. Wenn wir gemeinsam an standardisierten Lösungen arbeiten, statt im Einzelfall zu verharren, kann daraus echte Bewegung entstehen.
Mögliche Hebel:
- Vorausschauende „Umnutzungskorridore“ definieren: Bereiche, in denen Umwandlung politisch gewollt ist – mit vorbereiteten Leitlinien für Lärm, Verkehr, etc.
- Gemischte Nutzungen aktiv planen: Nicht erst im Verfahren diskutieren, sondern von Anfang an ermöglichen.
- Konflikte gestalten, nicht vermeiden: Mit Schallschutz, smarter Grundrissplanung und transparenten Regeln.
Ziel ist nicht, Probleme zu ignorieren – sondern gemeinsam praktikable Lösungen zu entwickeln.

Höher bauen – mit Qualität und Gemeinwohlbindung
Die Debatte um Höhe ist in München oft emotional – und das aus gutem Grund. Stadtbild, Identität, Lebensqualität: all das hängt an der Frage, wie unsere Stadt in die Höhe wächst.
Die neue Hochhausstudie bietet eine gute Grundlage für einen objektiveren Umgang mit dieser sensiblen Thematik. Wir können daran anknüpfen – mit einem klaren Deal: Höhe gegen Gemeinwohl.
Vorschlag:
- Höhe gezielt nutzen, wenn sie sozialen Mehrwert schafft: B. durch bezahlbaren Wohnraum, soziale Infrastruktur, klimaresiliente Qualität oder innovative Mobilitätskonzepte.
So bleibt die Stadt in Balance – und gewinnt trotzdem an Wohnraum.
Platz besser nutzen – nicht nur in der Breite, sondern in die Höhe
Gerade auf eingeschossigen Supermärkten oder großen Parkplatzflächen liegt viel ungenutztes Potenzial. Erste Projekte zeigen, wie gut Mixed-Use funktionieren kann.
Ideen zur Verstetigung:
- Ein „Dach-drauf“-Programm für große Einzelhandelsflächen: Machbarkeitsprüfung plus standardisierte Planungshilfen.
- Parkplätze neu denken: B. als Ort für kombiniertes Parken, Wohnen, Grün und Energiegewinnung.
- Verfahren beschleunigen, wo EG-Handel bleibt: Wenn die Nahversorgung erhalten bleibt, kann das ein Beschleunigungsgrund sein.
Das Ziel: Mehr Wohnraum ohne Flächenkonkurrenz.
Verdichten mit Augenmaß
Nachverdichtung ist kein Allheilmittel – aber ein gezielter Beitrag. Vor allem, wenn Infrastruktur, soziale Balance und Mobilität mitgedacht werden.
Beispiel: Aufstockung
- Ein Aufstockungskataster für München: Wo wäre statisch, rechtlich und baulich Potenzial?
- Standardisierte Bauweisen, z. B. in Holz oder Modulbauweise: Schnell, nachhaltig, kosteneffizient. Es gibt einige StartUps dazu.
- Finanzielle Anreize koppeln: Etwa an Mietpreisbindung oder soziale Durchmischung.
So wird Verdichtung nicht zum Selbstzweck, sondern zum Teil einer durchdachten Stadtentwicklung.
Prozesse gemeinsam beschleunigen
Dass München bei vielen Vorhaben zu lange braucht, ist bekannt. Gleichzeitig ist klar: Die Verwaltung arbeitet unter hohem Druck, mit vielen Beteiligten und oft widersprüchlichen Erwartungen.
Umso wichtiger ist es, gemeinsam die Stellschrauben zu identifizieren, bei denen echte Entlastung und Beschleunigung möglich sind – nicht durch Druck, sondern durch kluge Gestaltung.
Mögliche Reformansätze:
- Zentrale Steuerung von Bauleitverfahren mit festen Takten.
- Typengenehmigungen und klare Checklisten für Standardprojekte.
- Kombination aus Digitalisierung, Personalausbau und Priorisierung. Auch hier gibt es StartUps, die Prozesse nachweislich verschnellern können ohne Qualitätsverlust.
- „Gemeinwohlspur“ im Verfahren: Projekte mit sozialem Fokus schneller behandeln.
Denn Geschwindigkeit ist nicht Gleichgültigkeit. Geschwindigkeit ist – in einer Stadt mit so vielen wohnungssuchenden Menschen – soziale Verantwortung.
Schlussgedanke
Wenn ich München wäre, würde ich mir eingestehen: Die Wohnungsfrage ist kein einfacher Kampf gegen den Markt. Sie ist ein Prozess, der besser – und schneller – gestaltet werden kann. Nicht im Alleingang, sondern im Zusammenspiel.