Jakob Weiß
Aktuell, Kultur

Die Münchener Biennale als Podcast: Das Unvorstellbare hörbar machen

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Schon mal von aztekischer Kampfkunst gehört?

Nun, irgendwo lernen, wie Karate oder Kung-Fu, kann man diese nicht. Und tatsächlich ist es wohl so, dass über die dazu gehörenden Rituale nicht mehr allzu viel bekannt ist. Bei den Azteken wurden jedenfalls bereits Kinder in der Kampfkunst geschult, um später als Krieger etwa in den sogenannten „Blumenkriegen“ Gefangene zu erbeuten. Diese brachte man dem Sonnengott als Menschenopfer dar. Das aztekische Wort für „Blumenkriege“ ist „Xochiyaoyotl“. Und genauso heißt auch eine Musiktheater-Produktion von Maximiliano Soto Mayorga aus Chile.

Diese wird im kommenden Mai bei der Münchener Biennale, dem Festival für neues Musiktheater zu erleben sein.

Jakob Weiß
Foto: Jakob Weiß

Was bei „Xochiyaoyotl“ genau passieren wird, das ist noch offen. Denn das Stück wird auf der Münchner Biennale seine Uraufführung feiern. Und das ist auch die große Besonderheit der Biennale, die in diesem Jahr ihre 20. Ausgabe hat: Dass sie das weltweit einzige Uraufführungsfestival für neues Musiktheater ist. Man könnte auch sagen: Es ist ein einzigartiges Labor, eine Spielwiese für junge Künstler:innen, die im Falle des Musiktheaters aus gleich mehreren Disziplinen stammen. Komposition, Literatur, Bühnenbild, Schauspiel, Performance oder auch interaktive Medien. Das alles und noch mehr spielt dort mit hinein.

Münchner biennale, Foto: Smailovic

Münchner Biennale, Foto: Smailovic

Auch was die Musik, Formate und Themen angeht, sind die Grenzen extrem offen. Und wie schon der Blick in das kommende Programm beweist: das Festival ist keineswegs etwas für elitäre Snobs. So kann man bei der diesjährigen Ausgabe mit „FOOSBALL[D]“ auch ein „Sound Theater für mehrere Tischfußballspieler und Live-Elektronik“ erleben. Es geht nicht nur um aztekische Kampfkunst, sondern auch Kung-Fu bei der begehbaren Installation „ARCHE“. Im Stück „ENDLICH“ geht es um das Thema Altern, in „crypt_“ werden japanische Geistergeschichten mit Anime und künstlicher Intelligenz verknüpft. Und mit „Der Miesepups“ und „Wie das flunkert“ sind erstmals auch gezielt Stücke für Kinder und Jugendliche dabei.

Münchner Biennale, Foto: Judith Buss

Münchner Biennale, Foto: Judith Buss

Eine große Bandbreite. Die hatte die Biennale schon immer.

Diesmal hat sie aber zudem mit den neuen Leiterinnen Katrin Beck und Manuela Kerer zu tun. Denn die Münchner Kulturmanagerin und die Südtiroler Komponistin wollen mit ihrer ersten Ausgabe ganz konkret auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Und besonders wichtig ist für sie deswegen auch das Vermittlungsprogramm. Dazu gehört unter anderem das neue Podcast-Format „Noch nicht Premiere“, eine Koproduktion der Biennale mit MUCBOOK gehostet von Bastian Zimmermann, dem Herausgeber des in München ansässigen Musikdiskursmagazins „Positionen – Texte zur aktuellen Musik“.

Das ursprünglich in Leipzig entstandene, danach nach Berlin und schließlich 2022 nach München gewanderte Magazin „Positionen“ wurde im Jahr 1988 gegründet. Das ist dasselbe Jahr, in dem der Komponist Hans Werner Henze die Münchener Biennale ins Leben gerufen hat. Was die „Positionen“ mit der Biennale ebenfalls verbindet, das sind die Offenheit, die Neugierde, der Blick über den musikalischen Tellerrand, für die bei den „Positionen“ paradigmatisch ihr Herausgeber Bastian Zimmermann steht.

Jakob Weiß
Bastian Zimmermann, Foto: Jakob Weiß

“Noch nicht Premiere” – der Podcast der Münchener Biennale in Kooperation mit MUCBOOK und POSITIONEN

Zimmermann ist nicht nur Publizist, sondern als Dramaturg und Kurator auch für ungewöhnliche Formate wie die Reihe „Music for Hotel Bars“ und das Festival „Musik Installationen Nürnberg“ verantwortlich. Beim neuen Biennale-Podcast, der auf den üblichen Streaming-Kanälen wie Spotify & Co zu hören sein wird, fungiert er außerdem als Host. Das heißt: Er führt bei jeder der insgesamt fünf, auf jeweils rund 15 Minuten angesetzten Episoden die Gespräche. Er führt ins Thema ein, erklärt uns als Hörer alles Wesentliche und stellt uns die jeweiligen Protagonisten vor.

Bei der ersten, am 29. Januar online gehenden Episode werden das die Biennale-Leiterinnen sein. Da lässt sich zum Beispiel erfahren, was die beiden am Musiktheater so sehr fasziniert und was sie über München als Veranstaltungsort und generell als Stadt denken. Und natürlich erzählen sie etwas über das Programm. In den weiteren Folgen gibt es einen Probeneinblick beim Musiktheaterstück „Endlich“, ein Gespräch über den Biennale-Gründer Henze. Wir schnuppern bei einem Workshop zum Thema „Martial Arts“ hinein. Und in der letzten Folge der ersten Staffel geht es am 7. Mai 2026 ins Zelt, ins Festivalzentrum, das im Muffatwerk sein wird.

Einen Tag später, am 8. Mai 2026, geht es dann auch offiziell los mit der Münchener Biennale. Mit der Uraufführung von „Codeborn“ von Zara Ali aus Memphis, Tennessee. Darin wird die Welt einer künstlichen Intelligenz ausgesetzt. Mit noch offenem Ausgang. Und auch hier zeigt sich: Die Biennale ist mit ihren Themen meist am Puls der Zeit. Zur Musik von Ali heißt es: Sie mache das „Unvorstellbare hörbar“. Was auch nach einer guten Beschreibung für das gesamte Festival klingt. Bis man in dessen Klangwelt eintauchen kann, dauert es noch einige Tage. Aber dafür gibt es ja den Podcast, der uns auf den Weg dorthin begleitet und uns schon mal alles Wichtige darüber erzählt.

Disclaimer: Der Podcast ist eine Ko-Produktion der Münchener Biennale in Kooperation mit MUCBOOK und POSITIONEN.