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Zeit für deinen letzten Blitz-Besuch

Myriam Zeh

Das BLITZ war mehr als nur ein Club. In fast zehn Jahren ist der Techno-Club auf der Museumsinsel zu „einem Tempel des Tanzes“ – so beschreiben es die Betreiber in ihrem Abschiedsbrief, in dem sie am Mittwoch offiziell verkünden: Die Zwischennutzung endet im August 2026.

In der Industriekulisse der Kongresshalle des Deutschen Museums schufen die umtriebigen Münchner Szene-Trendsetter Sandra Forster, David Muallem und Branimir Peco im Jahr 2017 einen Ort, der die Clubgeschichte Münchens maßgeblich prägen sollte.

Auf der Museumsinsel treffen seither zwei Welten aufeinander: tagsüber Ausstellungen und Forschung, nachts Bass und Stroboskop. Dass beides am selben Ort möglich war, machte den Reiz und die Besonderheit dieses Standorts aus.

Doch wie MUCBOOK bereits im Januar von den Betreibern erfahren hatte: Dieses Kapitel der Koexistenz von Tanzen und Technik geht im August zu Ende. Der Mietvertrag zwischen dem BLITZ und dem Deutschen Museum läuft nur noch bis September 2026, bestätigte Museumssprecher Gerrit Faust. Man hätte den Vertrag gerne verlängert, trotz der geplanten baulichen Veränderungen im „Forum der Zukunft“.

Doch die Betreiber hätten unter den angebotenen Bedingungen nicht zustimmen wollen, so der Museumssprecher. Im Abschiedspostulat der Club-Kultur-Koryphäen könnte man einen etwas anderen Zwischenton heraushören: „Wir hatten immer gehofft, so lange wie möglich an diesem Ort bleiben zu können, doch aus Gründen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, müssen wir nun zu neuen Ufern aufbrechen. Wir müssen gehen…“

Was die Gründe sind, dazu wollen sich die Betreiber auch gegenüber MUCBOOK seit 19. Januar 2026 nicht äußern. Dass es sich ursprünglich um eine Zwischennutzung handelte, war von Beginn an bekannt. Und auch, wenn die Veranstalter sich in ihrem Schreiben dankbar zeigen, dass sie die Möglichkeit der Interimsbespielung überhaupt bekommen hatten, zeigt das Ende des inzwischen europaweit bekannten Clubs ein strukturelles Problem der so genannten Münchner Subkulturen.

Für David Süß, Grünen-Stadtrat und Gründer des ehemaligen Elektroclubs Harry Klein, setzt hier mit seiner Kritik an: Zwischennutzungen seien häufig mit hohen Investitionen verbunden, ohne dass langfristige Planungssicherheit bestehe. Clubs bräuchten, ähnlich wie Theater, dauerhafte Räume, um Qualität und Szene entwickeln zu können.

„Das sind Kulturorte wie ein Theater auch“, sagt Süß. Eine Institution wie die Münchner Kammerspiele sei auch deshalb so erfolgreich, weil sie nicht ständig umziehen müsse.

Als ehemaliger Club-Betreiber weiß David Süß: „Ein Club hat ja auch immer ein kreatives Umfeld. Das heißt Musikerinnen, Musiker, die im Club groß werden, DJs, die im Club groß werden, aber auch Künstler:nnen“, und er erinnert an die Tragweite, die die Schließung eines Clubs oft habe: “Fällt ein Club weg, verlieren viele mehr als nur einen Arbeitsplatz – es geht um Netzwerke, Austausch und kulturelle Dynamik.“

Gerade in einer Stadt wie München, in der Flächen knapp und Mieten hoch sind, geraten selbst etablierte Orte zunehmend unter Druck. „Gerade eine Stadt wie München braucht eine kreative Szene“, betont David Süß.

Wie es im Sommer in den BLITZ-Flächen weitergeht stehe noch nicht fest, sagt der Museumssprecher: „Was dort nach den Umbauarbeiten geschieht, ist noch nicht entschieden – wir wünschen uns aber variable Flächen, die unterschiedliche Nutzungen zulassen. Der Ort wird auf jeden Fall erhalten bleiben – und auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein.“

Auch die Gastro am Isarufer, die lange von Vegan-Pionierin Sandra Forster geführt wurde, soll einen neuen Betreiber bekommen. „Das Restaurant ist ebenfalls betroffen und wird im Zuge der notwendigen Umbauten ausziehen müssen. Grundsätzlich wünschen wir uns perspektivisch wieder eine öffentlich zugängliche Gastronomie an dieser Stelle, die zur Belebung der Insel beiträgt“, sagt Gerrit Faust.

Bevor die basserprobten Boxen eingepackt werden, drehen die DJs aber nochmal die Regler hoch. Das Closing-Wochenende findet von Freitag, dem 31. Juli, bis Montag, dem 3. August, statt – es soll „die größte Feier sein, die wir je veranstaltet haben“, versprechen die Betreiber. Bis dahin führe man das Programm fort und man bringe „unsere liebsten und spannendsten Künstlerinnen und Künstler nach München“.

Und dennoch: In der Szene kursieren bereits Gerüchte über eine baldige Neueröffnung des BLITZ-Nachfolgers – unter anderem ist von Räumen an der Sonnenstraße die Rede. Offiziell bestätigt ist bislang nichts.

Die Betreiber selbst zeigen sich zuversichtlich: „Wir haben unser ganzes Leben auf der Tanzfläche verbracht, und keine Sorge: Die Tanzfläche wird immer unser Zuhause bleiben! Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck daran, unsere Geschichte weiterzuschreiben“, verkündigen sie in ihrem Abschiedsbrief.

Da das Blitz als einer der akustisch besten und konzeptionell anspruchsvollsten Clubs Deutschlands galt, seht fest: München verliert ein kulturelles Aushängeschild. Zumindest vorerst. Wie sagen es David Muallem und Branimir Peco so schön in der letzten Zeile ihres Briefes: „Denn jedes Ende ist nur ein neuer Anfang“

Ein Jahr nach der Eröffnung des BLITZ hat sich Jan Rauschning-Vits für den MUCBOOK-Podcast “Mensch München” mit David Muallem getroffen, um über unsere Stadt zu sprechen. Aus aktuellem Anlass ein Hörtipp: MUCBOOK Podcast „Mensch München“ mit David Muallem

Alle Fotos aus dem BLITZ (c) Simon Vorhammer 

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