MCube Speaker Series mit Marco Eisenack, Wiebke Hederich, Markus Hofheinz, Matthias Langer, Emil Pabst / Foto Matthias Grundei
Aktuell, Stadt

Podcast-Sonderfolge: Warum die Zukunft der Stadt sich am Stellplatz entscheidet

MUNICH NEXT LEVEL

München wächst. Bis 2040 werden rund 300.000 zusätzliche Menschen in der Landeshauptstadt leben. Mehr Menschen in der Stadt bedeuten auch mehr Menscheh, die unterwegs sind – und zumindest bislang bedeutete mehr Zuzug auch mehr Autos. Die Zulassungszahlen steigen noch immer stetig. Doch wohin mit den Fahrzeugen? Schon heute sind Fußwege zugeparkt und freie Stellplätze am Straßenrand sollen nach Plänen der Stadt weiter zurückgebaut werden. Zu Gunsten von Grün- und Aufenthaltsflächen in einer immer dichter werdenden Stadt. Das Wachstum der Stadt ist damit unweigerlich auch eine Parkraumfrage. Im Rahmen der MCube Speaker Series moderierte MUNICH NEXT LEVEL-Host  und MUCBOOK-Herausgeber Marco Eisenack das Panel “Parken Next Level” im Verkehrszentrum des Deutschen Museums.

Wie also umgehen mit diesem wachsenden Druck auf die Fläche?

Genau dieser Frage widmete sich die MCube Speaker Series „Parken Next Level“. Marco Eisenack begann den Abend mit bemerkenswerten Zahlen. Eine aktuelle Befragung von 40.000 Münchner Haushalten zeigt: 76 Prozent der Wege werden überwiegend mit dem ÖPNV, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Das ist zwar ein Erfolg der Verkehrswende. Doch die zweite Zahl relativiert das Bild: Rund zwei Drittel der Haushalte besitzen mindestens ein Auto. Ein Paradox. Die Nutzung verändert sich, der Besitz bleibt. An dieser Schnittstelle von Gewohnheit, Bedarf und Flächenknappheit setzte die Diskussion an. Mit auf dem Podium waren Emil Pabst vom Mobilitätsberater VEOMO, Wiebke Hederich von der Initiative Parkraumwende München, Matthias Langer von der Technische Universität München sowie Markus Hofheinz, CEO der WÖHR Autoparksysteme GmbH. 

MCube Markus Hofheinz Foto Matthias Grundei .

Bewegung im Thema: Emil Pabst, VEOMO (rechts), berät Projektentwickler und Kommunen auf dem Weg zur besseren Mobilität | Foto Matthias Grundei 

Viermal Theresienwiese – nur fürs Abstellen

Emil Pabst von VEOMO Consulting rückte das Ausmaß ins Verhältnis: Parkende Autos in München beanspruchen knapp die vierfache Fläche der Theresienwiese. Dazu kommen im Durchschnitt 41 Stunden pro Jahr, die Deutsche allein mit der Parkplatzsuche verbringen. Dadurch verliert man nicht nur wertvolle Lebenszeit, es stößt auch unnötige Emissionen aus.

Im Startup-Mindest bleibt Pabsts trotzdem pragmatisch: Die Stadt verfügt bereits über enorme Kapazitäten, sie sind nur falsch verteilt. Unterschiedliche Nutzergruppen – Büros, Handel, Anwohner:innen – brauchen Stellplätze zu unterschiedlichen Zeiten. In dieser zeitlichen Überlagerung liegen erhebliche Doppelnutzungspotenziale. Parken müsse aus dem öffentlichen Raum verlagert und vorhandene Flächen intelligenter genutzt werden. Seine zugespitzte Frage brachte die Diskussion auf den Kern: Wem möchten wir den uns zur Verfügung stehenden Raum geben, Menschen oder Autos?

Emil Pabst von VEOMO Consulting rückte das Ausmaß ins Verhältnis: Parkende Autos in München beanspruchen knapp die vierfache Fläche der Theresienwiese. Dazu kommen im Durchschnitt 41 Stunden pro Jahr, die Deutsche allein mit der Parkplatzsuche verbringen. Dadurch verliert man nicht nur wertvolle Lebenszeit, es stößt auch unnötige Emissionen aus.

Im Startup-Mindest bleibt Pabsts trotzdem pragmatisch: Die Stadt verfügt bereits über enorme Kapazitäten, sie sind nur falsch verteilt. Unterschiedliche Nutzergruppen – Büros, Handel, Anwohner:innen – brauchen Stellplätze zu unterschiedlichen Zeiten. In dieser zeitlichen Überlagerung liegen erhebliche Doppelnutzungspotenziale. Parken müsse aus dem öffentlichen Raum verlagert und vorhandene Flächen intelligenter genutzt werden. Seine zugespitzte Frage brachte die Diskussion auf den Kern: Wem möchten wir den uns zur Verfügung stehenden Raum geben, Menschen oder Autos?

Die leeren Garagen unter der vollen Stadt

MCube Wiebke Hederich Foto Matthias Grundei .

Tiefer Blick auf die Parksituation: Wiebke Hederich von der Initiative Parkraumwende staunt über leere Tiefgaragen | Foto Matthias Grundei .

Rechtsanwältin Wiebke Hederich von der Initiative Parkraumwende München widersprach der verbreiteten Annahme, es fehle schlicht an Stellplätzen. Sie schilderte eine alltägliche Szene: Ein gut besuchtes Kaufhaus, die Tiefgarage darunter weitgehend leer. Seit Jahrzehnten werden Gebäude mit Stellplatzpflicht errichtet, oft in größerer Zahl als tatsächlich benötigt. Gleichzeitig blockierten zudem extrem günstige Bewohnerparkausweise den Fortschritt. Mit ihrer Initiative kartiert Hederich freie Parkflächen und zeigt: Es gibt Parkraum. Bevor neue Flächen versiegelt werden, sollten also bestehende besser genutzt werden. Ihr Ziel ist es, den Markt wieder in Balance zu bringen.

MCube Matthias Langer Foto Matthias Grundei .

Lieferte das Zitat des Abends: Matthias Langer von der TUM.  Foto Matthias Grundei

Wer Parkplätze sät, wird Autos ernten

Matthias Langer von der Technische Universität München nähert sich dem Thema wissenschaftlich  und stößt auf ein erstaunliches Defizit. Es gibt extrem viel Parkraum, aber erstaunlich wenig Daten darüber. In vielen Städten weiß die Verwaltung nicht einmal genau, wie viele Straßenstellplätze existieren. Von privaten Flächen ganz zu schweigen.

Dabei zeigt die Forschung, dass Parkraum-Angebot das Mobilitätsverhalten beeinflusst. „Wer Parkplatz sät, wird Autos ernten“, sagt Langer. Parken ist also ein Steuerungsinstrument für Mobilität. Internationale Beispiele machen es vor, wie man dies nutzen kann: Amsterdam plant nur noch 0,2 Parkplätze pro Wohnung und Japan erlaubt Zulassungen nur bei eigenem Stellplatz-Nachweis. 

MCube mit Markus Hofheinz von WÖHR Foto Matthias Grundei

Parkraum neu denken: Markus Hofheinz, WÖHR Parksysteme,  präsentierte überraschende Zahlen im Verkehrsmuseum des Deutschen Museum. Foto Matthias Grundei.

Verdichten statt verdrängen

Markus Hofheinz, CEO der WÖHR Autoparksysteme GmbH, hat eine klare Vision: „Wir wollen Parklösungen anbieten, die helfen, den Parkraum effizienter zu nutzen.” Wie genau das funktioniert? Sein Stichwort lautet Verdichten. Zum Beispiel mithilfe von Parktürmen oder automatisierten Sytemen im Untergrund. Dabei sollen die Autos in Tiefgaragen nicht mehr in der Fläche parken, sondern kompakt übereinander abgestellt werden. Das sei auch ökologischer: Weniger Eingriff in den Boden und das Grundwasser und vor allem weniger CO2-Killer Beton im Boden. Nach Berechnung von WÖHR sparen automatische Parksysteme bis zu 50% des Flächenbedarfs und bis zu 40% der CO2-Emissionen – und sind oft zugleich auch noch preiswerter als konventionelle Tiefgaragen. (Detaillierte Rechenbeispiele zu Fläche, Energie, Volumen, Emissionen, Materialeinsatz und Kosten gibt es hier.) Darum appelierte der Park-Experte an Bauwirtschaft, Architekt:innen und Stadtplaner:innen, bei einem Bauprojekt immer zuerst ans Parken zu denken. Denn es kann mitunter mühsam sein, im Nachhinein eine Lösung für die benötigten Parkflächen zu finden.

Parken ist und bleibt Kern der Stadtentwicklung. Die MCube Speaker Series zeigte, dass die Daten, Modelle und technische Lösungen bereits existieren. Nun braucht es aber Mut und politischen Willen, den Raum effizient und zukunftsfäig zu verteilen.

Hör jetzt die ganze Folge auf Spotify & Co.

Die Sonderfolge von MUNICH NEXT LEVEL gibt es jetzt auf Podigee, Spotify, Apple Music, Deezer & Co.

MCube Markus Hofheinz Foto Matthias Grundei .